Genoni: «Wir geraten nicht in Panik»

In Davos kam der SC Bern beim 6:1 am Freitag zuerst unter die Räder und setzte dann zur Gala an, beim 2:1 am Samstag gegen Zug war es umgekehrt. Eines aber blieb: Wurde es brenzlig, konnte sich der Meister auf Goalie Leonardo Genoni (30) verlassen.

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Gegen Zug zelebrierte der SCB zu Beginn ein Schaulaufen, am Ende stand es trotzdem nur 2:1.
Leonardo Genoni: Wichtig ist, dass wir gewonnen haben. Doch auch unter Druck hatten wir nie ein Chaos in der Abwehr, es kam nie Unruhe auf. Das beweist, dass es im Moment sehr gut läuft.

Auffallend ist, dass der SCB fast keine Strafen hat, zuletzt zwei in Davos und eine gegen Zug.
Gegen Zug wurde grosszügig gepfiffen. Aber es ist schon so: Wir kriegen seit rund einem Monat wenig Strafen. Das ist sehr gut, dann kassieren wir in der Regel auch weniger Tore (lacht).

Was ist der Grund dafür? Ist der SCB vielen Teams einfach überlegen?
Das würde ich nicht sagen. Wir laufen viel. Wir geraten nicht in Panik. Das hat nichts mit Überlegenheit zu tun, mehr damit, dass wir einander vertrauen. Wir wissen, dass nach einem verlorenen Zweikampf noch ein Mitspieler zu Hilfe kommt. Entscheidend ist zudem, dass wir uns an einen Grundsatz halten: Wir lassen den Stock auf dem Eis. Wir wollen den Stock für die Puckkontrolle einsetzen und nicht, um den Gegner zu behindern.

Das nehmen sich die anderen Teams auch vor.
Ja, aber man muss immer daran denken. Sobald man den Stock hebt, provoziert man eine Strafe. Wir benötigten Zeit, bis das verinnerlicht war. Noch letztes Jahr kassierten wir zu viele Strafen. Daraus haben wir die Lehren gezogen.

Gegen Davos hatten Sie zu Beginn Arbeit in Hülle und Fülle. Gegen Zug kamen in den ersten 40 Minuten bloss 13 Schüsse auf Ihr Tor. Was haben Sie lieber?
Das spielt keine Rolle. Ich muss einfach bereit sein, wenn ein Schuss kommt, egal ob nach zehn Sekunden, nach zehn Minuten, oder am Schluss.

Ärgert es Sie, wenn Sie einen Shutout verpassen?
Nein, dann muss ich weniger backen. Denn erhalte ich kein Gegentor, muss ich einen Kuchen bringen.

Sie halten das Team mit Ihren Paraden oft im Spiel. Sind Sie noch besser als vor einem Jahr?
Das würde ich nicht unterschreiben. Ich bin nicht unzufrieden mit meiner Leistung, aber sie wird sicher überbewertet.

Überbewertet, wie meinen Sie das?
Dass ich mich noch verbessern muss. Ich strebe nach dem perfekten Spiel. In meinem Alter macht man nicht mehr grosse Fortschritte. Es handelt sich um kleine Dinge, hier eine Unkonzentriertheit, da ein Fehler. Diese Sachen passieren mir immer wieder, sie sind einfach im Moment nicht matchentscheidend.

Weil das Team noch stärker ist als in der vergangenen Saison?
Das hat vor allem mit dem erarbeiteten Selbstvertrauen zu tun. Im Moment läuft der Puck für uns. Dessen müssen wir uns bewusst sein. Sollte das ändern, dürfen wir nicht sagen: Jetzt haben wir Pech. Sondern dann gilt es weiter hart zu arbeiten.

Welchen Anteil hat Cheftrainer Kari Jalonen, dass der SCB noch nicht ansatzweise eine Krise erlebt hat?
Er hat uns ein gutes System beigebracht und uns ein gutes Selbstbewusstsein vermittelt. Er weiss genau, an welchen Schrauben er drehen muss.

Andere Spieler fahren diese Woche mit dem Nationalteam nach Helsinki. Sie geniessen eine Pause. Sind Sie froh?
Ja und nein. Ich bräuchte keine Pause. Klar, langfristig wird sie mir guttun. Doch ich wäre gerne mit dem Nationalteam an den Karjala-Cup gereist, die Schweiz ist zum ersten Mal dabei. Das gibt bestimmt sehr gute Spiele gegen hochkarätige Gegner.

Aber Ihr Verzicht ist doch ­bestimmt mit Nationaltrainer Patrick Fischer abgesprochen?
Ja, ich werde dann den Spengler-Cup bestreiten.

Jetzt können Sie in der Pause Ihr Masterstudium in Betriebswirtschaft vorantreiben.
Dafür sollte ich unbedingt mehr Zeit investieren (lacht). Nein, das kommt gut. In eineinhalb Jahren sollte ich damit fertig sein.

Berner Zeitung

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