Klare Ansagen aus dem Seeland

Nach Biels Halbfinal-Aus gegen den SCB sitzt der Frust bei Sportchef Martin Steinegger nach wie vor tief.

Ein letztes Adieu: Die Bieler Spieler verabschieden sich von ihren Fans. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Ein letztes Adieu: Die Bieler Spieler verabschieden sich von ihren Fans. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Ein paar Stunden Schlaf können die Dinge manchmal in einem anderen Licht erscheinen lassen. Bei Martin Steinegger aber ist das nicht der Fall. Auch einen Tag nach dem Halbfinal-Aus gegen den SC Bern kann der Bieler Sportchef der abgelaufenen Saison nichts Positives abgewinnen. «Da ist einfach nur Frust.»

Steinegger hat natürlich recht, wenn er von einer einmaligen Chance spricht, die der EHCB verpasst hat. Mit Lugano, den ZSC Lions und Davos zogen gleich drei Vertreter der «grossen 4» – jene Clubs, die seit 1998 den Meistertitel unter sich ausgemacht haben – eine miserable Saison ein.

Und der SCB hinterlässt trotz Finaleinzug keinen unbestechlichen Eindruck. Aber die Bieler brachten den Erzrivalen eben nur ins Wanken – sie stürzten ihn nicht. «Ich wollte Meister werden», sagt Steinegger, «und eine solch grosse Chance, zumindest den Final zu erreichen, wird sich uns nicht jedes Jahr bieten.»

Gewinn als Trost

Der EHC Biel vermochte die starke Leistung aus der Vorsaison (3. Platz/Halbfinal) zu bestätigen – was in dieser ausgeglichenen Liga nicht ganz einfach ist. Überdies hatten die Bieler die Tabelle fast zwei Monate angeführt, ehe sie in ein Tief gerieten, aber rechtzeitig auf das Playoff wieder zur Bestform fanden. Das ist eine starke Leistung für einen Club, der noch vor drei Jahren auf dem letzten Platz der National League stand.

Doch das Team von damals hat mit jenem von heute nicht mehr so viel gemeinsam. Dank den finanziellen Möglichkeiten durch die neue Arena konnte sich Biel einige hochkarätige Spieler leisten. Und so stellt sich nach den zwei Halbfinal-Qualifikationen die Frage: Wo steht der EHCB in dieser Liga?

«Wir sind kein Titelanwärter», meint Manager Daniel Villard. «Das bist du erst, wenn du zwei-, dreimal den Final erreichst und auch eine reelle Chance hast, diesen zu gewinnen.» Einen Platz in den Top 6 hatten sich die Bieler im letzten Herbst zum Ziel gesetzt.

Diesen werden sie auch nächste Saison anpeilen, «auf dem Papier müssen wir uns dort befinden». Aber Villard, der seit 2003 die Geschäfte des Clubs führt, weiss, wie schnelllebig das Eishockeybusiness ist. «Was den ZSC Lions passiert ist, muss eine Warnung für uns sein», sagt er. «Die Erwartungshaltung wird in Biel nicht kleiner. Aber es kann auch uns passieren, dass wir einmal eine schlechte Saison einziehen.»

Immerhin gibt es einen schwachen Trost für das sportliche Out im Halbfinal. Biel dürfte die Saison mit einem Gewinn abschliessen. Mit über 6000 Zuschauern verzeichnete der EHCB in der Qualifikation den höchsten Schnitt seit 29 Jahren, die sechs Playoff-Heimspiele waren alle ausverkauft.

«Aber auf dem Niveau, auf welchem wir uns nun befinden, werden wir nur noch kleine Schritte machen», sagt Villard. Das Ziel bleibe dasselbe: möglichst viel Geld generieren, um die Mannschaft weiter zu verstärken. «Machen wir weiterhin diese kleinen Schritte, werden wir irgendwann den Final erreichen.»

Wirbel um Maurer

Am Mittwoch stattete Biel Janis Moser mit einem Profivertrag über zwei Jahre aus, wobei er sich fürs zweite Jahr eine Klausel für Nordamerika ausbedungen hat. Der 18-Jährige ist eines der grössten Verteidiger-Talente der Liga, unter Antti Törmänen hat er sich einen Stammplatz erarbeitet. Und dann berichtete das Onlineportal «Watson», dass Marco Maurer, der bereits in Genf unterschrieb, doch in Biel bleiben könnte.

Dies, weil er nur zu Servette geht, wenn Chris McSorley Trainer bleibt, was nicht der Fall sein dürfte. Die Ausgangslage spricht im Moment aber gegen einen Verbleib, weil der EHCB bereits neun Verteidiger unter Vertrag hat und mit Stefan Ulmer ein Ersatz für Maurer verpflichtet wurde.

Dafür wird Biel noch einen ausländischen Flügel verpflichten – ein Kandidat ist der Österreicher Peter Schneider. Er wurde jüngst zum MVP in der österreichischen Liga gewählt. Und künftig wird ja Luca Cunti für Biel stürmen. Der Center absolvierte in dieser Saison für Lugano verletzungsbedingt nur elf Partien und stagnierte generell in den letzten Jahren. Aber Steinegger hält grosse Stücke auf ihn.

Er vergleicht ihn gar mit Damien Brunner, der vor Jahresfrist ebenfalls verletzt und unglücklich mit der Gesamtsituation vom Tessin ins Seeland wechselte, und nun beim EHCB zum Playoff-Topskorer avancierte.

Berner Zeitung

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