Justin Krueger – ein Vielgereister wird sesshaft

Justin Krueger ist weit herumgekommen. Nun hat der 30 Jahre alte Deutsch-Kanadier mit Schweizer Lizenz in Bern sein sportliches und privates Glück gefunden.

In Bern ein Zuhause gefunden: SCB-Verteidiger Justin Krueger posiert vor der Postfinance-Arena.

In Bern ein Zuhause gefunden: SCB-Verteidiger Justin Krueger posiert vor der Postfinance-Arena. Bild: Beat Mathys

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Justin Krueger hat einst eine Rechnung aufgestellt: Er sei zu 35 Prozent Deutscher, zu je 25 Prozent Kanadier und Schweizer. Die restlichen 15 Prozent verteilte er auf Österreich, die USA, Grossbritannien und die Ukraine. Die meisten Nationen entsprechen den Stationen seines Lebens, die Ukraine basiert auf der Herkunft respektive den Wurzeln seiner Mutter.

Mittlerweile gehe die Rechnung nicht mehr ganz auf, sagt Krueger und lacht, «der Anteil Schweiz ist gestiegen». Der 30 Jahre alte Verteidiger posiert vor der Postfinance-Arena, die seit über vier Jahren seine Heimat ist. Im Sommer heiratete er seine langjährige Freundin Eva, eine Bernerin. Vor Wochenfrist verlängerte Krueger seinen Vertrag beim SC Bern vorzeitig um zwei Saisons bis 2020.

Und so sagt er, der so viel gereist ist: «Ja, ich bin sesshaft geworden. Ich fühle mich sehr wohl in Bern, in der Schweiz. Ich liebe dieses Land. Und ich bin froh, wurden wir uns in den Vertragsgesprächen rasch einig.»

Der Vater und das Visum

Beraten liess sich Krueger in den Verhandlungen nicht von einem Agenten, sondern von Vater Ralph. Der langjährige Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft ist mittlerweile im Fussball in der Führungsetage von Southampton tätig. Und er ist mitverantwortlich dafür, dass sich Justin Krueger heute als «weltoffen» und «Weltbürger» bezeichnet. «Mein Vater war und ist berufsmässig häufig auf Reisen. Und zusätzlich gehen er und meine Mutter gerne in die Ferien. Wir waren also häufig unterwegs.»

Krueger junior sagt, bis zu seinem zwölften Lebensjahr sei die Familie schätzungsweise zehnmal umgezogen. Aufgewachsen ist er in Düsseldorf. Es folgten Aufenthalte in Feldkirch, Davos, in Penticton (Kanada), Ithaca (USA), wo Krueger an der Cornell-Universität Hotelmanagement studierte und Eishockey spielte. Weitere Stationen waren Bern (ein Jahr) und Charlotte (USA). Seit 2013 ist er fix beim SCB tätig.

«Das Herumreisen war nicht immer einfach. Mit 12 Jahren musste ich in Feldkirch viele Freunde zurücklassen, das war hart. Social Media gab es damals nicht. Es war schwierig, in Kontakt zu bleiben. Ich sprach Vorarlbergisch, fand den Bündner Dialekt in Davos sehr schräg. Mittlerweile spreche ich irgendeine Mischung und nehme immer häufiger berndeutsche Begriffe auf.» Krueger ist dankbar für seine bewegte Vergangenheit. «Ich konnte viel von den verschiedenen Kulturen lernen. All diese Erfahrungen haben mein Weltbild geprägt.»

Und beinahe wäre vieles anders gekommen. Nach dem Ende der Karriere als Eishockeyprofi wollte Ralph Krueger – aufgewachsen in Winnipeg als Sohn deutscher Auswanderer – mit einem Freund in Texas ein Hotel eröffnen. Sohn Justin feierte den fünften Geburtstag bereits mit Cowboyhut, Pfeil und Bogen. Doch mit dem Visum klappte es nicht, und so sondierte der Vater Angebote aus Europa. Die Reise ging nach Feldkirch. «Mein Vater sagt mir ab und zu, ich wäre heute Baseball- oder Golfprofi, hätte es damals mit dem Hotelprojekt geklappt.»

Präsenz und Pingpong

So ist aus Justin ebenfalls ein Eishockeyprofi geworden . «Defense first» lautet das Motto des Verteidigers. «Zudem muss ich schauen, dass das Spiel sauber läuft – und allenfalls die Sache selber regeln, wenn die Schiedsrichter das Geschehen nicht mehr im Griff haben.»

Krueger gilt als einer, der auch mal zupacken und Präsenz markieren kann. Die Playoffs sind seine Blütezeit. «Ich liebe es, wenn die Emotionen hochgehen.» Der kräftige Abwehrspieler ist keiner für die feine Klinge – ausser am Pingpongtisch, wo ihm gemäss Eigenaussage einzig Stürmer Mark Arcobello gefährlich werden könne. «Momentan überlasse ich das Spielen aber vor allem den Jüngeren, damit sie besser werden.»

Dafür arbeitet Krueger umso härter auf dem Eis. Neben dem Triple mit dem SCB hat er ein zweites Ziel vor Augen: die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang. Krueger besitzt den deutschen und den kanadischen Pass. In ­Zukunft könnte die Schweizer Staatsbürgerschaft für ihn zum Thema werden. Länderspiele bestreitet er aber seit jeher für Deutschland. «Es ist mein grosses Ziel, im Februar für Deutschland spielen zu können.» In Südkorea war der Vielgereiste noch nie. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.09.2017, 11:07 Uhr

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