«Ich will den einen oder anderen umhauen»

Den SCL Tigers läuft es nicht. Stürmer Benjamin Neukom will dies über den Kampf ändern, dem 26-Jährigen behagt das körperbetonte Spiel. Er sagt: «Checken finde ich richtig geil.»

Selbstkritisch: Tigers-Stürmer Benjamin Neukom erwartet von sich künftig stärkere Leistungen.

Selbstkritisch: Tigers-Stürmer Benjamin Neukom erwartet von sich künftig stärkere Leistungen. Bild: Christian Pfander

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Die Frage: «Wie zufrieden sind Sie mit ihren ersten Wochen in Langnau?» Die Antwort: «Überhaupt nicht! Von mir muss viel kommen. Wer Powerplay spielen darf, muss Skorerpunkte liefern.»Benjamin Neukom ist ein Sinnbild für den Saisonstart der SCL Tigers. Aufwand und Ertrag stehen beim Stürmer wie beim Verein in einem Missverhältnis. Neukom ist engagiert, die Mannschaft ist es auch. Neukom aber hadert ein wenig mit der Form, die Mannschaft tut es auch. Neukom fehlt das letzte Quäntchen Überzeugung in seinen Aktionen, der Mannschaft fehlt es auch.

Wie Trainer Heinz Ehlers ist der Rapperswiler überrascht vom missratenen Auftakt in die Qualifikation mit sieben Niederlagen aus neun Partien. Es spricht für ihn, geizt er nicht mit Selbstkritik. Und doch äusserst er Zuversicht, die nicht gespielt wirkt. «Ich sehe Fortschritte, langsam, aber sicher geht es vorwärts.» Für ihn sei der erste Saisontreffer vergangenen Samstag in Lugano ein «echter Befreiungsschlag» gewesen.

Sitzungen beim Mentaltrainer

Heute (19.45 Uhr) gastiert Leader Gottéron in Langnau, 24 Stunden später spielen die Tigers in Lausanne. Punktezuwachs ist zwingend, wollen die Emmentaler vom Tabellenende wegkommen und zumindest halbwegs den Anschluss ans hintere Mittelfeld halten. «Wir müssen da unten rauskommen», meint Neukom.

Da unten – er kennt jene Tabellengegend nur zu gut. In Diensten Rapperswils schaffte er die Playoffs nie, stieg 2015 in die NLB ab. Mit Gottéron resultierte vergangene Saison gerade mal der vorletzte Rang. Es sei deprimierend, sich Jahr für Jahr nach hinten orientieren zu müssen, sagt Neukom, «das geht an die Substanz. Aber ich habe mittlerweile genug Erfahrung mit dieser Situation, kann gut damit umgehen.»

Nichtsdestotrotz arbeitet der 26-Jährige mit einem Mental­coach. Lange Zeit wollte er nichts von derlei Trainingspraktiken wissen, «meine Vorurteile waren ziemlich gross gewesen». Sein Agent machte ihn auf den Innerschweizer Werner Gisler aufmerksam, der auch andere Eishockeyprofis betreut. Von ihm lässt sich Neukom regelmässig hypnotisieren – eine Technik, die er weiterempfiehlt. «Man sollte sich das nicht wie im Film vorstellen, komplett weggetreten bin ich nicht», hält der Flügel fest. Es gehe vielmehr darum, im Unterbewusstsein gewisse Dinge zu beeinflussen. «Das können positive Gedanken sein, das Selbstvertrauen, aber auch Privates.»

Im Inline-Nationalteam

Der Vergleich mit den Freiburgern ist Neukoms erster mit einem einstigen Arbeitgeber. Gottéron hatte ihm vergangene Saison eine Offerte unterbreitet, «aber es passte irgendwie nicht mehr». Trainer Heinz Ehlers sei mit ein Grund für den Wechsel ins Emmental gewesen, erzählt der Profi. «Ausschlaggebend aber war, dass sich der Ruf der SCL Tigers entscheidend verbessert hat. Man geht nicht einfach mehr hierhin und weiss, dass man sowieso drei Punkte mitnehmen wird. Das spürte ich in den letzten Jahren.»

Mit mehreren Freiburgern steht der ehemalige Nachwuchsnationalspieler nach wie vor in Kontakt, Neukom geizt nicht mit Provokationen und sagt schmunzelnd: «Ich will den einen oder ­anderen umhauen.» Das körperbetonte Spiel behagt ihm, wenngleich er in Langnau seine Physis noch stärker einbringen müsste. «Checken finde ich richtig geil», meint der Angreifer. «Ich mag es, in Spieler hineinzufahren und ihnen wehzutun. Das gehört zum Eishockey. Aber ich kann dafür auch einstecken.»

Kräftig ist er nicht zuletzt dank der Ausbildung zum Maurer geworden. Früh aufstehen, bei garstigen Bedingungen auf der Baustelle schuften, am Abend trainieren und spät ins Bett gehen – «das härtete ab und war eine gute Lebensschule».

Ohne Körperkontakt geht es beim Inlinehockey zu und her, Neukoms zweiter Leidenschaft. Seit Jahren gehört er zum Nationalteam; er hat an mehreren Weltmeisterschaften und 2013 an den World Games (eine Veranstaltung für nicht olympische Sportarten) in Kolumbien teilgenommen, bei der Eröffnungsfeier in Cali waren über 60'000 Zuschauer zugegen. Inlinehockey biete ihm die Möglichkeit, «auch im Sommer etwas Schlaues mit dem Stock anzustellen», meint Neukom. Nach den vielen Niederlagen in den letzten Monaten war sein Einzug in den NLA-Playoff-Final mit Tuggen Rolling Stoned vor allem Balsam auf die Wunden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.10.2017, 08:35 Uhr

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