Lausanne in den Playoffs – Biel verpasst Vorentscheidung

Ein ersatz- und grippe-geschwächtes Lausanne verliert gegen die Kloten Flyers diskussionslos 0:3. Und der EHC Biel verpasst es im Heimspiel gegen Servette, eine Vorentscheidung im Strichkampf zu realisieren.

Partie brachte ein Novum in der Geschichte des Schweizer Profi-Eishockeys: Biels Philipp Wetzel im Kampf um den Puck gegen Servettes Matt D'Agostini. (14. Februar 2015)

Partie brachte ein Novum in der Geschichte des Schweizer Profi-Eishockeys: Biels Philipp Wetzel im Kampf um den Puck gegen Servettes Matt D'Agostini. (14. Februar 2015)

(Bild: Keystone)

Mit sechs Punkten Rückstand auf das achtplatzierte Biel sind die die Playoff-Hoffnungen der Kloten Flyers vier Runden vor Schluss nur noch klein. Vielleicht spielten sie genau deshalb in Lausanne so befreit auf wie kaum je in dieser Saison und gewannen in Lausanne sehr verdient. Die Waadtländer, die sich trotz der Niederlage als siebtes Team für die Playoffs qualifizierten, verloren zum vierten Mal in Serie. Lausanne hat in den letzten Wochen an Schwung verloren und leidet zudem unter einer Grippewelle. Neben den verletzten Ausländern Juha-Pekka Hytönen und Daniel Bang liefen einige Spieler auf, die nicht ganz fit waren.

Kloten liess sich die Chance auf die drei Punkte und die Wahrung seiner kleinen Playoff-Chance nicht entgehen. Denis Hollenstein war mit den Toren zum 1:0 (16.) und 3:0 (53.) der überragende Feldspieler. Zudem gewann der 40-jährige Martin Gerber das Duell der Goalie-Oldies gegen den ein Jahr jüngeren Cristobal Huet klar. Der Silber-Held von Stockholm stoppte alle 31 Schüsse der Lausanner und sicherte seinen insgesamt 15. Shutout in der National League A.

Ein eher diskretes Debüt zeigte der neue Finne Ville Leino im Kloten-Dress. Es spielte an diesem Abend für die Zürcher Unterländer aber keine Rolle. Umso mehr dürfte nun die Niederlage am Freitagabend im Penaltyschiessen gegen den direkten Konkurrenten Biel schmerzen. Immerhin winken in den nächsten zwei Spielen gegen den Lieblingsgegner Rapperswil-Jona Lakers weitere Punkte.

Biel - Servette 3:6

Die Entscheidung zu Gunsten des Spengler-Cup-Siegers fiel nach 51 Minuten und innerhalb von 67 Sekunden. In Unterzahl setzten die Servettiens zum Konter an, den Verteidiger Frédéric Iglesias unkonventionell, aber erfolgreich abschloss. Für Iglesias war es erst das zweite NLA-Tor; vor zwei Jahren hatte er einmal in den Playoffs getroffen. Sein Goal war kein Shorthander, weil Matt Lombardi unmittelbar vor dem Treffer das Eis wieder hatte betreten dürfen. 67 Sekunden später stellten Alexandre Picard (Torschütze) und Lombardi (Assistent) mit einer Traumkombination vor dem 5:3 Servettes Sieg sicher. Den Schlusspunkt setzte Lombardi in der vorletzten Minute mit einem Schuss ins leere Tor.

Die Partie hätte vor den letzten zehn Minuten auf beide Seiten kippen können. Servette verspielte drei Führungen und hinterliess nicht mehr den grandiosen Eindruck des Vorabends, als sie die ZSC Lions mit 6:1 besiegt hatten. Biel kämpfte mit grossen Herzen, agierte aber oftmals zu ungestüm und in einigen Phasen unglücklich. Nur die "Special Teams" spielten bei Biel effizient: Der EHCB erzielte ein Tor in Unterzahl (1:1) und zwei in Überzahl (2:2, 3:3). Den Seeländern fehlte nach dem freitäglichen Strichkampf in Kloten (2:1-Sieg nach Penaltyschiessen) die nötige Kraft. Ausserdem kosteten die drei Aufholjagden während mehr als 16 Minuten ebenfalls noch Kräfte.

