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Larry Huras: «Diese Begründung ist wie ein schlechter Witz»

Larry Huras, der kanadische Ex-Trainer des SC Bern, spricht über seine Entlassung und die Kontakte zu Lugano.

Larry Huras kann seine Entlassung nicht nachvollziehen.
Larry Huras kann seine Entlassung nicht nachvollziehen.
Andreas Blatter

Wie geht es Ihnen? Larry Huras: Ich fühle mich wie auf einer Achterbahn. Zuerst bin ich ruhig, dann ruft mich ein Journalist an, ich beginne zu erzählen, rege mich auf, das Gespräch endet, und ich bin wieder ruhig – so wie jetzt.

Wurden Sie vom Trennungsentscheid überrascht? Allerdings. Es wäre mir lieber gewesen, die Klubführung hätte mich unter Druck gesetzt und gesagt: «Larry, die nächsten zwei Spiele musst du souverän gewinnen, sonst wirst du entlassen.» Das wäre eine Ansage gewesen.

Was hätte dies an Ihrer Arbeit geändert? Ich coache immer auf Sieg, das ist klar. Aber es gilt, auch anderes zu beachten: Gegen die ZSC Lions spielten wir mit zwei Ausländern, ich setzte viele Junge ein, gab ihnen Verantwortung, liess die Linie mit Etienne Froidevaux gegen den Nylander-Block spielen. Es ist immer mein Ziel, ein Team in der Breite zu entwickeln, das im Januar seine Bestform erreicht. Mich nach solch einer Partie zu entlassen, das kann ich nicht verstehen. Die Entlassung erfolgte nicht aus sportlichen Gründen.

Die Frage, ob Sie die Trennung nachvollziehen können, erübrigt sich somit. Man muss kein Genie sein, um diesen Entscheid infrage zu stellen. Es gab keine persönlichen Probleme zwischen mir und den Spielern, keine zwischen mir und Sven Leuenberger oder Marc Lüthi. Die Begründung lautete: «Was ihr zeigt, ist nicht attraktiv genug.» Ich bitte Sie

Wie beurteilen Sie die Attraktivität der SCB-Auftritte? Die Philosophie hat nicht geändert. Vor zwei Jahren wurden wir Meister –mit dieser Philosophie. An der European Trophy bezwangen wir viele Spitzenteams – mit dieser Philosophie. Im Frühling kämpften wir uns im Playoff zurück – mit dieser Philosophie. War das kämpferisch und attraktiv oder nicht? Haben wir «Winnerhockey» gezeigt oder nicht? Diese Begründung ist wie ein schlechter Witz.

Aber in dieser Saison... ...vergleichen wir das aktuelle Team mit jenem vor zwei Jahren. Wir haben an Offensivkraft eingebüsst. Es ist kein Roman Josi mehr hier, kein Christian Dubé. Aus Budgetgründen konnten wir nicht alle Spitzenspieler halten oder ersetzen. Das Team wurde verjüngt – hinter diesem Prozess stehe ich zu 100 Prozent, denn wir verfügen über gute Junge. Aber ich warnte vor dieser Saison, dass es uns im Sturm an Qualität fehle; erst recht nach Kevin Lötschers Ausfall. Ich habe für den Verkauf Joel Kwiatkowskis plädiert, wir fanden keinen Abnehmer. Im Sturm fehlten uns also zwei wichtige Positionen: ein dritter Ausländer und Lötscher.

Werfen Sie dies dem Sportchef Sven Leuenberger vor? Die Zusammenarbeit war sehr gut. Sven und ich tauschten uns oft aus, er war ein loyaler, interessanter Gesprächspartner. Bei den wichtigen Entscheiden waren wir uns stets einig. Die Arbeit mit ihm wird mir fehlen. Niemand ist perfekt, das Leben ist ein ständiges Lernen aus Fehlern.

Zurück zu den Leistungen Ihres Teams. Zuletzt enttäuschte es vor allem zu Hause. In meiner ersten Saison beim SCB benötigten wir statistisch gesehen 4,7 Chancen für ein Tor. In der letzten Spielzeit waren es 7,1 – und in dieser Saison sind es über 10! Nicht unser Spiel hat geändert, aber die Effizienz. Vor einigen Wochen sagte mir Marc Lüthi nach dem Heimspiel gegen Davos, es sei das beste erste Drittel gewesen, welches er je gesehen habe. Nun soll alles anders sein? Das kann ich nicht verstehen.

Was müssen Sie sich vorwerfen? Mein grösster Fehler war, dass ich die Verantwortung für das Powerplay an Antti Törmänen abgegeben habe. Die Idee war gut: Antti brachte neue Inputs, ich gab ihm die Vollmacht fürs Überzahlspiel. Der Plan hätte vorgesehen, dass Antti Dinge ausprobiert und wir dies nach Weihnachten mit meinen Ideen kombinieren. Leider lief das Powerplay überhaupt nicht – ich reagierte zu spät. Aber wie erwähnt: Mein Fokus liegt auf Januar/Februar. Weshalb sollte man im Oktober alle Taktiken verraten? Damit die Gegner in der entscheidenden Phase darauf vorbereitet sind?

Und wie erklären Sie sich die Unterform der Leistungsträger? Hätten beispielsweise Ivo Rüthemann und Martin Plüss nur ansatzweise den Torwert vergangener Jahre – wir würden an dieser Stelle über andere Dinge diskutieren. Ich kann mir deren Tief nicht erklären, ihnen aber auch keinen Vorwurf machen, sie sind Profis. Wir sind im Sturm schmal besetzt, dies fiel umso stärker ins Gewicht, als uns die Torkraft dieses Duos fehlte.

Nun kommt mit Jean-Pierre Dumont ein zusätzlicher Stürmer. Ja, und auch Travis Roche kehrt bald zurück. Die Verstärkungen sind da, und ich bin es nicht mehr.

Haben Sie Ihre Spieler nach über zwei Jahren noch erreicht? Es gibt immer ein, zwei Spieler, die nicht traurig sind, wenn ein Trainer geht. Aber zu 95 Prozent war das Verhältnis sehr gut.

Was haben Sie dem Team nach der Entlassung gesagt? Dass ich auf diese Mannschaft unheimlich stolz bin. Ich liebe dieses Team! Ich zählte auf, was wir zusammen erreicht hatten, und dass wir uns trotz der vielen Verletzten und des Schocks mit Kevin Lötscher in der Spitzengruppe etabliert haben.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus? Es sind einige Coaching-Positionen offen. Vielleicht bleibe ich in der Schweiz, vielleicht gehe ich nach Nordamerika. Mit Lugano stehe ich in Kontakt, habe aber noch kein konkretes Angebot erhalten. Ich kann Ihnen aber versichern, dass ich am Dienstag (SCB - Lugano, die Red.) nicht im Stadion sein werde.

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