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Für Gragnani ist Federer ein Held

Marc-André Gragnani ist einer der drei neuen Ausländer des SC Bern. Der 27-Jährige ist Fussball- und Tennisfan. Der Kanadier drückt Roger Federer sogar die Daumen, wenn dieser gegen seinen Landsmann Milos Raonic antritt.

In noch ungewohnter Umgebung: «Ich komme in eine neue Liga, tauche in eine neue Welt ein», sagt Marc-André Gragnani in der Postfinance-Arena.
In noch ungewohnter Umgebung: «Ich komme in eine neue Liga, tauche in eine neue Welt ein», sagt Marc-André Gragnani in der Postfinance-Arena.
Andreas Blatter

Am Montag beginnt beim SC Bern offiziell das Eistraining. Guy Boucher hält nichts von einem gemütlichen Einstieg. Der Cheftrainer hat gleich von Beginn weg dreistündige Einheiten angesetzt. Die neuen Spieler treffen dieser Tage in Bern ein; Marc-André Gragnani weilt schon etwas länger hier. «Ich wollte die Stadt, den Klub und, das war der Hauptgrund, meine Teamkollegen kennen lernen», erzählt der 27-Jährige.

Gragnanis Verpflichtung war der letzte Transfer, den SCB-Sportchef Sven Leuenberger getätigt hat. Der Offensivverteidiger war vertraglich eigentlich noch an die KHL-Equipe Lev Prag gebunden. Doch vor rund fünf Wochen wurde ihm aus Prag beschieden, die Mannschaft werde aufgelöst. «Es gab zwar viele Gerüchte. Doch am Saisonende hatte uns die Klubführung an einem Meeting noch gesagt, es sei alles in Ordnung», erzählt der Kanadier.

Der finanzielle Kollaps war nicht auf mangelnden Erfolg zurückzuführen. Lev Prag hatte in der russisch dominierten KHL immerhin den Playoff-Final erreicht. Sich für das Angebot des SCB zu entscheiden, sei einfach gewesen, meint Gragnani. «Die Schweiz ist ein wunderbares Land, und der SC Bern eines der renommiertesten Teams.»

Kobasew war schneller

Ein Pluspunkt für den SCB war zudem, dass Gragnani einst unter Boucher gespielt hatte – als 15-Jähriger. «Ich kenne Guy, und er kennt mich. Die Coachs wissen, was sie von mir erwarten können, und ich weiss, was mich erwartet.» Gragnani hofft, auch im Powerplay eingesetzt zu werden. In Überzahl kann er seine Stärken ausspielen. Wie einst bei den Junioren trägt er beim SCB die Nummer 52. «Eigentlich wollte ich die 17 nehmen, doch Chuck Kobasew hatte sie mir schon weggeschnappt.»

In der American Hockey League wurde Gragnani 2011 zum besten Verteidiger gewählt. Überhaupt glänzte er in der AHL; 234 Skorerpunkte in 325 Partien sind ein Spitzenwert. In der NHL vermochte sich der Kanadier mit italienischen Wurzeln – er interessiert sich stark für Fussball und ist Supporter von Juventus Turin – freilich nicht durchzusetzen. Er sagt, es seien verschiedene Faktoren zusammengekommen, dass es nicht geklappt habe. Die Hoffnung hat er indes noch nicht aufgegeben. «Jeder Eishockeyprofi sollte den Traum haben, in der NHL zu spielen.»

Zu wenig Mut in Montreal

Sein Traum ist freilich nicht der Grund, dass er beim SCB nur einen Einjahresvertrag unterschrieben hat. «Ich komme in eine neue Liga, tauche in eine neue Welt ein.» Da wolle er erst mal sehen, wie es ihm gefalle. Wenn er mit der Situation und der Klub mit ihm zufrieden sei, werde die Zusammenarbeit verlängert.

Marc-André Gragnani ist seit zehn Jahren ein riesiger Fan Roger Federers. «Er ist mein Vorbild, mein Idol, mein grösster Sportheld. Ich schaue zu ihm hoch und versuche, von ihm zu lernen.» Federer sei für ihn der perfekte Sportler. Dem Eishockeyprofi imponiert vor allem, wie sich der Baselbieter auf dem Platz verhält. «Er zeigt während des Spiels kaum Gefühle, vor allem keine negativen. Ich hingegen bin sehr emotional, rasch glücklich oder traurig.» Seine Bewunderung für Federer geht so weit, dass er im Wimbledon-Halbfinal nicht Landsmann Milos Raonic, sondern dem Schweizer die Daumen drückte.

Vor drei Jahren hat ihm Eishockeyfan Peter Lundgren, damals Coach von Stanislas Wawrinka, in Montreal Eintrittskarten und Zugang zum Spielerbereich beschafft. «Ich stand zwei Meter von Federer entfernt, wagte mich aber nicht, ihn anzusprechen oder um ein gemeinsames Bild zu bitten. Ich war viel zu nervös – wie ein kleiner Bub.»

Somit hat er einen zusätzlichen Anreiz, mit dem SCB Erfolg zu haben. Federer-Coach Severin Lüthi ist ein Anhänger der Mutzen. Für spezielle Gelegenheiten, zum Beispiel ein Spiel des Playoff-Finals, wird Lüthi manchmal von seinem Chef in die Postfinance-Arena begleitet. «Das wäre grossartig», meint Gragnani. Mit Heimvorteil brächte er wohl den Mut auf, sein Idol anzusprechen.

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