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In Bern laufen die Uhren schneller

Geht es um den SCB, ist es mit der Berner Gemächlichkeit nicht mehr weit her. Nach nicht einmal drei Meisterschaftswochen scheint die Aufregung im Umfeld bereits gross.

Die jüngste Niederlage für den Meister: Beim 2:5 in Zug wird Pascal Caminada von Lino Martschini per Penalty bezwungen. Foto: Urs Flüeler (Keystone)
Die jüngste Niederlage für den Meister: Beim 2:5 in Zug wird Pascal Caminada von Lino Martschini per Penalty bezwungen. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Die Krise hat häufig Saison – aber nicht im September. Die Meisterschaft ist jung, der Winter weit entfernt, das Qualifikationsende sowieso, und das Playoff nicht mehr als ein vager Gedanke. «Krise» steht für eine schwierige Lage, den Höhepunkt einer gefährlichen Entwicklung. Und in einer solchen respektive auf einem solchen befindet sich der SC Bern nicht. Noch nicht.

Fünfmal in Folge hat der Meister verloren. Was ihn in der Tabelle nicht gut dastehen lässt. Nach Verlustpunkten gerechnet sieht es gar zappenduster aus. Aber erstens ist die Aussagekraft der Tabelle gering, weil einige Teams vier und andere bereits acht Partien bestritten haben. Zweitens gewinnt in der National League zuverlässig jeder gegen jeden (okay: den SCB zurzeit ausgenommen). Soll heissen: Wer in einer solchen Liga mit Verlustpunkten argumentiert, der hat bereits verloren.

Dennoch werden in Bezug auf den SCB nach nicht einmal drei Wochen Meisterschaftsbetrieb bereits lustvoll Untergangsszenarien entworfen, Mücken zu Elefanten hochstilisiert, Zuzüge und Goalies mit dem Stempel «ungenügend» versehen. Dabei lässt sich die Baisse nicht an einer Person oder an einer Position festmachen. Mal fehlt es dem Angriff an Produktivität, mal stehen die Verteidiger im Schilf statt beim Gegenspieler, mal greift ein Goalie daneben. Verteidiger Justin Krueger sagt: «In Bern stehst du immer unter Druck. Also ist die Erwartung an uns nicht viel anders, als wenn wir die letzten Partien gewonnen hätten.»

Suche und Selbstvertrauen

Doch selbst beim stolzen SCB gilt: Mit Selbstvertrauen lässt es sich Erwartung und Druck angenehmer begegnen. Und dieses Selbstvertrauen fehlt dem Team zurzeit. Im Angriff sucht Kari Jalonen nach der idealen Zusammensetzung der Linien. Zu viel ist von der Leistung des ersten Sturms um Topskorer Mark Arcobello abhängig. Betreffend Torhüter hat es der Headcoach am letzten Freitag offenbar als dringlich erachtet, Niklas Schlegel nach dessen erstem wirklichem Fehlgriff in dieser Saison sogleich auszuwechseln. Und in der Defensive kanalisiert sich die Kritik im verpflichteten Finnen Miika Koivisto, obwohl Zuzüge aus einem anderen Land und einer anderen Liga jeweils erst nach rund 15 Partien seriös eingeschätzt werden können. Aber im und um den SCB ticken die Uhren anders – und nach einer derartigen Serie ohne Sieg laufen sie zusätzlich etwas schneller. Sportchef Alex Chatelain sagt: «Natürlich läuft es der Mannschaft nicht wie gewünscht. Aber wir werden nach sieben Partien sicher nicht den Panik-Knopf drücken.»

Gottéron und die Gewissheit

Kein Grund zur Panik also. Und doch wäre es fatal, das Formtief herunterzuspielen. Eine weitere Woche ohne Sieg kann sich der Meister im Prinzip nicht leisten. Dessen sind sich die Spieler bewusst – sagt zumindest Verteidiger Krueger. «Wir sind erfahren genug, damit wir nicht zu stark auf diese Niederlagenserie fokussieren. Aber unsere Erfahrung müssen wir nun ausspielen.» Und wie? «Indem wir uns als Team aus dem Loch ziehen, jeder dem anderen hilft.» Klingt einfach, ist in der Umsetzung aber schwierig, weil bei einigen wegen der Verkrampfung die Stöcke schwerer im Handschuh liegen als sonst.

Vielleicht hilft den Bernern die Gewissheit, dass auch beim nächsten Gegner Gottéron das Selbstvertrauen nicht à discrétion vorhanden ist. Der Vergleich am Dienstag wird in neuer respektive renovierter Umgebung stattfinden. Der Umbau der BCF-Arena ist zwar noch nicht abgeschlossen, das Provisorium aber ab sofort spielbereit. Auch die Heimmannschaft befindet sich nach zahlreichen Wechseln – unter anderem wurden alle Ausländerpositionen neu besetzt – im Umbruch. Und sie blickt wie Bern auf einen missglückten Saisonauftakt zurück. Insofern kommt diesem Zähringerderby eine speziell hohe Bedeutung zu. Die Krise mag im September nicht Saison haben. Am Dienstag beginnt der Oktober.

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