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Kloten: Mehr Freude, weniger Strafen

Die Flyers wollen heute in Bern ihre dritte Chance auf den Finaleinzug nutzen. Redaktion Tamedia berichtet vom sechsten Playoff-Halbfinal live ab 20.15 Uhr.

Der SC Bern im Aufwind: Berns Verteidiger Andreas Hänni checkt Klotens Marko Luomala.
Der SC Bern im Aufwind: Berns Verteidiger Andreas Hänni checkt Klotens Marko Luomala.
Keystone

Als der SCB im Halbfinal 0:3 zurückgefallen war, holte sich Larry Huras Hilfe aus der Fremde. Per Skype-Schaltung sprach der Sportpsychologe Saul L. Miller aus Vancouver zu den Spielern – und fand offenbar die richtigen Worte. Der Meister hat die ersten zwei Finalpucks der Flyers abgewehrt, und nun ist plötzlich bei diesen guter Rat teuer. Doch Anders Eldebrink verzichtete auf eine ähnliche Massnahme wie Huras. «Wir brauchen keinen Psychologen», sagte der Schwede gestern nach dem Eistraining. «Und es macht sowieso keinen Sinn, mitten in einer Serie einen zu rufen. Entweder arbeitet man von Anfang Saison mit einem zusammen, oder man lässt es bleiben. Ich glaube auch nicht, dass wir ein mentales Problem haben.»

Auch ohne professionelle Hilfe übten sich die Flyers gestern in positivem Denken. «Wir müssen vergessen, dass wir 3:0 geführt haben», sagte etwa Félicien Du Bois. «Wenn mir jemand vor dem Halbfinal angeboten hätte, dass es nach fünf Spielen 3:2 für uns stehe, ich hätte sofort akzeptiert. Wir haben immer noch eine gute Chance, die Serie zu gewinnen.» Und Victor Stancescu sagte: «Natürlich können negative Gedanken aufkommen. Aber die muss man sofort bekämpfen, wegschieben.» Der Captain erzählte, wie sich das Gros der Mannschaft am späten Donnerstagabend in der Kabine noch die Schlussphase der Playout-Partie Lakers gegen Ambri am Fernsehen angeschaut habe. «Da wurde uns vor Augen geführt, was es doch für eine Freude ist, im Halbfinal zu spielen und nicht gegen den Abstieg.»

Die Sache mit dem Momentum

Den Begriff Momentum hört man bei den Flyers derzeit weniger gern als in der Hauptstadt. «Alle reden davon, aber ich habe noch nie ein Momentum gespürt», sagte Du Bois. «Jeder Match verläuft anders.» Eldebrink sprach von der Tagesform, die entscheide, und verwies darauf, dass Eishockey ein unberechenbarer Sport sei: «Im ersten Halbfinalmatch in Bern spielten wir schlecht und gewannen, im zweiten war es umgekehrt.» Und er erinnerte daran, dass sein Team in dieser Saison die Hälfte der Partien in der Postfinance-Arena gewonnen hat.

Für einen weiteren Auswärtssieg braucht es aber wieder mehr Effizienz in der Offensive. Trotz zahlreicher Chancen vermochten die Flyers Marco Bührer in den letzten 120 Minuten nur noch zweimal zu bezwingen – zu wenig, um zu gewinnen. Sorgen macht vor allem das Powerplay, für das die Flyers noch nie berühmt waren. Im Viertelfinal gegen die ZSC Lions hatten sie in fünf Spielen immerhin noch fünf Tore in Überzahl erzielt, gegen den SCB sind es in bisher gleich vielen Partien erst zwei.

Gespräch mit «Straftäter» Bell

Eldebrink verzichtete gestern darauf, das Powerplay trainieren zu lassen, und erklärte: «Die Jungs wissen, dass sie mehr Druck auf Bührer machen müssen.» Bei Timra habe er einst den Versuch gemacht, was der Effekt sei, wenn man das Überzahlspiel oft trainiere: «Es wurde immer schlechter. Als wir in der nächsten Saison im Training praktisch kein Powerplay übten, klappte es wunderbar.»

Was Eldebrink den Spielern auch auf den Weg gab: dass sie wieder disziplinierter werden müssen. «Am Donnerstag haben wir uns zu viele dumme Strafen eingehandelt», sagte er kopfschüttelnd. Mit Mark Bell, der in der Serie schon sechs Zweiminutenstrafen abgesessen hat, unterhielt er sich unter vier Augen. Es gelte, die richtige Mischung zwischen Coolness und Entschlossenheit zu finden, sagte Eldebrink.

20 Minuten Training reichen

Auf dem Eis trainierte sein Team gestern nur gut 20 Minuten. Je länger das Playoff, desto kürzer die Trainings. Den Spielern ist das recht. «Es ist enorm intensiv gegen den SC Bern», sagt Stancescu. «Es wird sehr viel gelaufen und gecheckt. Schade, gibt es bei uns keinen Zähler wie in der Champions League, der festhält, wie viele Kilometer wir zurückgelegt haben.» Die Erholung sei in dieser Saisonphase zentral, sagt Du Bois, der in der Abwesenheit von Micki DuPont ein enormes Pensum bewältigen muss. «Im Playoff geht das, aber über 50 Spiele könnte ich das nicht durchstehen», sagt der kräftige Verteidiger.

Im Playoff müsse man peinlich genau darauf achten, die richtigen Dinge zu tun zwischen den Spielen, die Beine auf dem Velo zu lockern oder ein Eisbad zu nehmen, erklärt der Romand. Und auch dafür zu sorgen, dass man im Kopf wieder frisch sei. Er werde bei diesem schönen Wetter am Nachmittag zum Flughafen gehen, kündigt er an. «Ich liebe es, den Flugzeugen beim Start zuzuschauen.»

Es ist ein Bild mit einer gelungenen Symbolik. Wäre Du Bois ein Schüler von Saul L. Miller, der amerikanische Psychologe wäre stolz auf ihn.

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