Kanadas «Hockey-Papst» adelt Leonardo Genoni

«Leonardo Genoni hat mich zu Tränen gerührt», sagt Kanadas TV-Ikone Don Cherry. Und der Schweizer Torhüter gehöre in die NHL.

Don Cherry (links) und Ron MacLean in «Coach's Corner». (Screenshot)

Don Cherry (links) und Ron MacLean in «Coach's Corner». (Screenshot)

Kristian Kapp@K_Krisztian_

Die Sendung ist in Kanada ein Stück Sport-Kulturgut am Fernsehen. Und Don Cherry ist in seinem Heimatland ein genauso legendärer wie auch umstrittener Eishockey-Analytiker beim Sender CBC. In seinem jeweils in der ersten Drittelspause von NHL-Übertragungen live gesendeten «Coach’s Corner» seziert die mittlerweile 84-jährige Kultfigur und ehemaliger NHL-Trainer das Eishockey seit über drei Jahrzehnten auf seine einzigartige Weise: Meistens ohne Punkt und Komma, dafür stets in grellfarbenen und übergrossen Anzügen in die Kamera schreiend und wild fuchtelnd – neben ihm als ruhiger Gegenpol Co-Analyst Ron MacLean.

Zur umstrittenen Figur wurde Cherry auch darum, weil er früher keinen Hehl aus seinen Ansichten machte, dass Franko-Kanadier und Europäer grundsätzlich grössere «Weicheier» seien als die «echten kanadischen Jungs». Phasenweise wurde die Live-Sendung darum um ein paar Sekunden zeitversetzt gesendet, damit der Sender bei besonders fragwürdigen Bemerkungen gegen die französischsprachigen Landsleute Cherrys rechtzeitig einschreiten hätte können.

Aussagen zum Schweizer Eishockey gibt es von Cherry kaum. Doch Samstagnacht, nach dem Schweizer 3:2-Sieg gegen Kanada an der WM in Dänemark, wurde ein Schweizer Nationalspieler von Cherry geadelt: In der ersten Pause des Playoff-Spiels Tampa – Washington begann Cherry die Sendung nicht mit der üblichen Analyse des NHL-Spiels, sondern mit einer Lobeshymne auf Genoni.

Don Cherry und Ron MacLean im «Coach's Corner» vom 19. Mai 2018.

Cherrys Monolog über Genoni

«Ron, etwas ist ennet dem Teich geschehen, das hat mich zu Tränen gerührt. Und Millionen von Leuten auf der ganzen Welt. Leonardo Genoni!», begann der Kanadier seinen Cherry-typischen Monolog. «18:1 haben wir sie im letzten Drittel mit Schüssen dominiert. Und sie gewannen das Spiel! Wie können sie das Spiel gewinnen mit 1:18 Schüssen? Und wir spielten ein grosses Spiel, doch dieser Typ ist unglaublich. Wir sollten uns Gedanken machen über diesen Kerl in der NHL! Wir haben sie mit fünzigtausend Schüssen dominiert, aber er ist die ganze Zeit hin und her gesprungen. Schaut her, da ist er!»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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