Liefern statt lafern

Nach einer 15-jährigen Tour de Suisse ist Roland Gerber wieder bei den SCL Tigers angelangt. Der Eggiwiler ist nicht nur ein physisch starker Stürmer, sondern auch Besitzer eines Transportunternehmens.

Mit Vollgas in die neue Saison: Zuzug Roland Gerber will mithelfen, dass es mit den SCL Tigers vorwärtsgeht. Neben dem Eis lenkt er erfolgreich eine Firma.

Mit Vollgas in die neue Saison: Zuzug Roland Gerber will mithelfen, dass es mit den SCL Tigers vorwärtsgeht. Neben dem Eis lenkt er erfolgreich eine Firma.

(Bild: Andreas Blatter)

In Arbeitskleidung erscheint Roland Gerber am Treffpunkt. Nicht dass er das Langnauer Trikot tragen würde; er hat sich ein Shirt seiner Firma übergestreift. Bei der Berufsbezeichnung legt der Emmentaler Wert auf Vollständigkeit: Klar, er ist Eishockeyprofi, einer von acht Neulingen bei den SCL Tigers. Gerber aber ist auch Firmenbesitzer, leitet mit dem Bruder ein Transportunternehmen.

Ob als Automechaniker, Bauarbeiter, als Assistent eines Buchhalters oder Bürofachkraft – seit Beginn seiner Profikarriere vor 15 Jahren hat der Stürmer stets neben dem Eis geschuftet. «Ohne Nebenjob würde mir langweilig», sagt Gerber, der im ausgefüllten Tagesprogramm einen Vorteil sieht: «Hast du stets etwas zu tun, kommst du nicht auf dumme Ideen.»

Zu viel Freizeit schadet einem Hockeyprofi, davon ist Gerber überzeugt. «Ich würde mir wohl zu viele Gedanken über den Sport machen.» Überdies wundert er sich ob der Planungslosigkeit einiger Berufskollegen, die nur im Hier und Jetzt leben. «50 Jahre lang hat doch noch keiner als Hockeyaner Geld verdient. Also gilt es, vorauszuschauen.» In der Firma kümmert er sich um administrative Belange, ab und zu setzt er sich selbst ans Steuer.

10 Lieferwagen umfasst der in Bern stationierte Wagenpark der Transport-Kurier Gerber GmbH, 15 Angestellte figurieren auf der Lohnliste. Bis 3,5 Tonnen schwere Ladung wird fortbewegt. Zum Kundenstamm gehören Bäckereien, aber auch Grossunternehmen wie Nestlé. Flexibel teilt sich der Tigers-Akteur die Arbeitszeiten ein, sein Büro befindet sich in der eigenen Wohnung. Die Langnauer Verantwortlichen störts nicht. «Ich ackere ja nicht die Nächte durch», meint der frühere Nachwuchsnationalspieler.

Wie Weihnachten und Ostern

32 ist Roland Gerber, fürs letzte Viertel seiner Karriere ist er ins Emmental zurückgekehrt. Als Bub stand er in der Langnauer Fankurve; er absolvierte bei den Tigers die Hockeyschule, debütierte als 17-Jähriger in der NLA. «Doch ich blieb der Stift im Betrieb.» Von der damaligen Führung erhielt er wenig Vertrauen. «Es war eine andere Zeit – nun sind die Strukturen viel besser.»

2004 lotste ihn der frühere Langnau-Coach Simon Schenk in die Organisation der ZSC Lions. Gerber spielte meist fürs Farmteam GC, fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der NLB. «Sportlich betrachtet war das ein Fehler, aber in dieser Zeit bin ich zu jenem Kämpfer geworden, der ich jetzt bin.»

Danach war der Eggiwiler in Biel und Langenthal engagiert, im Dezember 2009 nahm dann der SCB Kontakt mit ihm auf. Im Tausch mit dem heutigen Berner Sportchef Alex Chatelain wechselte er in die Hauptstadt, «das war wie Weihnachten und Ostern zusammen».

Er feierte 2010 den Titel, gewann später mit Servette zweimal den Spengler-Cup. «Meine Karriere ist sehr langsam in die Gänge gekommen», sagt Gerber, der im U-20-Nationalteam mit Andres Ambühl, Beat Forster und Severin Blindenbacher spielte. «Aber nun gibt es nichts mehr zu jammern.»

Dafür sorgen, dass es «chlepft»

Während fünf Jahren spielte Gerber für Servette, den von Chris McSorley geführten und trainierten Verein. Den Kanadier bezeichnet er als speziellen Typen, «doch ich verstehe mich gut mit ihm». McSorley sei hart und fordernd, «ein Businessmann, der überspitzt formuliert über Leichen geht. Seit ich eine Firma besitze, weiss ich aber, dass unpopuläre Entscheide gefällt werden müssen.»

Gerbers Auftrag in Genf war es, das Spiel zu zerstören. «Ich sollte rausgehen und dafür sorgen, dass es chlepft.» McSorley, der dem leidenschaftlichen Töfffahrer eine Harley-Davidson-Maschine vermittelte, weiss Gutes über seinen einstigen Schützling zu erzählen. «Andere sind talentierter als er. Doch ich hätte mir mehr solche Spieler wie ihn gewünscht. Er tat, was ich verlangte. Ohne Theater zu machen.»

Gerbers Trumpf ist die Physis. Seine Skorerqualitäten hingegen sind bescheiden, mehr als 6 Saisontore hat er in der NLA nie erzielt. Bei den Tigers dürfte er in der Formation mit Rob Schremp und Pascal Berger agieren, «ich traue ihm auch in der Offensive einiges zu», meint Sportchef Jörg Reber.

Was die individuelle Klasse betrifft, stuft Gerber die Tigers etwas weniger stark ein als Servette, «in kämpferischer Hinsicht aber werden wir uns vor niemandem verstecken müssen». In den meisten Prognosen werden die Tigers im letzten Rang eingestuft. «Das stachelt uns an. Wir können einiges erreichen, aber ich halte eigentlich nichts von grossen Tönen. Es bleibt viel zu tun», sagt Gerber. Ob mit oder ohne Nebenjob.

Berner Zeitung

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