«Ich fürchte Bequemlichkeit»

Guy Boucher ist kurz vor den Playoffs voller Tatendrang. Der Coach des SC Bern erklärt vor dem Heimspiel gegen Lausanne (19.45 Uhr) unter anderem, weshalb er nach dem Cupsieg nicht mitgefeiert hat.

Viel Energie, viel Taktik: «Gewohnheiten kann man nicht ein- und ausschalten; sie müssen erarbeitet werden», meint Guy Boucher.

Viel Energie, viel Taktik: «Gewohnheiten kann man nicht ein- und ausschalten; sie müssen erarbeitet werden», meint Guy Boucher.

(Bild: Andreas Blatter)

Adrian Ruch

Der Mannschaft hatte er kurzfristig einen freien Tag gewährt, doch Guy Boucher selber arbeitete am Montag in der Postfinance-Arena auf Hochtouren – wie immer. Im Hinblick auf die vier letzten Partien der Qualifikation und die Playoffs äusserte sich der eishockeyverrückte Trainer des SC Bern zu diversen Themen. Boucher sagte

zum mässigen Auftritt des SCB gegen die ZSC Lions: «Gegen Zürich waren wir wie ein Tuch, das so lange ausgedreht worden ist, bis kein Tropfen mehr rauskam. Die Mannschaft hatte den Cup unbedingt gewinnen wollen, auch für die Fans. Ebenfalls im Heimspiel gegen Gottéron hatte sie alles gegeben. Gegen den Meister bezahlte sie für den grossen Effort den Preis. Ich spürte es schon ganz am Anfang; die Spieler waren zwar willig, aber es fehlte ihnen die Energie. Sie waren nicht körperlich erschöpft, aber emotional.»

weshalb er nach dem Cupsiegkaum gejubelt hat:«Ich bin nie zufrieden, bis der Job erledigt ist. Deshalb erlaube ich mir sehr selten, glücklich zu sein. Ich fürchte immer Bequemlichkeit. In der Minute, in der man loslässt, kann ein Abwärtstrend beginnen, der sich oft fast nicht mehr stoppen lässt. Daher versuche ich stets, aufmerksam zu sein. Meine Zurückhaltung hatte nichts damit zu tun, dass ich den Cup nicht schätzen würde. Doch von meiner Einstellung her schaute ich schon vorwärts. Ich wollte zeigen, dass wir noch nicht zufrieden sind, dass die Saison nicht zu Ende ist, dass wir weiterhin Verbesserungen anstreben, dass wir noch hungrig sind und noch Ziele haben. Ich bin der Leader dieser Gruppe. Stellen die Spieler fest, dass ich zufrieden bin, werden sie genügsam. Das kann den Unterschied ausmachen.»

worauf er in den nächsten Partien Wert legt: «Für mich ist jeder Match wichtig, weil wir immer etwas lernen können. In den Playoffs soll man nicht mehr lernen müssen. In den Playoffs gilt es zu funktionieren, die Leistung zu erbringen.»

weshalb er den Qualifikationssieg als unwichtig erachtet:«Jedes der acht Playoff-Teams kann Serien gewinnen. Ein heisser Goalie, weniger Verletzungspech als der Gegner, etwas Glück – das alles kann entscheidend sein. Wir dürfen uns nicht damit befassen, ob wir Erster, Zweiter oder Dritter werden und auf wen wir treffen könnten. So verlieren wir nur Energie. Und wer den Gegner wählt, verliert oft. Es gilt für alles bereit zu sein. Punkt!»

was für ihn in den Playoffs anders sein wird: «Für mich ändert sich in den Playoffs nichts; ich werde arbeiten wie immer. Ich überlasse wirklich nichts dem Zufall; ich will alles wissen, ich will an alles denken, ich will handlungsfähig sein, ich will vorausdenken.»

was für die Spieler wichtig sein wird: «Sie müssen einen klaren Kopf haben. Deshalb ist die Vorbereitung so wichtig: Es gilt Gewohnheiten zu entwickeln, damit alles automatisch abläuft. Diese Gewohnheiten kann man nicht ein- und ausschalten; sie müssen erarbeitet werden. Konstanz erreicht man nur durch gute, solide Gewohnheiten. Darauf werden wir uns in den nächsten vier Partien konzentrieren – nicht auf den Rang.»

Berner Zeitung

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