Die Partie in Biel brachte noch ein Novum in der Geschichte des Schweizer Profi-Eishockeys. Nachdem jahrelang die Partien mit einem Head-Schiedsrichter und zwei Linienrichtern geleitet worden waren, standen am Samstag während mehr als 38 Minuten erstmals zwei Head-Schiedsrichter und lediglich ein Assistent auf dem Eis. Linienrichter Michael Rohrer wurde in der 22. Minute von einem Puck am Knie getroffen und musste aussteigen. Franco Espinoza, der zweite Linienrichter, war anschliessend der eigentliche und heimliche Schwerarbeiter auf dem Eis.

Fribourg - Zug 2:4

Beim einstigen offensiven Schillerfalter Fribourg liegen die Probleme derzeit vor allem im Angriff. Das Team von Trainer Gerd Zenhäusern tut sich ungemein schwer mit dem Toreschiessen. Am Freitagabend gelang in Bern nur ein kurioses und äusserst glückliches Tor durch John Fritsche, gestern blieb man in der heimischen Eishalle mehr als 56 Minuten ohne Erfolgserlebnis. Der EV Zug agierte wesentlich effizienter und war nach einem Doppelschlag im ersten Drittel kaum noch gefährdet. Innerhalb von 31 Sekunden schossen Robbie Earl und Dario Bürgler die Zentralschweizer 2:0 in Front. Lino Martschinis 3:0 in der 34. Minute war dann nur noch Zugabe, doch eine bildschöne aus der Kategorie "Meisterwerk".

Die beste Chance, der Partie eine andere Wendung zu geben, hatten die Freiburger in den Sekunden vor dem 0:1. In Unterzahl lief Tristan Vauclair alleine auf Zugs Tobias Stephan, schoss diesem jedoch mitten auf den Körper. Praktisch im Gegenzug eröffnete Earl das Skore für die Zuger. Die Szene war symptomatisch für die offensive Impotenz des Spitzenteams der letzten Jahre. Erst knapp vier Minuten vor Schluss gelang Adam Hasani der Ehrentreffer, nachdem Christian Dubé den Pfosten getroffen hatte.

Es war für Gottéron zu wenig, um nochmals ernsthaft Hoffnung zu schöpfen. In den letzten 62 Sekunden gab es noch Tore durch Earl (ins leere Tor) und Killian Mottet zum 2:4-Schlussergebnis. Zug machte damit einen grossen Schritt, sich in den Playoff-Viertelfinals den Heimvorteil zu sichern. Fribourg hingegen muss mit den Playouts planen.

Rapperswil - Lugano 4:2

Weil der Rapperswiler Taktgeber Anders Eldebrink dem schwedischen Topskorer Nicklas Danielsson eine Pause gewährte, rückten für einmal die Vertreter der zweiten Reihe ins Zentrum: Jordy Murray beispielsweise, der gebürtige Amerikaner mit bescheidener Vergangenheit beim HC Lugano und bisher mässigem Output. Der 25-Jährige war mit seiner Doublette zum 2:0 und 3:0 ( 35.) massgeblich am erst dritten Erfolg im neuen Jahr beteiligt.

Damien Brunner hingegen spielte beim blamablen Auftritt der Südschweizer keine gute Rolle. Die Unterzahlsituation beim ersten Gegentreffer verschuldete der prominente Rückkehrer aus der NHL mit einem Foul. Vor dem kursweisenden dritten Gegentor hatte sich der Millionen-Stürmer den entscheidenden Fehlpass geleistet. Und im Schlussdrittel legte Brunner seine Formation mit einer Disziplinarstrafe gleich selber lahm.

Die Attitüde des neuen Stars der Bianconeri passte zur allgemeinen Tessiner Nonchalance. Praktisch keiner erfüllte die Ansprüche. Die auf dem Papier erhebliche Differenz von 48 Punkten war lange kaum wahrnehmbar. Erst als sich die entkräfteten Gastgeber reihenweise Strafen einhandelten, drehte der Favorit (zu spät) auf - mehr als Brunners 17. Skorerpunkt im 16. Spiel liessen die St. Galler trotz ihrer Energieprobleme indes nicht zu.

