Genoni glänzt und steht doch in Hillers Schatten

Der Shutout von Jonas Hiller kommt für den EHC Biel zum richtigen Zeitpunkt.

Leonardo Genoni bei seinem vielleicht letzten Einsatz als SCB-Goalie in Bern.

Leonardo Genoni bei seinem vielleicht letzten Einsatz als SCB-Goalie in Bern.

(Bild: Pfander)

Adrian Ruch

Leonardo Genoni wird nach dem Match als bester Spieler des SC Bern geehrt. Es könnte das letzte Mal sein, dass der 31-Jährige in der Postfinance-Arena mit dem Bären auf der Brust in Erscheinung tritt.

Obwohl er nur einmal bezwungen worden ist, steht er auf der Verliererseite. Denn Jonas Hiller, auch er wird als Bester seines Teams ausgezeichnet, hat den EHC Biel zum 2:0-Auswärtssieg gehext – und das nach seinem Lapsus beim 0:1 vom vergangenen Dienstag.

Hiller war im Nachgang der 2:5-Niederlage vor die Medienschaffenden gestanden und hatte seinen Fehler zugegeben. Genoni spricht derweil während dem Playoff nicht mit Journalisten, aber er pflegt zu sagen: «Jedes Mal, wenn du umfällst, musst du wieder aufstehen.» In der Tat ist es eine der wichtigsten Fähigkeiten eines Goalies, sich durch Missgeschicke und generell Gegentore nicht verunsichern zu lassen.

Eine Playoff-Serie ist auch immer ein Duell der Torhüter. Das Kantonalderby zwischen dem SCB und Biel ist in dieser Hinsicht besonders interessant, weil mit Genoni und Hiller die wohl renommiertesten Goalies des Landes zwischen den Pfosten stehen. Der Appenzeller Hiller hatte sein Glück in Nordamerika gesucht – und gefunden, wovon 437 NHL-Einsätze zeugen. Der Zürcher Genoni hatte sich derweil daheim als Nummer 1 auf Schweizer Eis etabliert und vier Meistertitel gesammelt.

Anders als 2017

2016 kehrte Hiller in die Schweiz zurück und Genoni wechselte vom HC Davos nach Bern. Im Viertelfinal der Saison 2016/2017 kreuzten sich die Wege der beiden im Playoff. Der SCB setzte sich gegen Biel auch deshalb durch, weil Genoni ausser in einer Partie kaum zu bezwingen war.

In der Qualifikation der laufenden Meisterschaft waren beide der erwartete Rückhalt, wobei der Keeper der Mutzen ligaweit die besten Statistiken aufwies und mit zehn Shutouts einen Rekord aufstellte. Der letzte gelang ihm am 25. Januar beim 3:0 gegen... Biel. Am Dienstag nun zahlte Hiller mit gleicher Währung zurück – und das für die Seeländer im optimalen Moment.

«Jonas zeigte seine Klasse. Er hielt, was er konnte. Etwas Glück gehört natürlich auch dazu», erzählt Biel Verteidiger Marco Maurer am Ende. Und Routinier Beat Forster sagt über Hiller: «Seine Leistung spricht für sich. Er hielt uns im Match, wir gaben ihm etwas zurück, indem wir aufopfernd spielten und viele Schüsse blockten.» SCB-Stürmer André Heim attestiert dem Bieler Goalie «sehr gut gehalten» zu haben. «Er arbeitete die Abpraller ausgezeichnet nach aussen, weshalb es für uns kaum Rebounds zu holen gab.»

Nach fünf Halbfinal-Partien ist Genonis Abwehrquote (92,76%) leicht höher als jene Hillers (92,44%), doch dieser führt in der wichtigsten Statistik: mit 3:2 Siegen. Abgerechnet wird allerdings erst am Schluss, vor allem im Playoff.

Berner Zeitung

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