Lars Leuenberger erbt beim SCB den Posten seines Bruders

Lars Leuenberger ersetzt beim SC Bern seinen zu den ZSC Lions wechselnden Bruder Sven. CEO Marc Lüthi bezeichnet den ehemaligen Meistertrainer als «Mann mit dem besten Profil und dem besten Leistungsausweis».

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Adrian Ruch

Das Leben schreibt manchmal merkwürdige Geschichten. Besser: Der SC Bern schreibt zu­weilen spezielle Geschichten. Im November 2015 wurde, weil der Erfolg ausgeblieben war, Guy Boucher entlassen. Ins Amt des Cheftrainers gehievt wurde der damalige Assistent Lars Leuenberger, der so zum Nachfolger seines Nachfolgers mutierte. Im gleichen Zug gab Lars Leuenbergers Bruder Sven seinen Posten als Sportchef ab. Das müsse er tun, damit diese Lösung funktionieren könne, hielt der ehemalige Verteidiger damals fest.

Es war tatsächlich die beste Lösung, denn zum Saisonende stand der SCB als Schweizer Meister fest. Trotzdem musste Lars Leuenberger gehen, weil in der Zwischenzeit der Finne Kari Jalonen als Cheftrainer verpflichtet worden war. Bruder Sven war zuerst als Coach der Elitejunioren und dann als Chefscout sowie als Leiter der strategischen Sportentwicklung tätig. Diese Stelle war neu geschaffen worden.

Für den Job prädestiniert

Und nun ersetzt also Lars Leuenberger beim SCB seinen Bruder, der, was seit Dienstag bekannt ist, als Sportchef zu den ZSC Lions wechselt. Etwas salopp kann man es so formulieren: Zwei Leuenberger in wichtigen Funktionen waren zu viel, aber ohne geht es dann doch nicht. SCB-Chef Marc Lüthi hat sich noch nie gescheut, heikle Entscheidungen zu treffen. Und er hat auch jetzt, ohne mit der Wimper zu zucken, den Meistertrainer zurückgeholt – ungeachtet dessen, dass die Trennung vor einem guten Jahr auch ungute Gefühle auslöste.

«Lars stand von Anfang an zuoberst auf der Kandidatenliste. Er ist der Mann mit dem besten Profil und dem besten Leistungsausweis», hält Lüthi klipp und klar fest. In der Tat hat Lars Leuenberger nicht nur die höchsten Trainerdiplome, sondern auch viel Erfahrung auf diversen Ebenen. Insofern ist er prädestiniert dafür, als Coach der Coachs, als Bindeglied zwischen Nachwuchs- und Profiabteilung sowie als Chefscout zu wirken.

Die Funktion sei für den Verein sehr wichtig, sagt Lüthi. «Wir verfügen über kein Farmteam, daher sind die individuelle Förderung der Junioren und die Ausbildung der Trainer zentral.» Lars Leuenberger freut sich darauf, die Arbeit seines älteren Bruders fortzusetzen. Sven sagte am Dienstag, er habe es vermisst, Entscheide treffen zu können. Lars glaubt nicht, dass es ihm ähnlich ergehen wird. «Ich war als Trainer Entscheidungsträger, aber als Assistent auch vier Jahre lang in erster Linie Berater.» Ihn reize es, Ideen zu entwickeln und mit den Juniorenteams regelmässig aufs Eis zu gehen.

Keine Ausstiegsklausel

Lars Leuenberger hat «kein einfaches Jahr» hinter sich, wie er sagt. Obwohl er den SCB von Rang 8 aus zum Titel geführt hatte, erhielt er keinen neuen Job. In Biel, in Freiburg, in Lugano, in Ambri wurden ihm andere vorgezogen. Das Risiko, noch länger auf eine Chance zu warten, war gross. Dennoch wollte er nicht die ­Branche wechseln. «Eishockey ist meine Leidenschaft», betont er. Insofern war das SCB-Angebot für ihn ein Glücksfall. Der ­frühere Flügelstürmer hat einen Zweijahresvertrag unterzeichnet – ohne Ausstiegsklausel. Insofern dürfte sichergestellt sein, dass die spezielle Geschichte nicht schon bald eine merkwürdige Wendung nehmen wird.

Berner Zeitung

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