In der Breite liegt die Kraft

Der EHC Biel tritt als Leader in Langnau an. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die Ausge­glichenheit im Kader.

Jan Neuenschwander, Center der vierten Linie, erhält in Biel viel Verantwortung und Eiszeit.

Jan Neuenschwander, Center der vierten Linie, erhält in Biel viel Verantwortung und Eiszeit.

(Bild: Raphael Moser)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Fünf Spiele, vier Siege, die beste Offensive (19 Tore) und – zusammen mit dem SC Bern – die beste Defensive (7 Gegentore) der Liga. Es gäbe gute Gründe für Antti Törmänen, den Ruhm des Augenblicks zu geniessen. Doch wer den Coach des EHC Biel auf den Höhenflug seiner Equipe anspricht, muss mit einer einsilbigen Antwort rechnen. «Es sind erst fünf Spiele gespielt», sagt Törmänen dann zum Beispiel, «die muss man mit zehn multiplizieren, um zum Ende der Qualifikation zu gelangen.»

Wer den Bielern im Training zuschaut, kommt jedenfalls kaum auf den Gedanken, dass Euphorie oder Übermut vorhanden wäre. Im Gegenteil: Törmänen lässt Übungen wiederholen, Törmänen übt hier Kritik, Törmänen gibt dort Inputs. Das hat gute Gründe: Schliesslich sind die Bieler als Schnellstarter bekannt, in den letzten drei Jahren hatten sie immer einen starken Auftakt in die Saison erwischt, ehe spä­testens Ende Oktober die Krise folgte.

2016 musste deshalb Langzeitcoach Kevin Schläpfer seinen Posten räumen, vor Jahresfrist traf es Mike McNamara. «Wir schauen nach vorne, nicht zurück», meint Sportchef Martin Steinegger dazu.

Vertrauen und Wertschätzung

Dafür gibt es im Moment gute Gründe. Schliesslich überzeugen die Bieler als Einheit, der Erfolg gründet nicht auf den Efforts einiger weniger Leistungsträger. Törmänen verteilt die Verantwortung auf viele Schultern, lässt konsequent mit vier Linien spielen. Die vierte Sturmformation mit Julian Schmutz, Jan Neuenschwander und Fabian Lüthi kam am Samstag beim 5:2-Sieg in Bern zusammen auf über 37 Minuten Eiszeit.

Nur Rapperswil-Jona setzte seine vierte Linie am Wochenende noch mehr ein. «Wir haben einige gute Spieler, es herrscht grosser Konkurrenzkampf», sagt Törmänen. «Wir wissen, dass jeder eine grosse Rolle im Team spielt. Und wenn jeder seine Stärken ausspielen kann, sind wir auf einem guten Weg.»

Bezeichnenderweise findet sich im Bieler Ensemble nur ein Spieler, der im Schnitt über 20 Minuten auf dem Eis steht: Verteidiger Anssi Salmela. Die Ausgeglichenheit habe sich mit den Transfers ergeben, sagt Sportchef Steinegger. Letztlich gehe es um Wertschätzung, darum, den Spielern Vertrauen zu geben. «Und ich finde, heute musst du mit vier Linien spielen.»

Man kann das auch anders sehen. Lausanne-Coach Ville Peltonen, bis letzte Saison als Assistent von Kari Jalonen beim SCB tätig, forciert seine besten Kräfte bereits jetzt nach Playoff-Manier: Sechs Spieler erhalten im Schnitt über 20 Minuten Eiszeit. «Sie haben ihre Ideen, wir unsere», sagt Steinegger. Törmänen hält derweil fest, es bringe nichts, sich zu viele Gedanken «über was auch immer» zu machen.

«Die Realität heisst: Auswärtsspiel in Langnau. Das ist das heisseste Team der Liga, es hat gerade einen Gegner 7:0 bezwungen. Für uns wird das eine grosse Herausforderung, da müssen wir nicht noch an andere Dinge denken.»

Berner Zeitung

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