Kontinuität – auf sportlicher Ebene ein Fremdwort

Sportredaktor Marco Oppliger zum Trainerwechsel bei den SCL Tigers.

Marco Oppliger@BernerZeitung

Die Entlassung von Scott Beattie ist ein Tiefschlag für Jörg Reber. Der Sportchef sprach dem 48-Jährigen im Frühling das Vertrauen aus, nachdem dieser die Langnauer in der Playout-Serie gegen Biel als Nothelfer zum Liga­erhalt geführt hatte. Es war ein mutiger Entscheid. Denn Beattie konnte keine Erfahrung auf höchster Ebene vorweisen, und auf dem Markt gab es andere Kandidaten mit besserem Leistungsausweis.

Doch der starke Kommunikator Beattie imponierte im Frühjahr, indem er rasch den Draht zu den Spielern fand und die heikle Situation meisterte. Nun ist er an der Aufgabe gescheitert, die Mannschaft richtig auf die neue Saison einzustellen. Gewiss bekundeten die SCL Tigers auch Pech. So desolat, wie es die Tabellensituation vermuten liesse, waren die Leistungen nicht. Aber, und das sollte den Langnauer Verantwortlichen zu denken geben: In der Krise hat sich kein Spieler als Führungspersönlichkeit hervorgetan.

Zum zweiten Mal hat somit ein Projekt des Sportchefs Schiffbruch erlitten.Nach dem Aufstieg verzichtete Reber auf eine Weiterbeschäftigung von Bengt-Ake Gustafsson, weil sich dieser zu wenig eingebracht hatte. Mit Benoît Laporte engagierte Reber einen autoritären Trainer, der mit dem Team die schwie­rige erste Saison in der NLA meistern, ihm Kampfgeist und Leidenschaft vermitteln sollte.

Das funktionierte so lange, bis die in Langnau mit viel Macht ausgestatteten Spieler des rauen Umgangstons Laportes überdrüssig wurden. In drei Jahren haben die SCL Tigers vier Trainer entlassen. So erfolgreich die Emmentaler in wirtschaftlichen Belangen agieren, auf sportlicher Ebene ist Kontinuität ein Fremdwort. Doch nun steht auch Reber unter Druck.

Der Entscheid, Heinz Ehlers langfristig an den Verein zu binden, ist sinnvoll. Der 50-jährige Däne steht für defensive Stabilität, und genau diese haben die SCL Tigers im Moment bitter nötig. Ehlers hat mehrfach bewiesen, aus bescheidenen Möglichkeiten das Optimum herausholen zu können – wenn man ihm Zeit lässt. Genau das wird für die Langnauer Entscheidungsträger zur grössten Herausforderung werden.

Berner Zeitung

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