In der wohl teuersten Offensive der Schweiz gehörte nicht nur Brunner zu den Nebendarstellern, sondern für einmal auch die hoch dekorierten Schweden. Fredrik Pettersson, die mit deutlichem Abstand beste Offensivkraft Liga, fand nahezu nicht statt, für seinen üblicherweise spektakulären Partner Linus Klasen war gegen die schwächste Defensive der Liga die persönliche Null-Bilanz nicht abzuwenden.

Lausanne - Kloten Flyers 0:3 (0:1, 0:0, 0:2).

6854 Zuschauer. - SR Mollard/Stricker, Progin/Wüst.

Tore: 16. Hollenstein (von Gunten, Mueller/Ausschluss Liniger!) 0:1. 43. Casutt (Vandermeer) 0:2. 53. Hollenstein (Mueller, Guggisberg/Ausschluss Jannik Fischer) 0:3.

Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Lausanne, 2mal 2 Minuten gegen Kloten.

PostFinance-Topskorer: Louhivaara; Guggisberg.

Lausanne: Huet; Gobbi, Leeger; Jannik Fischer, Stalder; Rytz, Genazzi; Neuenschwander, Froidevaux, Herren; Louhivaara, Miéville, Pesonen; Antonietti, Genoway; Déruns; Nodari, Seydoux, Lardi.

Kloten Flyers: Gerber; DuPont, Vandermeer; von Gunten, Back; Frick, Schelling; Randegger; Guggisberg, Mueller, Hollenstein; Bieber, Leino, Bodenmann; Stancescu, Liniger, Leone; Bühler, Kellenberger, Casutt; Praplan.

Bemerkungen: Lausanne ohne Hytönen, Augsburger, Bang, Simon Fischer, Savary (alle verletzt), Conz und Ulmann (beide krank), Kloten ohne Jenni, Stoop, Lemm, Andersson, Santala und Murray (alle verletzt). Pfostenschuss Back (35.).

Biel - Genève-Servette 3:6 (2:2, 1:1, 0:3).

4614 Zuschauer. - SR Kurmann/Wehrli, Espinoza/Rohrer.

Tore: 4. Jeremy Wick (Roland Gerber, Rivera) 0:1. 12. Gaetan Haas (Ausschluss Gossweiler! plus Strafe gegen Servette angezeigt) 1:1. 15. Lombardi (Tom Pyatt, Picard) 1:2. 17. Rossi (Arlbrandt, Niklaus Olausson/Ausschluss Rivera) 2:2. 30. Romy (Kast, Almond/Ausschluss Joggi) 2:3. 35. Rossi (Gaetan Haas, Wellinger/Ausschluss D'Agostini) 3:3. 51. Iglesias (Romy, D'Agostini) 3:4. 52. Picard (Lombardi, Tom Pyatt) 3:5. 59. Lombardi (Picard) 3:6 (ins leere Tor).

Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Biel, 5mal 2 Minuten gegen Genève-Servette.

PostFinance-Topskorer: Oliver Kamber; D'Agostini.

Biel: Simon Rytz; Jelovac, Gloor; Fey, Cadonau; Wellinger, Gossweiler; Nicholas Steiner, Jecker; Arlbrandt, Niklaus Olausson, Rossi; Samson, Oliver Kamber, Herburger; Berthon, Gaetan Haas, Spylo; Wetzel, Peter, Joggi.

Genève-Servette: Robert Mayer; Vukovic, Iglesias; Mercier, Eliot Antonietti; Loeffel, Dario Trutmann; D'Agostini, Romy, Almond; Jeremy Wick, Rivera, Roland Gerber; Tom Pyatt, Lombardi, Picard; Rubin, Kast, Jacquemet.

