Laporte wird vor die Tür gestellt

Nach der 4:9-Niederlage in Ambri spricht Langnaus Sportchef Jörg Reber während 75 Minuten zum Team – Trainer Benoît Laporte muss vor der Tür warten. Der 55-Jährige dürfte noch am Montag freigestellt werden.

Wird er bald weggeschickt??In Langnau ist die Diskussion um Trainer Benoît Laporte mehr als nur lanciert.

Wird er bald weggeschickt??In Langnau ist die Diskussion um Trainer Benoît Laporte mehr als nur lanciert.

(Bild: Andreas Blatter)

Kreativ ist dieser Fan, das muss man ihm lassen. In Ambri hielt ein Langnauer Supporter ein Plakat mit der Aufschrift «Hopp Ajoie» in die Höhe, daneben war ein lachendes Gesicht mit zwinkerndem Auge gemalt. Etwas Galgenhumor schadet nie, und sehr wahrscheinlich hoffen auch viele andere Tigers-Supporter auf einen jurassischen Durchmarsch. Ajoie ist noch in den NLB-Playoffs vertreten. Holt der Klub den Titel, gibt es keine Ligaqualifikation und ergo keinen Absteiger – ein Aufstiegsgesuch nämlich ist nicht eingereicht worden.

Nun, in unmittelbarer Abstiegsgefahr befinden sich die SCL Tigers nicht, die Playoutserie gegen Biel hat noch nicht einmal begonnen. Doch die jüngsten Ereignisse geben Anlass zu grosser Sorge, die Darbietung am Samstag in der Leventina jedenfalls war miserabel, eines NLA-Teams unwürdig. 4:9 verloren die Emmentaler die vierte Partie in der Platzierungsrunde. Gemessen an den Spielanteilen hätte die Niederlage zweistellig ausfallen müssen.

Meeting um 7.45 Uhr

Natürlich fehlten den Gästen zehn Akteure verletzungsbedingt, den total missglückten Vortrag rechtfertigte dies aber nicht mal ansatzweise. Sportchef Jörg Reber enervierte sich ob der Leistung, sprach nach der Partie während 75 Minuten mit der Mannschaft in der Garderobe. Pikant: Trainer Benoît Laporte, Assistenzcoach Rolf Schrepfer und die übrigen Staff-Mitglieder mussten draussen bleiben, erhielten keinerlei Informationen.

«So etwas habe ich in 22 Trainerjahren nicht erlebt», meinte Laporte, der sich über das Vorgehen wunderte, sich unmittelbar danach vor allem Erklärungen gewünscht hätte. Reber sprach danach kurz zu den Medien, liess verlauten, er habe nach der schwachen Leistung Klartext gesprochen. «Zu einer Trainerentlassung kommt es jetzt aber nicht.»

Anzunehmen ist, dass sich die Tigers-Verantwortlichen am Sonntag getroffen, Szenarien diskutiert haben. Kommuniziert wurde nichts, Laporte liess am Sonntagnachmittag verlauten, mit ihm habe sich niemand länger unterhalten. Um am späten Abend zu präzisieren: «Ich wurde zu einem Meeting aufgeboten, am Montagmorgen um 7.45 Uhr treffe ich mich mit den Klubverantwortlichen». Es überraschte gewaltig, sollte er sich danach noch als Langnauer Trainer bezeichnen dürfen. Aller Voraussicht nach wird der 55-Jährige freigestellt, Assistent Rolf Schrepfer hingegen könnte bleiben.

Schwache Form

In den letzten Wochen sagte Jörg Reber schon fast gebetsmühlenartig, der Trainer stehe nicht zur Diskussion. Nun sieht er sich offenbar zum Handeln gezwungen, zumal die Formkurve nach sechs Niederlagen in den letzten sieben Spielen nach unten zeigt. Am Sonntag war Reber für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Profis ihrerseits wollten sich in der Öffentlichkeit nicht über den Inhalt der Garderobenpredigt äussern. Dem Vernehmen nach aber steht das Team nicht mehr uneingeschränkt hinter Laporte, der durch seinen fordernden Führungsstil auffällt.

Je nach Betrachtungsweise haben die SCL Tigers die Lehren aus der Vergangenheit gezogen, stiegen sie doch 2013 nicht zuletzt deshalb ab, weil sie auf dem Coachingposten spät eine Änderung vorgenommen hatten. Oder aber sie sorgen wieder einmal selbst für Unruhe – notabene in der entscheidenden Meisterschaftsphase.

Vor den beiden letzten Spielen in der Platzierungsrunde liegt Schlusslicht Biel nur noch einen Punkt hinter den Langnauern, denen das Heimrecht fürs Playout zu entgleiten droht. Es gilt nun schnellstmöglich wieder Struktur und Sicherheit ins Spiel zu bringen. Ansonsten ist Daumendrücken für den HC Ajoie tatsächlich keine schlechte Idee.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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