Karjala-Cup als «perfekter Gradmesser»

Das Schweizer Eishockey-Nationalteam darf erstmals am Karjala-Cup teilnehmen. Das Startspiel findet heute in Biel gegen Kanada statt. Nationalcoach Patrick Fischer testet vor den Olympischen Spielen zahlreiche Akteure.

Vor dem Karjala-Cup spricht Nationalcoach Patrick Fischer über die Ziele der Schweizer und erklärt, warum die SCB-Spieler Genoni und Bodenmann im Aufgebot fehlen.
Peter Berger@PeterBerger67

Normalerweise heissen die Gegner der Schweizer Nationalmannschaft im November Deutschland oder die Slowakei. Doch diesmal ist alles ganz anders: Kanada, Tschechien und Russland sind die Kontrahenten in dieser Woche. «Finnland hat uns für den Karjala-Cup eingeladen», sagt Nationaltrainer Patrick Fischer.

Seit 21 Jahren gibt es dieses Turnier, an dem jeweils neben Gastgeber Finnland Russland, Schweden und Tschechien teilnehmen. Nun wurde das Feld mit Kanada und der Schweiz erweitert. «Das Turnier mit diesen Topnationen ist ein perfekter Gradmesser. Diese Partien bringen uns weiter», sagt Fischer. Für Verteidiger Philippe Furrer bedeutet die Einladung «eine grosse Ehre. Jetzt dürfen wir gegen die Besten spielen. Natürlich wollen wir uns gegen diese auch bestätigen und sie bezwingen.»

Erst Biel, dann Helsinki

Furrer wird das Team nach der heutigen Partie gegen Kanada bereits wieder verlassen. Auch Luca Cunti, Samuel Walser, Gregory Sciaroni, Sven Ryser, Cody Almond sowie die drei Zuger Raphael Diaz, Lino Martschini und Reto Suri werden morgen nicht mit nach Helsinki fliegen, wo am Freitag (Tschechien) und Samstag (Russland) die anderen beiden Partien anstehen. Sie machen Platz für die fünf ZSC- und sechs SCB-Akteure, die am Dienstag noch auswärts in der Champions Hockey League beschäftigt waren.

«Das ist speziell und nicht ideal. Aber wir müssen auf die Belastung der Spieler in ihren Klubs Rücksicht nehmen», sagt Fischer zu den zahlreichen Wechseln im Team. Das Positive sei, dass sie nun viele Akteure testen könnten. Allerdings gesteht der Nationalcoach, dass er das Gros der Mannschaft, die dann an den Olympischen Spielen in Süd­korea antreten wird, im Kopf hat.

Davos vor Pyeongchang

Nicht aufgeboten sind vorerst Goalie Leonardo Genoni und Stürmer Simon Bodenmann vom SC Bern. Mit beiden hat Fischer vereinbart, dass sie dann in der Altjahrswoche in Davos am Spengler Cup, dem zweiten und letzten Test vor den Spielen in Pyeongchang, dabei sein werden.

Auch wenn Fischer betont, dass diese Saison mit dem Kar­jala-Cup, dem Spengler Cup und der WM zwar viele Leckerbissen anstehen, die Olympischen Spiele jedoch klar das Highlight sind. «Sie sind das Grösste. Alle wollen in Südkorea dabei sein», meint Fischer. Aber nicht alle können. Die NHL gibt ihre Spieler bekanntlich nicht frei. Weil dadurch die Topnationen auf ihre Stars verzichten müssen, erhöht dies die Chancen der Schweizer.

Das weckt Medaillenträume. Fischer mag diese gar nicht erst dementieren. Furrer auch nicht. Der WM-Silbermedaillengewinner von 2013 warnt jedoch: «Wenn die besten Spieler der Welt fehlen, steigen auf dem Papier unsere Medaillenchancen. Aber auf dem Eis Edelmetall gewinnen zu können, dazu muss dann alles stimmen.»

Freiburg statt Bern

Furrer hat zuletzt für Aufsehen gesorgt, als er seinen Wechsel per Ende Saison von Lugano zu Got­téron bekannt gegeben hat. Viele haben eine Rückkehr zu seinem Stammverein erwartet. «Der SCB zeigte bis Ende Oktober kein Interesse an mir», sagt der 32-jährige Berner. «Schliesslich standen Freiburg und Biel zur Auswahl, wobei mir das Gesamtpaket bei Gottéron mehr entsprach.»

Nati-Verteidiger Philippe Furrer über die Ziele der Schweizer am Karjala-Cup und seinen Wechsel zu Fribourg Gottéron. Video: Peter Berger

Doch das sei Zukunftsmusik, jetzt gelte der Fokus der Partie gegen die Kanadier. Ihr Team besteht vor allem aus Akteuren, die in der russischen KHL engagiert sind. In Helsinki wird dann auch das SCB-Trio Maxim Noreau, Mason Raymond und Andrew Ebbett dazustossen.

Berner Zeitung

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