Hipp, hipp, Harri

Dank dem Finnen Harri Pesonen, der im Wesen an einen Südländer erinnert, behaupten sich die SCL Tigers in der ersten Tabellenhälfte.

Offensive Lebensversicherung: Harri Pesonen.

Offensive Lebensversicherung: Harri Pesonen. Bild: Christian Pfander

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Ein Interview im September, eines im Oktober, und zweimal fragt Harri Pesonen, ob man sich vor dem Training treffen könne. Um halb neun Uhr, auch um halb acht sei er bereit, meint er. Der frühe Vogel fängt den Wurm, mag sein, der Grund aber ist hausgemacht: Pesonen junior, ein paar Monate alt erst, ist kein Siebenschläfer. Die Tage sind lang für den Papa und die Nächte wenig erholsam, wer ihm aber zuschaut, könnte meinen, seine Energiereserven seien unerschöpflich. Pesonen läuft und trifft, er führt und bereitet Tore vor. 7 Treffer und 9 Assists hat er vorzuweisen, in der Skorerliste liegt er auf Rang 3. Nicht zuletzt dank ihm läuft es den mit wenig Kredit in die Saison gestarteten SCL Tigers gut wie lange nicht mehr, die zweite Playoff-Qualifikation in der Vereinsgeschichte scheint möglich zu sein.

Die Angst ist verflogen

Pesonen, blonde Haare, heller Teint, sieht aus, wie ein Finne eben aussieht. Doch im Gespräch räumt er auf mit dem einen Klischee. Er ist kein Schweiger, erinnert mit seinen detaillierten und gestenreichen Ausführungen eher an einen Südländer auf dem Mercato. Der 30-Jährige erwähnt den speziellen Humor seiner Landsleute, die Spiele wie Gummistiefelweitwurf erfunden hätten. Er spricht über den Alkoholkonsum in der Heimat und sagt, viele würden durchdrehen vor Freude, wenn es einmal sonnig und warm sei. Und er posiert gern in der Sauna, anders als dem Fotografen läuft ihm während des zehnminütigen Shootings nicht eine Schweissperle über die Stirn.

Ein «good guy» sei Pesonen, ein guter Kerl, erzählen Teamkollegen. Er ist ein Leader, ohne laut zu werden, macht er den Mund auf, hören aber alle zu. «Jeden Tag lebt er vor, was Professionalität bedeutet», sagt Trainer Heinz Ehlers. Sportchef Marco Bayer bezeichnet ihn als Spieler, der es verstehe, andere mitzureissen. Aaron Gagnon, Stürmer und bei fünf Ausländern im Kader auch Konkurrent, meint: «Harri ist sehr nett, sehr gut, sehr diszipliniert.»

Nicht immer war Pesonen das Vorbild, welches er heute zu sein scheint. Als Luftikus galt er Anfang 20, mit Hang zum Schlendrian. Unkonstant agierte der Angreifer, weil er zu viel Energie mit Dingen neben dem Eis verschwendete. «Ich habe gelernt, Irrelevantes auszublenden», sagt Pesonen. Mental ist er reifer geworden. «Früher hatte ich Angst, die Leistung nicht zu bringen. Nun habe ich mehr Vertrauen in mich.» Einstige Mitspieler hätten ihm die Augen geöffnet, auch solche im Nationalteam, für welches er kommende Woche erstmals seit zwei Jahren wieder spielen kann.

Das Zaubertor gegen Biel

In Heinz Ehlers hat Pesonen einen Trainer gefunden, der Disziplin in Grossbuchstaben predigt. Die beiden lernten sich in Lausanne kennen und schätzen, «Harri war mein wichtigster Spieler», sagt der Däne. Nach drei Jahren mit vielen Skorerpunkten lief es Pesonen in der letzten Saison weniger gut, ihm fehlte der Rückhalt der Verantwortlichen. Von Jan Alston erhielt er keine Offerte mehr; der Sportdirektor dürfte sich hinterfragt haben vergangene Woche, als der Finne beim Sieg der Emmentaler über die Waadtländer die überragende Figur war.

Angebote aus der Heimat, von schwedischen und deutschen Clubs hatte Pesonen erhalten im letzten Winter. Der Entscheid pro Langnau hatte mit Ehlers zu tun, aber nicht nur. «Hier fühle ich, dass die Leute hinter mir stehen.» Pesonen muss Wertschätzung spüren. Die Geborgenheit hatte er vermisst, als er von 2012 bis 2014 in Nordamerika spielte (4 NHL-Einsätze für New Jersey).

Bei den Tigers ist es die Flügelzange um Pesonen und Chris DiDomenico, die auch mal ausbrechen darf aus dem funktionierenden Defensivsystem. «Er hat die Fähigkeit, mit einer Aktion die Partie zu entscheiden», sagt Ehlers. Hervorzuheben gilt es seinen Treffer gegen Biel, das Wundertor wird in jedem Saisonrückblick zu sehen sein. Mit dem Rücken zum Gehäuse positioniert, bezwang er Jonas Hiller mit einem Schuss durch die eigenen Beine.

Und so klopfen sich die Langnauer auf die Schultern, weil sie sich beim Transfer die Option ausbedungen hatten, das Engagement um eine Saison zu verlängern. Pesonen meint, sein Bub werde ihn sicher in der Ilfishalle spielen sehen. Nächsten Winter. Wenn die Nächte allmählich ruhiger verlaufen dürften. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.11.2018, 06:59 Uhr

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