Grosse Gruppe, riesige Euphorie

Benoît Laporte hat erstmals ein Training der SCL Tigers geleitet. Der Aufsteiger dürfte mehr Saisonkarten verkaufen als je zuvor, die Mannschaft aber muss bis zum Meisterschaftsstart noch verkleinert werden.

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117 Tage sind vergangen, seit die SCL Tigers in die NLA zurückgekehrt sind. Die Mannschaft feierte den Erfolg in Barcelona, längst aber gilt es wieder ernst. Zuletzt rannten die Emmentaler das eine oder andere Mal übers Eis in Burgdorf, am montag folgte in Langnau der offizielle Trainingsauftakt. Rund 100 Zuschauer weilten in der Ilfishalle, die erste Übungseinheit war äusserst streng. Los geht die Qualifikation am 11.September mit dem Derby in Bern – folglich das Wichtigste aus Tigers-Sicht in Kürze:

Die Euphorie:Die Saison beginnt erst in fünfeinhalb Wochen, bereits aber sind deutlich über 4000 Dauerkarten verkauft worden – es zeichnet sich ein Rekordwert ab. Im Stadion gab es kleine Umbauten; die Kapazität des Gästesektors wurde reduziert (370 statt 450 Plätze), dafür wurden 54 neue Sitzplätze errichtet.

Die Mannschaft: 2 Goalies, 11 Verteidiger, 19 Stürmer – die Mannschaft des Aufsteigers ist gross, zu gross. 3 bis 5 Spieler dürften die Gruppe verlassen müssen. Er sei neu in Langnau und damit unbefangen, meint Laporte, der selbst arrivierte Kräfte nicht vom Konkurrenzkampf ausnimmt. Lose Anfragen für den einen oder anderen Profi gibt es, konkret aber ist nichts. Auf dem Eis jedenfalls herrscht Hochbetrieb, zumal in dieser Woche mit Steve Mason ein Stürmer zur Probe mittrainieren darf. Der niederländisch-kanadische Doppelbürger ist der Sohn des einstigen Zug-Trainers Doug Mason und würde das Ausländerkontingent nicht belasten.

Die Verletzten: Thomas Nüssli liess sich am Rücken, Yves Müller an der Schulter operieren. Die Übungseinheit am Montag machten beide mit, sie sind allerdings noch nicht voll belastbar. Sorgen bereitet den Verantwortlichen der Zustand von Goalie Ivars Punnenovs. Der Zuzug aus Rapperswil beklagt Schmerzen an den Adduktoren, er wird bald genauer untersucht. Sollte er einige Wochen lang ausfallen, werden sich die Tigers nach einem Torhüter umsehen. Derzeit trainiert Flurin Brunner (Wiki-Münsingen) mit den Langnauern.

Die Trainer: Benoît Laporte sagte seinem Personal gleich bei erster Gelegenheit, dass ihn wohl jeder mindestens einmal in dieser Saison hassen werde. Klar ist: In Langnau weht ein frischer, etwas rauerer Wind als zuletzt. Die harte Linie und die strukturierte Arbeit zeichneten den Cheftrainer aus, hält Sportchef Jörg Reber fest. Als Nachfolger von Aufstiegscoach Bengt-Ake Gustafsson tritt Laporte ein schweres Erbe an. «Ich mag Druck, daraus schöpfe ich Kraft.» Assistent Rolf Schrepfer, 2004 Meister mit dem SCB, wird sich vorwiegend um die Verteidiger kümmern.

Die Rahmenbedingungen: Lange arbeitete er im Hintergrund, nun ist Peter Müller offiziell Geschäftsführer bei den Tigers. Er arbeitet in einer gesunden Unternehmung, vergangene Saison resultierte ein Gewinn im hohen sechsstelligen Bereich. Das Budget wurde erhöht (schätzungsweise auf gut 12 Millionen Franken). Etwas finanzieller Spielraum, um während der Meisterschaft den einen oder anderen Transfer zu tätigen, ist vorhanden.

Die Ziele: Schon im Mai sprach Benoît Laporte von den Playoffs, nur irgendwie den Klassenerhalt zu schaffen, sei nicht sein Anspruch. Intern dürfte die Playoff-Teilnahme als Ziel formuliert worden sein, gegen aussen allerdings wird keine dicke Lippe riskiert. «Wir wollen im eigenen Stadion eine Macht werden», sagt Jörg Reber, «und wir wollen in jedem Match das Team sein, das härter arbeitet als das andere». Doch auch Reber mag sich nicht bloss auf den Klassenerhalt als Vorgabe versteifen. Spürbar ist: Das Selbstvertrauen in Langnau ist gross.

Berner Zeitung

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