Langnau dominiert den Meister

4:1 siegen die Langnauer bei den ZSC Lions und haben damit nach drei Spielen sechs Punkte auf dem Konto. Der Saisonstart der Emmentaler lässt sich sehen

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Simon Graf@SimonGraf1

Alfred Bohren hatte vor der Langnauer Garderobe ein Lächeln auf dem Gesicht. Dem erfahrenen Hockeymann, einst U-18-Nationaltrainer, heute mitverantwortlich bei den SCL Tigers fürs Nachwuchsprojekt «Hockey Country», hatte gefallen, was er gesehen hatte. «Das tut gut», sagte er. Sechs Punkte nach drei Spielen, und dies nach Partien gegen die beiden meistgenannten Titelanwärter, das lässt sich sehen.

Am Samstag in Bern waren die Emmentaler beim 0:3 chancenlos geblieben, gestern schlugen sie die ZSC Lions im Hallenstadion zum Erstaunen vieler gleich 4:1. Der SCB spiele momentan auf einem ganz anderen Niveau als die Zürcher, konstatierte Bohren «Diese Intensität, unheimlich! Da wird kein Puck verloren gegeben.» Das konnte man von den ZSC Lions gestern nicht behaupten.

Der neue Zürcher Coach Serge Aubin ist erst daran, seine Mannschaft kennenzulernen. Und die Facette, die er gestern zu sehen bekam, gefiel ihm gar nicht. «Das ist nicht akzeptabel», sagte er.

«Unser Einsatz war nicht annähernd dort, wo er sein sollte. Wir gewannen überhaupt keine Zweikämpfe.» Und auf die Frage, ob vielleicht noch etwas die Chemie fehle, schüttelte er den Kopf. «Es gibt keine Entschuldigungen. Kämpfen kann man immer.» Wurde der Kanadier erstmals laut in der Kabine?

Nein, er sei nach dem Match gar nicht in der Garderobe gewesen. Jetzt analysiere er zuerst einmal das Spiel, «und morgen reden wir dann darüber». Er werden sehr kritische Worte fallen.

Langnauer Traumstart

Dabei begannen die ZSC Lions noch beschwingt, verpasste Hollenstein das 1:0 im ersten Angriff nur knapp. Das Spiel plätscherte danach ein paar Minuten dahin, ehe der Langnauer Viertlinienflügel Stefan Rüegsegger die Partie in der 7. Minute für Langnau lancierte.

Er liess mit einer Drehung und einem kräftigen Antritt alle Zürcher stehen, in der ZSC-Zone entglitt ihm dann zwar der Puck, doch Nils Berger stand richtig und traf. Und nur 153 Sekunden später liess ZSC-Goalie Flüeler nach vorne abprallen und profitierte Samuel Erni zum 2:0 - Rüegsegger hatte zuvor geschossen. Der 20-Jährige hatte damit nach neun Minuten bereits doppelt so viele Punkte erzielt wie in seinen ersten 27 NLA-Partien.

Wer eine ZSC-Reaktion erwartet hatte, wurde enttäuscht. Im Gegenteil. Die zwei Tore hinterliessen Spuren beim Meister, so dass Aubin bereits nach 11:17 ein Timeout nahm – und dafür vom Publikum Applaus erntete. Doch es nützte nichts, die Zürcher reihten weiter Puckverlust an Puckverlust.

Aubins nächster Impuls war ein Goaliewechsel zur ersten Pause, doch auch der verpuffte wirkungslos. Die Zürcher bekamen die Partie und die kämpferisch starken Langnauer einfach nicht in den Griff. Und Harri Pesonens 3:0 kurz vor der zweiten Pause war schon die Entscheidung. Diese Führung liessen sich die Gäste nicht mehr nehmen.

So verblüffend es war, wie überlegen die Gäste waren, die ZSC Lions hätten eigentlich wissen sollen, dass sie gegen die Tigers ein schweres Spiel erwarten würde. Vergangene Saison errangen diese in sechs Duellen 10 von 18 Punkten gegen die Zürcher. Ihr kämpferischer, kantiger Stil scheint diesen nicht zu behagen.

Das Skore hätte sogar noch höher ausfallen können als 4:1, die Langnauer verpassten zahlreiche weitere gute Möglichkeiten. Wie Tag und Nacht sei es, wenn man die Auftritte der ZSC Lions im Playoff und nun diesen vergleiche, fand Bohren. Aber die Saison ist noch lang.

Dass sich die Zürcher steigern werden, davon kann man ausgehen. Doch für die SCL Tigers gilt: Jeder Punkt, den sie schon gesammelt haben, kann sich für sie im Februar als äussert wertvoll erweisen.

Berner Zeitung

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