Halt in Langnau

Einst im NHL-Draft an dritter Stelle gezogen, hat Cam Barker eine Odyssee hinter sich. Jetzt will er mit den Tigers in die Playoffs.

Künftig spielt Cam Barker vor emmentaler Fans.

Künftig spielt Cam Barker vor emmentaler Fans.

(Bild: Valeriano Di Domenico)

Dario Greco@HerrGreco

An das Debüt von Cam Barker wird man sich in Langnau noch länger erinnern. Die Tigers spielen in der heimischen Ilfishalle gegen Lugano, tags zuvor haben sie in Lausanne ein Lebenszeichen von sich gegeben nach zuvor sechs Niederlagen am Stück. Mitten in dieser Negativserie war Ville Koistinen abgesprungen, der wichtigste Defensivspieler. Gegen Lugano kommt der Neuzugang Barker gerade richtig: Ihm eilt der Ruf voraus, das Körperspiel nicht zu scheuen. Auch ist der Verteidiger für Punkte gut.

Der 31-jährige Barker hat eine abenteuerliche Reise hinter sich. Eine Odyssee, wie sie manchem nordamerikanischem Eishockeyspieler widerfährt, der sich zu Hause nicht durchsetzen kann. Dabei begann seine Karriere vielversprechend: 2005 und 2006 wird er mit Kanada zweimal Weltmeister der U-20-Junioren. Er spielt an der Seite von Spielern wie Sydney Crosby, Ryan Getzlaf, Corey Perry, Patrice Bergeron, Shea Weber – heute alles Grössen in der NHL. Vor allem an den Titel von 2006 erinnert er sich gerne: «Zu Hause Weltmeister zu werden, mit der Familie unter den Zuschauern, das war eine geniale Erfahrung.»

Zuvor, im Jahr 2004, war er im Draft der NHL an dritter Stelle von den Chicago Blackhawks gezogen worden, überflügelt nur von Alexander Owetschkin und Jewgeni Malkin. Auch das russische Duo gehört heute zum Besten, was die NHL zu bieten hat. Nur: Am Draft wird nur das Potenzial eines Nachwuchstalents gezogen, der Rohling. Im besten Fall wird aus dem Spieler ein Diamant.

NHL, AHL und KHL

Nicht aus Barker. Nach Anlaufschwierigkeiten steigert sich der Kanadier in Chicago zwar langsam. In der Saison 2008/2009, seiner besten, absolviert er 85 Partien, erzielt 49 Punkte und erreicht mit den Blackhawks den Final der Western Conference. Danach tut sich Barker in der NHL schwer, er tingelt von Club zu Club, spielt bei den Minnesota Wild, in Edmonton und Vancouver und wird immer wieder in die tiefere AHL geschickt. 2013 wechselt er letztlich in die russische KHL, fortan heissen seine Clubs Astana und Bratislava. 2016 ist er in der KHL der Verteidiger mit den meisten Punkten.

Und jetzt also Langnau. Mindestens bis Saisonende wird Barker bleiben. «Es wäre schön, mal wieder länger als ein Jahr für denselben Club zu spielen», sagt er. Mit seiner Frau hat er zwei kleine Söhne, 1- und 3-jährig sind sie, das regelmässige Umziehen als Familie sei anstrengend. «Aber wir sind glücklich in Langnau. Es ist ähnlich wie in British Columbia, wo wir sonst leben.»

Zurück zu Barkers Debüt im Emmental. Beim 4:0-Sieg gegen die Tessiner bereitet der Neuzugang zuerst Alexei Dostoinows 2:0 vor, ehe er fünf Minuten später das 3:0 selber erzielt. Weil er kurz vor Schluss Linus Klasen gegen den Kopf checkt, muss er vorzeitig unter die Dusche. «Bis ich rausgeschickt wurde, war es der Auftakt, den ich mir gewünscht hatte», sagt Barker.

Das war vor zwei Wochen. In der Zwischenzeit hat Langnau zwei von drei weiteren Partien gewonnen und ist plötzlich wieder Kandidat für die Playoffs. Barker hofft derweil, dass er im Emmental nicht nur durch sein Debüt in Erinnerung bleiben wird.

Der Bund

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