Für Wiki ist der Cup quasi ein Muss

Am Dienstag und am Mittwoch dürfen Huttwil, Wiki-Münsingen und Burgdorf im Eishockey-Cup gegen Profiteams antreten. Finanziell lohnt sich dies, auch wenn nicht allen ein Topgegner zugelost wurde.

Vor einem Jahr füllten auch zahlreiche SCB-Fans dem MSL-Club Wiki-Münsingen in der ersten Cuprunde die Halle. Foto: Keystone

Vor einem Jahr füllten auch zahlreiche SCB-Fans dem MSL-Club Wiki-Münsingen in der ersten Cuprunde die Halle. Foto: Keystone

Reto Pfister

Am Mittwoch trifft Hockey Huttwil im Cupsechzehntelfinal auf Biel. Wie im Vorjahr (Lugano) dürfen die Oberaargauer also gegen einen NLA-Vertreter ­spielen, etwa 1500 Besucher werden das Spiel im Campus Perspektiven verfolgen, es wird wohl ein Gewinn von etwa 30'000 Franken resultieren. «Dieses Geld ist ein wichtiger Budgetposten, wir können diese Mittel in die Planung mit einfliessen lassen», sagt Sportchef Christian Baumgartner. Huttwil ist der finanziell am besten situierte Amateurclub im Kanton Bern. Für andere Vereine ist eine Teilnahme von noch viel grösserer Wichtigkeit.

Sparen kaum mehr möglich

Etwa für den EHC Wiki-Münsingen. Die Aaretaler haben sich seit 2014, als der Cup wieder ins Leben gerufen wurde, jedes Mal qualifiziert. In den ersten fünf Austragungen hatten sie stets Losglück, durften mit dem SC Bern, den SCL Tigers und Biel alle drei Berner NLA-Teams bereits empfangen, dazu noch zweimal den EV Zug.

Wiki ist finanziell nicht auf Rosen gebettet, musste in der Vergangenheit Sparmassnahmen ergreifen und erhielt im August die Lizenz für die MSL-Saison erst in zweiter Instanz. Verbunden mit der Auflage, dem Verband kontinuierlich aufzuzeigen, wie weit man bei der Mittelbeschaffung fortgeschritten ist. Dies, um am Ende so viel Eigenkapital ausweisen zu können, wie im Lizenzverfahren verlangt wird.

«Ohne den Cup sähe die Situation noch viel schlechter aus», sagt Präsident Rolf Ryter. Die Clubführung müsste noch viel grössere Anstrengungen unternehmen, um zusätzliche Geldgeber zu finden, weil die Ausgaben kaum mehr nach unten korrigiert werden können. Bei den Partien gegen die Berner Spitzenclubs resultierte am Ende ein Gewinn von 30'000 bis 35'000 Franken. In diesem Jahr erhielt Wiki mit Ajoie erstmals «nur» einen Gegner aus der Swiss League zugelost.

Man rechnet heute mit 700 bis 900 Zuschauern, aber auch so dürften noch 10'000 Franken Nettoerlös resultieren. Ein höchst willkommener Betrag, der helfen kann, in der nächsten Saison die Lizenz ohne Umweg zu erhalten. «Es muss jedoch unser Ziel sein, nicht mehr auf das Geld aus dem Cup angewiesen zu sein», sagt Ryter.

Er lobt explizit die Mannschaft, die jedes Jahr unter gewissem Druck stand, die Qualifikationsspiele gegen andere Teams aus der MSL und der 1. Liga zu überstehen. Geholfen hat da auch die hohe Identifikation mit dem Verein, die im Aaretal sowohl bei den Spielern als auch den neben dem Eis tätigen Personen in ausgeprägtem Mass vorhanden ist.

Ebenfalls mit finanziellen Problemen kämpft der Erstligist Burgdorf. Vor zwei Jahren musste der Verein saniert werden; erst danach stand fest, dass die Emmentaler weiter auf diesem Niveau spielen können. Auch für die Saison 2019/2020 enthält das Budget einen Fehlbetrag von 50'000 Franken, zusätzliche Einnahmen kann der Verein sehr gut brauchen. Burgdorf hatte im letzten Winter für die zweite und entscheidende Qualifikationsrunde ein Freilos erhalten, was den Weg in den Sechzehntelfinals wesentlich vereinfachte.

Wie Wiki erhielt der EHCB mit Olten (am Mittwoch) einen Kontrahenten aus der Swiss League zugelost und dürfte einen Gewinn in der Grössenordnung von 10000 Franken verbuchen. «Wir sind dankbar dafür», sagt Burgdorfs Präsident Dieter Blaser. «Der Cup hilft uns, die Lücke im Etat zu verkleinern.»

Mehr Geld für die Spieler

Pro Saison können allerdings nur drei bis vier Berner Amateurvereine von diesem Geldsegen profitieren. Diesmal nicht mit dabei ist zum Beispiel der MSL-Club Thun. Die Oberländer befinden sich in einer finanziell komfortableren Situation als Wiki-Münsingen und Burgdorf. Sportchef und Vizepräsident Alex Reymondin bedauert es dennoch, dass sein Team nicht mittun kann. «Mit dem Geld aus der 1. Runde könnte ich einige Spieler besser entschädigen oder neuen Akteuren etwas mehr anbieten», sagt Reymondin.

Auch Thun ist kein reicher Verein, die Ausgaben für die MSL-Equipe belaufen sich pro Saison inklusive Ausrüstung auf 100'000 Franken. Auch beim EHCT hofft man, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein und in der Qualifikation auch mehr Losglück zu haben als im Februar. Thun musste nach Huttwil zum stärkestmöglichen Gegner reisen und verlor 1:11, mit nur 12 Feldspielern wegen zahlreicher verletzungsbedingter Absenzen.

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