Vorsicht: Blinde Passagiere

Die SCL Tigers unterliegen Kloten 3:5, vergeben damit die letzte Chance auf einen Playoff-Platz. Der dürftige Auftritt seiner Equipe ruft bei Coach Heinz Ehlers Frust und Zorn hervor.

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Es ist die Schlussszene eines völlig missglückten Abends. Ein Journalist blickt im Kabinengang der Ilfishalle auf sein Handy und lässt Heinz Ehlers wissen, dass der SC Bern eben in Genf den Siegtreffer geschossen hat. Der Langnauer Coach stapft davon und raunt: «Das ist jetzt auch egal.»

Nach der 3:5-Niederlage gegen Kloten sind ihm Frust und Zorn ins Gesicht geschrieben. Denn: Was seine Mannschaft im Spiel der letzten Chance um einen Playoff-Platz bot, war schlicht und ergreifend ungenügend; da nützte die Schützenhilfe des Erzrivalen nichts. «Meine Enttäuschung ist riesig», hält Ehlers fest, «wir haben zu viele blinde Passagiere an Bord, die die Situation nicht verstanden haben.»

Fast bis zum Qualifikations­ende durften die SCL Tigers von der zweiten Playoff-Teilnahme nach 2011 träumen. Doch als es in den Heimspielen gegen Servette (1:3) am Mittwoch und Kloten am Samstag um die Wurst ging, spielten ihnen die Nerven einen Streich.

Nachteil Powerplay

Die Analyse für das Scheitern auf der Zielgeraden fällt einfach: Achtmal konnten die SCL Tigers gegen Kloten in Überzahl spielen, zwei Minuten lang gar mit fünf gegen drei. Was sie dabei boten, kann als Slapstick bezeichnet werden. Manch ein Zuschauer dürfte sich in der ausverkauften Ilfishalle jedenfalls wie in einem schlechten Film gewähnt haben, als er Mikael Johansson dabei zusah, wie er im Powerplay hilflos die Scheibe hin und her dribbelte – in der Hoffnung, dass sich ein Mitspieler anbieten würde.

Dabei hatten die SCL Tigers im Februar während der Olympiapause drei Wochen Zeit gehabt, genau daran zu feilen. «Im Training hatten wir diesbezüglich ein gutes Gefühl. Warum es im Match nicht klappt, kann ich mir nicht erklären», sagt Yannick-Lennart Albrecht. Wer behauptete, Langnau wäre mit einem funktionierenden Powerplay im Teletext grün eingefärbt, würde wohl nicht falsch liegen. Servette und Kloten kassierten gegen die Emmentaler zusammen 13 kleine Strafen, jedoch kein Tor in Unterzahl.

Das Spiel gegen Kloten hatte aus Langnauer Optik bereits denkbar schlecht begonnen. Nach nur 48 Sekunden und einem Puckverlust in der Mittelzone konnte Denis Hollenstein allein auf Ivars Punnenovs ziehen – 0:1. Auch den drei folgenden Gegentreffern gingen individuelle Fehler hervor. Dass Pascal Berger und Alexei Dostoinow – unter gütiger Mithilfe von Kloten-Keeper Kevin Poulin – das Skore innert 62 Sekunden ausglichen, verkam zur Randnotiz.

Nun müssen die SCL Tigers zum dritten Mal en suite die Platzierungsrunde bestreiten. Wobei die Situation mit jener aus dem Vorjahr vergleichbar ist. Damals hatte Langnau die Qualifikation mit elf Punkten Vorsprung auf das elftplatzierte Gottéron beendet und den Ligaerhalt dann rasch ­sichergestellt; nun sind es zehn Zähler Reserve auf Ambri-Piotta (11.).

Heinz Ehlers will indes nichts von einer günstigen Ausgangslage wissen. «Ich erwarte, dass einige Spieler nun den Ernst der Lage erkennen, wenn nicht, werden wir in dieser Saison noch lange spielen müssen.» Am Montag in Kloten (19.45 Uhr) können die Langnauer Akteure zur Qualifi­kationsderniere beweisen, ob sie des Chefs Worte verinnerlicht haben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.03.2018, 22:20 Uhr

Telegramm

SCL Tigers - Kloten 3:5 (0:2, 2:2, 1:1). - 6000 Zuschauer (ausverkauft). - SR Eichmann/Massy, Abegglen/Fluri.

Tore: 1. (0:48) Hollenstein 0:1. 7. Bader 0:2. 32. (31:51) Pascal Berger (Johansson) 1:2. 33. (32:53) Dostoinow 2:2. 34. (33:50) Hollenstein (Schlagenhauf, Grassi) 2:3. 39. Bozon 2:4. 52. Pascal Berger 3:4. 60. (59:01) Grassi (Ausschluss Obrist!) 3:5 (ins leere Tor).

Strafen: 1mal 2 Minuten gegen SCL Tigers, 8mal 2 Minuten gegen Kloten.

PostFinance-Topskorer: Elo; Praplan.

SCL Tigers: Punnenovs (41. Ciaccio); Zryd, Seydoux; Huguenin, Blaser; Lardi, Erni; Randegger; Elo, Gagnon, Dostoinow; Pascal Berger, Johansson, Erkinjuntti; Kuonen, Albrecht, Nüssli; Neukom, Gustafsson, Nils Berger; Gerber.

Kloten: Poulin; Kellenberger, Back; Stoop, Ramholt; Egli, Bäckman; Kparghai, Harlacher; Bader, Santala, Marchon; Grassi, Schlagenhauf, Hollenstein; Bozon, Sallinen, Praplan; Obris, Trachsler, Leone.

Bemerkungen: SCL Tigers ohne Barker, Stettler und Thuresson, Kloten ohne Abbott, Bieber, Bircher, Lemm, Weber (alle verletzt). - Pfosten-/Lattenschüsse: Johansson (3.), Albrecht (14.), Blaser (19./Latte).

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