Leader im Grenzbereich

Am Dienstag empfangen die SCL Tigers das kriselnde Lausanne. Vor dem Rencontre mit den Waadtländern hallt das turbulente Cupspiel gegen die ZSC Lions vom Sonntag noch nach.

Yannick Blaser (links) geht immer mit vollem Einsatz zur Sache. Doch zuweilen übertreibt er es.

Yannick Blaser (links) geht immer mit vollem Einsatz zur Sache. Doch zuweilen übertreibt er es.

(Bild: Marcel Bieri)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Sie sticht unmissverständlich ins Auge, diese «Schnatte». Am Nasenansatz befindet sie sich, fast zwischen den Augen. Wer also mit Yannick Blaser spricht, wird den Blick rasch einmal auf dessen «Kriegsverletzung» richten. Es ist eine Erinnerung an den turbulenten Cup-Achtelfinal vom Sonntag gegen die ZSC Lions (5:3). Und Auslöser dafür war der Langnauer Verteidiger respektive dessen harter Check gegen Mattia Hinterkircher. Denn von da an – gespielt waren erst knapp drei Minuten – agierten die SCL Tigers und die ZSC Lions nach dem Motto: «Auge um Auge, Zahn um Zahn.» 

So bekam Blaser nach seiner Körper-Charge denn auch eine kräftige Abreibung von diversen Zürchern, deren Spuren eben nun sichtbar sind. «Das gehört dazu, wir hätten nicht anders gehandelt», meint der 29-Jährige und liefert sogleich ein entsprechendes Beispiel: «Als sie Andrea Glauser nicht von ihrer Bank liessen, sind wir ja auch eingesprungen.» Letztlich behielten die SCL Tigers in der hitzigen Atmosphäre den kühleren Kopf, zogen in die nächste Cup-Runde, in welcher sie Ende November auf Servette treffen werden.

Die Reue

Auch wenn Blasers Aktion keine Strafe zur Folge hatte, sie wirft kein gutes Licht auf ihn: Denn der Langnauer ist ein Wiederholungstäter. Letzten Februar hatte er nach einem hohen Stock gegen Berns Gaëtan Haas fünf Spielsperren kassiert, Anfang Monat checkte er Biels Damien Brunner hart gegen den Kopf, wofür er eine Spieldauerdisziplinarstrafe erhielt.

Die Aktionen gegen Brunner und Hinterkircher lassen sich nicht 1:1 vergleichen, weil Blaser den Bieler seitlich und voll am Kopf erwischte, was gegen den Zürcher nicht der Fall war. «Als hinterster Spieler musste ich in die Ecke. Ich schaute nach rechts und hatte das Gefühl, dass er ebenfalls zu einem Check ansetzt, um an den Puck zu kommen. Ich versuchte dasselbe und stand einfach hin», kommentiert der Langnauer die Szene. Wobei er betont: «Ich achtete darauf, dass die Ellbogen nicht oben waren.»

Blaser ist nicht der Inbegriff eines «Goons», er ist kein Bösewicht im klassischen Sinn. Aber sein Spiel ist zuweilen grenzwertig, und das weiss er. «Ich suche das nicht. Aber es ist nun das zweite Mal, dass ein Check von mir einem Gegner extrem wehgetan hat. Vielleicht muss ich über die Bücher», hält der Verteidiger fest. Er wisse aus eigener Erfahrung, was Verletzungen für einen Spieler bedeuten, meint Blaser. Er werde sich bei Hinterkircher melden, «das gehört sich einfach. Mir tut es immer noch leid, dass er sich bei dieser Aktion verletzt hat.»

Die Warnung

Heinz Ehlers ist sich bewusst, dass sich Blaser mit seinem Spiel nicht immer einen Gefallen tut. Doch der Tigers-Coach hält gleichwohl grosse Stücke auf ihn: «Er stellt sich voll und ganz in den Dienst der Mannschaft, ist ein Leader.» Der 29-Jährige ist ein Eckpfeiler in der Defensive der SCL Tigers und mit ein Grund, dass diese nach 11 Runden mit einer Ausbeute von 18 Punkten auf einen gelungenen Saisonstart zurückblicken.

Am Dienstag empfangen die Emmentaler nun Lausanne in der Ilfishalle. Sie müssen dabei ein weiteres Mal auf Ivars Punnenovs verzichten, des Torhüters Verletzung ist noch nicht komplett ausgeheilt. Mit Blick auf die Tabelle lässt sich von einer wegweisenden Partie schreiben, weil die neuntplatzierten Waadtländer mit einem Erfolg um acht Zähler distanziert werden könnten.

«Wir hatten einen guten Start, und den haben wir uns erarbeitet. Aber wenn jetzt von uns nichts mehr kommt, nützt das nicht viel», sagt Blaser. Und überhaupt sei für die SCL Tigers jedes Spiel wegweisend. Diese Aussage passt zu ihm. Weil es dem Familienvater abseits des Eisfelds fernliegt, für Polemik zu sorgen.

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