Im Hoch und unter dem Dach

Schwacher Beginn, brutales Ende: Die SCL Tigers verlieren vor 5842 Zuschauern gegen Kloten 4:5, der Siegtreffer fällt 23 Sekunden vor Schluss. Flyers-Goalie Martin Gerber spielt erstmals nach 20 Jahren wieder in Langnau gegen Langnau.

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Etwas kurios ist das Ganze schon. Bei Tigers-Gegner Kloten steht Martin Gerber im Tor – er hängt aber auch unter dem Dach der Ilfishalle. Ein gelbes Plakat baumelt dort, versehen mit vier Namen und Nummern. Aufgrund besonderer Verdienste für den Verein kam Daniel Aegerter, dem verstorbenen Walter Gerber, Todd Elik und eben Martin Gerber die Ehre zuteil, dass ihre Rückennummer in Langnau nie mehr vergeben wird. In Gerbers Fall ist es die 26.

Auch in anderen Stadien werden «Klublegenden» auf diese Weise gewürdigt, jedoch erst nach Beendigung der Karriere. Bei den SCL Tigers läuft halt einiges anders. Und irgendwie überrascht es nicht, wird Gerber nicht besonders warm empfangen. Klatschen hier, ein paar wenige Pfiffe da. Einerseits ist die Bewunderung vor dem Stanley-Cup-Sieger und WM-Silbermedaillengewinner spürbar, andererseits haben ihm einige Emmentaler wohl nicht verziehen, verliess er die Tigers in der Lockoutsaison 2004/2005; sie nehmen es ihm übel, kehrte er in den letzten Jahren trotz diverser Avancen nicht zurück.

0:3, 4:4, 4:5

Nun, am Ende lächelt Gerber – der Langnauer Anhang dagegen ist gefrustet. 4:5 verlieren die SCL Tigers, sie erhalten die Quittung für eine Darbietung mit einigen Hochs und noch mehr Tiefs. Im Startabschnitt spielt die Equipe Benoît Laportes mit wenig Emotionen, leistet sich viele Fehler, vor allem wird sie vom Tempo der Klotener überfordert. Nach 43 Sekunden bereits führen die Gäste, nach 20 Minuten steht es 0:3 – das Resultat schmeichelt den Emmentalern. «Wir kamen stets einen Schritt zu spät», resümiert Captain Martin Stettler nach der Partie.

Zumindest aber zeigen die Langnauer eine Reaktion. Thomas Nüssli trifft mit herrlichem Hocheckschuss (21.), Chris DiDomenico bucht bei Spielmitte den Anschlusstreffer. Die Tigers bestimmen nun das Geschehen, bremsen sich aber selbst: Vor dem 2:4 Michael Linigers kommen sich Tigers-Goalie Damiano Ciaccio und Verteidiger Ville Koistinen in die Quere.

Im Schlussabschnitt geschieht lange nichts, ehe Langnau dank Yannick-Lennart Albrecht (siebter Saisontreffer) und DiDomenico tatsächlich noch ausgleicht. 23 Sekunden vor Schluss aber lässt es Flyers-Stürmer James Sheppard abermals «scheppern». Der Kanadier bucht das Siegtor für die cleverer agierenden Zürcher. «Kloten war am Boden, wir verfielen in Euphorie und vernachlässigten die Defensive», sagt Stettler. Dass Coach Laporte in der hektischen Schlussphase gleich drei Offensivstürmer aufs Eis schickt, überrascht doch ein wenig.

Wie vor 20 Jahren

Und Martin Gerber? Der 41-Jährige ist ein sicherer Rückhalt, freut sich über den Sieg, «wir haben uns Luft verschafft». Nach fürchterlichem Saisonstart befindet sich Kloten (4.) im Hoch. Speziell sei die Rückkehr nach Langnau gewesen, wo er ein Haus gekauft und gute Freunde habe. Um eine Premiere handelt es sich nicht, «vor 20 Jahren spielte ich hier in der 1. Liga mit Thun.» Das Plakat am Hallendach registriert Gerber erst nach dem Spiel. «Ein Kollege fragte mich verwundert, was ich dort zu suchen habe».

Berner Zeitung

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