Gosselins Grüsse, Forsters Déjà-vu

EHC Biel Die Seeländer vergeben die erste Chance auf den Finaleinzug fahrlässig – und demonstrieren gleichwohl Gelassenheit.

Viel Aufwand, kein Ertrag: Hängende Bieler Köpfe nach der 0:1-Niederlage. Foto: Keystone

Viel Aufwand, kein Ertrag: Hängende Bieler Köpfe nach der 0:1-Niederlage. Foto: Keystone

Marco Oppliger@BernerZeitung

Die Brille sitzt auf der Nase, der Blick ist in die Kamera gerichtet. Im fernen St-Pierre-Jolys in der kanadischen Provinz Manitoba sitzt Richmond Gosselin also in seinem Fauteuil, nimmt einen Zettel in die Hand und beginnt zu lesen.

«Eine Karriere ist relativ kurz, die Chance, um einen Titel spielen zu können, erhältst du nicht jedes Jahr.» Dann blickt Gosselin auf und hält fest: «Ich wünsche euch viel Mut, Tatendrang und Glück, hopp Biel!» Vor 36 Jahren hatte der Kanadier als Topskorer wesentlichen Anteil am dritten und letzten Meistertitel des EHCB, nun drückt er seinen Nachfolgern aus grosser Distanz die Daumen.

Nur dürfte ihm kaum gefallen haben, was sich am Samstag in der Tissot-Arena abspielte. Weil sich Biel um die grosse Chance brachte, sich im ersten Versuch und zum ersten Mal überhaupt für den Playoff-Final zu qualifizieren. Trotz teilweise drückender Überlegenheit in den ersten beiden Dritteln und einigen hochkarätigen Chancen unterlagen die Bieler dem SCB 0:1.

Ungestüm und unglücklich

«Wir haben gekämpft, alles in dieses Spiel reingeworfen, aber die Scheibe ist nicht für uns gelaufen», sagt Beat Forster. «Wir waren im Abschluss zu ungestüm», meint Damien Brunner. «Das Vertrauen war da, aber das kleine Quäntchen mehr, das es für ein Tor braucht, das fehlte uns», hält Kevin Fey fest.

Drei Spieler – drei Meinungen. Und alle haben recht. Ja, die Bieler spielten beherzt und leidenschaftlich. Allein im Startdrittel vergaben zweimal Marc-Antoine Pouliot und je einmal Michael Hügli und Damien Brunner hochkarätig vor Leonardo Genoni. Aber je länger die Partie dauerte, desto mehr versuchten es die Bieler eben mit der Brechstange. Und vor allem: Desto besser bekam der SCB den Gegner in den Griff.

Feys «gutes Zeichen»

Und so steht am Ende eines aufwühlenden, aber aus Bieler Optik eben nicht historischen Hockeyabends Antti Törmänen im Gang vor der Garderobe und spricht davon, wie stolz er auf sein Team sei. «Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, aber manchmal führt das trotzdem nicht zum gewünschten Resultat», meint der Coach.

Er ist Biels Fels in der Brandung; nicht zu Tode betrübt nach einer Niederlage und nicht himmelhoch jauchzend nach einem Sieg. Törmänen lächelt, und angesprochen auf die «Belle» sagt er dann: «Wir sprechen über zwei grossartige Teams, die sich im Halbfinal gegenüberstehen. So ist Playoff, das gehört zum Spiel.»

Es liegt in der Natur der Sache, dass vor einer solchen «Alles oder nichts»-Partie jeder seine Stärken hervorzustreichen versucht. Verteidiger Fey also will erkannt haben, wie die Berner etwas müde, ja gar am Anschlag gewesen seien. «Das ist ein gutes Zeichen für uns.» Was indes gegen die Bieler spricht, ist die mangelnde Erfahrung mit einer solchen Situation.

Erst zweimal absolvierten sie ein 7. Spiel in einer Playoff-Serie – und zweimal scheiterten sie im Viertelfinal deutlich an Gottéron respektive den ZSC Lions. Gerade deshalb könnte Beat Forster nun eine besondere Rolle zukommen.

Weil ihn als sechsfacher Schweizer Meister nicht mehr so viel erschüttern kann. Doch der 36-Jährige sagt, er bleibe so wie immer. «Würde ich nun etwas anderes machen, könnten das die Kollegen falsch interpretieren.»

Für ihn übrigens ist es eine Art Déjà-vu. Vor zehn Jahren verlor er die sechste Finalpartie mit Davos zu Hause ... 0:1. Wobei Forster beim Siegtreffer Klotens auf dem Eis stand wie am Samstag beim Berner Tor. In der «Belle» aber sicherten sich die Bündner dann in der Fremde den Titel. Zumindest Richmond Gosselin hätte kaum etwas dagegen einzuwenden, würde sich dieses Szenario für Forster wiederholen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt