Kevin Schläpfer ist nicht mehr unantastbar

Sportredaktor Marco Oppliger zum glückhaften Verbleib des EHC Biel in der NLA.

Marco Oppliger@BernerZeitung

Der EHC Biel kann auf­atmen und die nächste NLA-Saison planen – bereits jetzt – dank der Schützenhilfe von Ajoie. Allein deshalb ist klar: Die Aufarbeitung der abgelaufenen Spielzeit wird schmerzhaft. Der Klub durchlebte die grösste sportliche Krise seit dem Aufstieg 2008, im Herbst hatten die Bieler Niederlage an Niederlage gereiht, standen früh abgeschlagen am Tabellenende.

Nach der Ursache für diese Misere muss nicht lange gesucht werden: Nachdem die Klubleitung Kevin Schläpfer im Oktober nicht an die Nationalmannschaft freigegeben hatte, er an einer Medienkonferenz ob des zerbrochenen Bubentraums Tränen vergossen hatte, ging beim EHCB nichts mehr. Das Team wirkte während Wochen verunsichert, Schläpfer zuweilen rat- und energielos. Das ist in seinem Fall verheerend, weil das Spiel auf der Klaviatur der Emotionen seine grosse Stärke ist.

Erst als Sportchef Martin Steinegger dem Coach als Assistent unter die Arme griff, stabilisierten sich die Bieler. Doch just in der Playout-Serie gegen die SCL Tigers fielen sie wieder in alte Muster, präsentierten sich im entscheidenden Moment nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe. Der Knackpunkt erfolgte am Ostermontag: Mit einem zuweilen überheblichen Auftritt gaben die Bieler ihren Vorteil aus der Hand. Das wirft auch ein schlechtes Licht auf den Trainer.

Kevin Schläpfers Verdienste für den Klub sind unbestritten: Er führte die Seeländer als Sportchef in die NLA, rettete sie als Coach in drei Ligaqualifikationen und erreichte mit ihnen gar dreimal die Playoffs. Doch Schläpfer ist nach dieser Saison nicht mehr unantastbar. Genau diesen Eindruck hatte jedoch die Klubleitung im letzten Herbst erweckt; sie implizierte, dass ohne den Coach beim EHCB nichts gehe. Nun muss sie sich ernsthaft darüber Gedanken machen, ob eine Zukunft mit Schläpfer noch Sinn ergäbe.

marco.oppliger@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

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