Kein Spiel für schwache Nerven

Der SC Langenthal macht zu Hause gegen Thurgau einen 0:3-Rückstand wett und verliert gegen die Ostschweizer dennoch – 4:5 nach Penaltyschiessen. Und: Es flogen viele Fäuste.

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Plötzlich waren selbst die beiden Trainer Mario Kogler und Jason O’Leary nur noch eine Nasenlänge voneinander entfernt und schrien aufeinander ein. Die Nerven lagen blank – beim SCL-Trainer möglicherweise noch mehr als bei jenem von Thurgau.

Langenthal erlebte nämlich einen möglicherweise fatalen Abend: In der 30. Minute checkte Simon Sterchi Stefan Tschannen grob in die Bande, worauf der SCL-Captain verletzt ausschied und für weitere Abklärungen ins Spital gebracht werden musste. Die Stimmung war insbesondere auch deshalb gereizt. Auf dem Eis entbrannten mehrere Faustkämpfe, weil Langenthal zum Zeitpunkt von Tschannens Ausscheiden mit 0:3 in Rückstand lag, zeigte sich auch das Publikum äusserst unzufrieden.

Bitteres Erwachen

Es kam viel Negatives zusammen: Die Langenthaler schienen die Partie in keinem Moment ernst zu nehmen, spielten vielfach zu leger und energielos. Der Wille, sich gegen eine mögliche Niederlage aufzulehnen war in keinem Moment spürbar. Es schien, als würden die Oberaargauer eine unwichtige Partie verlieren, weitweg von den Playoffs. «Ich glaube nicht, dass wir es zu locker nahmen. Ich denke eher, dass wir mit dem Druck des ersten Ranges zuletzt Mühe hatten», begründete Joel Fröhlicher.

Aber erst mit dem Foul an Stefan Tschannen, nachdem Vincenzo Küng auf den Täter einprügelte, erwachten die Oberaargauer und zeigten, was eigentlich möglich wäre. Schritt für Schritt erhöhten sie das Tempo. Thurgau kam in Bedrängnis. Es folgte das 1:3 während der fünfminütigen Überzahl, wobei Nico Dünner in einem Gewühl den Puck über die Linie drückte. Im Schlussabschnitt erzielte Brent Kelly das Anschlusstor zum 2:3 und ausgerechnet Joel Fröhlicher, der von Trainer Jason O’Leary auf die Centerposition versetzt wurde, erzielte wenig später als Verteidiger das .

Thurgau machte mehr

Das 3:3 allein war aber nicht der Höhepunkt: Langenthal erzielte in der 54. Minute sogar das 4:3 in Überzahl und Thurgaus Kevin Rohner glich 79 Sekunden vor dem Ende der Partie noch einmal aus. Die Teams gingen dann in die Verlängerung, in welcher schon fast nervenschonend gespielt wurde. Beide Teams riskierten wenig. Mit Ausnahme von Joel Fröhlichers gekonntem Dribbling, das eine Chance eröffnete, blieben gute Aktionen beidseitig selten.

Das Penaltyschiessen musste schliesslich entscheiden, für die Langenthaler war es bereits das dritte Mal in Folge, das eine Partie so endete. Dort passte das Ende wiederum zum Start: Langenthal traf lediglich durch Philippe Seydoux, während Thurgau zweimal traf. «Vielleicht hätten wir ihnen mehr Angst einjagen müssen», sagte Joel Fröhlicher nach der Partie. Das hätten nämlich die Thurgauer getan. «Sie wussten, dass wir ein möglicher Gegner sind und spielten sehr hart. Vielleicht hätten wir das auch tun sollen», so Fröhlicher.

Ob die Langenthaler nun doch noch erwacht sind, wird sich am Samstag gegen Martigny weisen. Das dafür mögliche Opfer – Stefan Tschannens Verletzung – dürfte aber schwer wiegen. Wie schwer der Captain verletzt wird, soll am Mittwoch kommuniziert werden.

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