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Jalonen büsst auch für Versäumnisse der sportlichen Führung

Der Kommentar von Sportredaktor Reto Kirchhofer zur Freistellung des SCB-Trainers Kari Jalonen.

Das Herz siegte über den Verstand: Ursprünglich hätte Kari Jalonen den SCB dieses Jahr verlassen wollen; später verlängerte er seinen Vertrag bis 2021. Foto: Raphael Moser
Das Herz siegte über den Verstand: Ursprünglich hätte Kari Jalonen den SCB dieses Jahr verlassen wollen; später verlängerte er seinen Vertrag bis 2021. Foto: Raphael Moser

Eigentlich hatte es Kari Jalonen geahnt. Nach dem Meistertitel im vergangenen Frühling schien klar: Der Finne will seinen Vertrag in Bern zwar erfüllen, den Club aber 2020 verlassen. Jalonen hatte einst in Oulu die Erfahrung gemacht, dass spätestens nach einem Zyklus von vier Jahren für Trainer und Mannschaft die Zeit reif für etwas Neues ist.

Im Sommer aber verspürte Jalonen Frühlingsgefühle, siegte das Herz über den Verstand. Er fühlt(e) sich in Bern wohl, liebt die Stadt, der Erfolg war treuer Begleiter: All das wollte der Coach nicht aufgeben. Weshalb er im Oktober entgegen seinen ursprünglichen Plänen den Vertrag bis 2021 verlängerte. Und als er Anfang Jahr an seinem 60.Geburtstag zum Abschluss eines Gesprächs betonte, wie viel ihm Bern bedeute, kämpfte der kühle Finne für einen Moment mit den Tränen. 22 Tage später endet die Liaison. Die Trennung wird den Erfolgstrainer im Innersten getroffen haben.

Nun bietet Sport allerhand Spielraum für Emotionen. Aber für Sentimentalitäten bleibt selten Platz. Erst recht nicht beim grossen SCB, wo einer der erfolgreichsten Trainer in der Clubgeschichte nur drei Monate nach der Vertragsverlängerung als nicht mehr tauglich eingestuft wird.

Zwar «durfte» Jalonen als erster Trainer in der Ära des Geschäftsführers Marc Lüthi eine vierte Saison in Angriff nehmen – beenden wird sie der Finne nicht. Weil die Verantwortlichen einmal mehr den Weg des geringsten Widerstands gehen. Weil auch in Bern die Courage fehlt, die Spieler vollumfänglich in die Verantwortung zu nehmen, die Meisterschaft durchzuziehen und danach eine saubere Auslegeordnung zu machen. Mit sämtlichen Konsequenzen für alle Beteiligten.

Fakt ist: Der ebenso sture wie konsequente Trainer hat die Spieler bis zur letzten Sekunde erreicht. Die Trennung enttäuscht jene, die längere Zeit mit dem Finnen zusammengearbeitet haben. Dass sich bei Akteuren mit weniger Eiszeit das Bedauern in Grenzen hält, liegt in der Natur der Sache.

Fakt ist auch: Jalonen und sein tiefpulsiger Staff waren offensichtlich nicht (mehr) in der Lage, der Mannschaft Impulse zu geben, sie an den Strom der Emotionen anzuschliessen. Hans Kossmann und Lars Leuenberger werden dies kurzfristig ändern können. Kossmann trägt den Ruf des «Feuerwehrmanns». Aber seine Kernkompetenz ist nicht, Brände zu löschen, sondern den Spielern Feuer unter dem Hintern zu machen.

Jalonens Freistellung zwingt den SCB zur Neuausrichtung. Doch grundsätzliche Probleme bleiben bestehen – weil es die sportliche Führung um Rolf Bachmann und Alex Chatelain verpasst hat, früher und anderweitig Impulse zu geben.

Dabei geht es nicht um die Position des Trainers. Einerseits überstrahlte der Titelgewinn 2019 den schleichenden Substanzverlust im Kader. Anderseits verstärkte er das Gefühl der Sättigung. Dennoch setzten die Verantwortlichen nach dem Erfolg kaum Reize. Die Transferbilanz ist ungenügend. Und die Situation wird sich mit dem Abgang Mark Arcobellos noch verschärfen. Insofern muss Jalonen nun auch für die Versäumnisse der sportlichen Leitung büssen.

Wie sagte doch Geschäftsführer Lüthi vor zwei Wochen gegenüber dieser Zeitung: «Kari hat vieles im Griff. Er ist nicht das Problem.» Am Dienstag tönte das so: «Kari kann das Playoff managen, er kann Meister werden. Aber er kann nicht unbedingt mit einer Krise umgehen.»

Zum Glück können das die Berner Verantwortlichen.

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