Klar im Kopf

Die Langnauer blicken auf den besten Saisonstart seit elf Jahren zurück, Symbolfigur des Höhenflugs ist Raphaël Kuonen.

Raphaël Kuonen trifft und trifft.

Raphaël Kuonen trifft und trifft. Bild: Raphael Moser

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Im Tor stand Matthias Schoder, Topskorer war Josh Holden und ein gewisser Marco Bayer zog in der Verteidigung die Fäden. 2007 erwischten die SCL Tigers einen ausgezeichneten Saisonstart, gewannen sechs der ersten neun Spiele. Elf Jahre mussten vergehen, Bayer Sportchef in Langnau, Holden Assistenzcoach beim heutigen Tigers-Gegner Zug und Schoder Trainer der Bambini beim EHC Winterthur werden, ehe die SCL Tigers wieder einen ähnlich starken Einstand vorweisen können.

Nun sind es sechs Siege in zehn Partien, was die Emmentaler auf Rang 4 geführt hat. Und keiner verkörpert den Höhenflug derzeit besser als Raphaël Kuonen. Bereits sechsmal hat der Stürmer - der bis anhin in der höchsten Liga nie mehr als sechs Tore pro Saison erzielte - getroffen.

Lustig hier, ernsthaft da

Wer mit Kuonen spricht, wird eher früher als später das Wort «Selbstvertrauen» zu hören bekommen. Dafür sei der Auftaktsieg gegen Rapperswil-Jona Gold wert gewesen. «Die Unsicherheit war danach wie verflogen», sagt Kuonen. Diese Unsicherheit, sie kommt nicht von ungefähr.

Vor zwei Jahren hatten die SCL Tigers neun der ersten zehn Spiele verloren, letzten Herbst waren es fünf Niederlagen de suite. «So hast du schon am Anfang ein negatives Gefühl», hält der Walliser fest. «Uns war klar: Das wollen wir nicht nochmal erleben.»

Seit zwei Jahren ist Kuonen wieder in Langnau tätig. Und er betont, er habe hier noch nie in einer menschlich so guten Mannschaft gespielt. «Das überträgt sich extrem auf die sportliche Leistung. Es macht jeden Tag Spass, in die Garderobe zu kommen, auch wenn ein hartes Training ansteht. Es gab Zeiten, da war das anders.» 

Bereits im Sommer spürte Kuonen, dass sich etwas verändert hat: «Wir hatten es lustig zusammen, aber wenn es um die Arbeit ging, waren alle da, die Intensität war noch höher als zuvor.» Er erklärt sich das unter anderem mit dem Altersschnitt der Mannschaft, der bei rund 27,7 Jahren liegt. «Jeder will nun zeigen, was er in dieser Liga leisten kann. Und dieser Konkurrenzkampf stachelt an.» 

Zweifellos ist Kuonen ein Profiteur der jetzigen Umstände. Er erhält von Coach Heinz Ehlers viel Vertrauen, kann an der Seite Mikael Johanssons und Harri Pesonens spielen, kommt im Powerplay zum Einsatz. «Das hilft extrem. Harri gewinnt viele Zweikämpfe, holt sich den Puck, arbeitet hart. Und Mikael gibt mir Tipps, wo ich stehen soll. So macht es Spass», sagt er. 

Fast geht vergessen, dass der 26-Jährige im Sommer am Scheideweg seiner Karriere stand. Weder in Langnau, noch zuvor bei Lugano und Gottéron vermochte er sich auf höchster Ebene zu etablieren. «Ich verspürte Druck, wusste, dass nun langsam die Zeit kommt, in der ich produktiv sein muss», hält er fest.

Genau das war er mit Langnau und Rapperswil-Jona in der NLB gewesen, erzielte in zwei Saisons 58 Tore. «Ich wusste immer: Ich habe es in mir, aber ich konnte es nicht zeigen. Wieso und warum weiss ich selber nicht genau», sagt er.

Zählen und dribbeln

Im Sommer arbeitete er an seiner Schusstechnik, seit über einem Jahr nimmt er die Dienste eines Mentaltrainers in Anspruch, investiert täglich eine halbe Stunde in diesen Bereich. Das Ziel ist klar: Sobald Kuonen auf dem Eis steht, soll er an nichts mehr denken. Das hilft ihm beispielsweise eine schlechte Aktion rasch abzuhaken.

Bloss: Wie schaltet man den Kopf aus? «Mit Training», sagt Kuonen und lacht. Immer wieder dribble er für sich und zähle dazu gedanklich mit. «Irgendwann bin ich bei 120 und habe vergessen, dass ich am dribbeln bin. Ich kann mich damit wie in Trance versetzen.» Früher habe er sich nach einem schlechten Spiel oft tagelang den Kopf darüber zerbrochen. «Nun bin ich viel lockerer.»

Kuonens Vertrag läuft übrigens aus. Spieler und Club bekunden Interesse, die Zusammenarbeit zu verlängern. Der Walliser hält dabei bessere Karten in der Hand als auch schon.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 19.10.2018, 08:47 Uhr

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