Bemerkungen: Biel ohne Tschantré, Martin Ulmer, Christian Moser, Umicevic, Horansky, Ehrensperger (alle verletzt) und Untersander (krank), Genève-Servette ohne Bays, Marti, Bezina, Ranger, Rod (alle verletzt) und Taylor Pyatt (überzähliger Ausländer). - Pfostenschuss Rossi (1.). - Timeout Biel (59.). - Linienrichter Rohrer verletzt ausgeschieden (22./Knie).

Fribourg-Gottéron - Zug 2:4 (0:2, 0:1, 2:1).

6184 Zuschauer. - SR Prugger/Vinnerborg, Fluri/Kaderli.

Tore: 12. (11:48) Earl (Bouchard, Sondell/Ausschluss Helbling) 0:1. 13. (12:19) Bürgler (Sutter) 0:2. 34. Martschini (Suri) 0:3. 57. Hasani (Huguenin) 1:3. 59. (58:58) Earl (Bürgler, Bouchard) 1:4 (ins leere Tor). 60. (59:45) Mottet (Vauclair) 2:4.

Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Fribourg, 7mal 2 Minuten gegen Zug.

PostFinance-Topskorer: Pouliot; Bouchard.

Fribourg-Gottéron: Conz; Helbling, Abplanalp; Ngoy, Schilt; Kamerzin, Granak; Huguenin; Mauldin, Pouliot, Vauclair; Hasani, Dubé, Mottet; Sprunger, Bykow, Brügger; Fritsche, Sprukts, Monnet.

Zug: Stephan; Ramholt, Grossmann; Erni, Alatalo; Schlumpf, Sondell; Blaser; Zangger, Earl, Bouchard; Bürgler, Sutter, Schnyder; Martschini, Dünner, Suri; Lammer, Diem, Herzog; Christen.

Bemerkungen: Fribourg ohne Kwiatkowski, Ness und Plüss (beide verletzt), Zug ohne Holden (gesperrt), Lüthi und Morant (beide verletzt). 53. Brügger mit Beinverletzung ausgeschieden. 57. Pfostenschuss Dubé. 58. Timeout Fribourg. Fribourg von 51:58 bis 52:32 (bei doppelter Überzahl) und von 58:00 bis 58:58 ohne Goalie.

Rapperswil-Jona Lakers - Lugano 4:2 (2:0, 1:0, 1:2).

3995 Zuschauer. - SR Eichmann/Koch, Dumoulin/Tscherrig.

Tore: 3. Thibaudeau (Walsky/Strafe gegen Lugano angezeigt) 1:0. 5. Jordan Murray (Walser, Persson/Ausschluss Bertaggia) 2:0. 35. Jordan MurrayNickl (Persson/Ausschluss Hürlimann!) 3:0. 49. (48:56) Nils Berger (Ausschluss Pettersson) 4:0. 50. (49:24) Fazzini (Hirschi) 4:1. 58. Brunner (Pettersson/Ausschluss Hächler) 4:2.

Strafen: 10mal 2 Minuten gegen die Rapperswil-Jona Lakers, 12mal 2 plus 10 Minuten (Brunner) gegen Lugano.

PostFinance-Topskorer: Johansson; Pettersson.

Rapperswil-Jona Lakers: Wolf: Fransson, Blatter; Walser, Sataric; Hächler, Sven Berger; Geyer; Ryser, Persson, Schommer; Kuonen, Johansson, Nils Berger; Thibaudeau, Walsky, Jordan Murray; Rizzello, Schmutz, Hürlimann; Frei.

Lugano: Merzlikins; Chiesa, Kienzle; Ulmer, Vauclair; Andersson, Hirschi; Kostner, Sartori; Walker, Steinmann, Bertaggia; Pettersson, Paakkolanvaara, Klasen; Brunner, McLean, Simek; Fazzini, Sannitz, Reuille.

Bemerkungen: Rapperswil-Jona ohne Weisskopf, Sieber (beide krank), Obrist, Lüthi, Neukom, Punnenovs, Friedli (alle verletzt), Danielsson (überzählig), Lugano ohne Filppula (verletzt), Kparghai, Maurer (beide krank). 59. Timeout von Lugano, danach 55:49 bis 57:51, 58:10 bis 58:21 und ab 58:32 ohne Goalie.

si

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