Frust und Fust

Zu Beginn der Platzierungsrunde gastiert am Samstag ein alter Bekannter in der Ilfishalle: John Fust, der die SCL Tigers 2011 in die Playoffs führte, amtet in Lausanne als Übergangstrainer.

John Fust soll Lausanne den Ligaerhalt sichern, ehe er Ville Peltonen den Posten des Cheftrainers überlässt.

John Fust soll Lausanne den Ligaerhalt sichern, ehe er Ville Peltonen den Posten des Cheftrainers überlässt.

(Bild: Keystone)

Der Ärger ist nach wie vor spürbar bei den SCL Tigers, der verpassten Chance trauert manch einer noch immer nach. Die Playoff-Teil­nahme, sie wäre möglich gewesen angesichts des günstigen Rest­programms sowie der keineswegs übermächtigen Konkurrenz. Langnau scheiterte an Servette, vielmehr aber an sich selbst. «Einige Spieler waren in den entscheidenden Spielen dem Druck nicht gewachsen», hält Sportchef Jörg Reber unmissverständlich fest.

Weil das Polster auf die zwei letzten Plätze vor Beginn der Platzierungsrunde mit 10 respektive 20 Punkten jedoch gross ist, dürfte Langnau nicht mehr ins Zittern geraten. Anders sieht es beim ersten Gegner Lausanne aus, der «nur» 6 Punkte vor Ambri liegt. Die Waadtländer werden seit Monatsfrist von John Fust trainiert, dem Kanada-Schweizer, der so untrennbar mit den SCL Tigers verbunden ist.

Das erste Wiedersehen

Am Samstag (20.15 Uhr) wird Fust erstmals seit Dezember 2012 als Coach in der Ilfishalle anzutreffen sein. Damals wurde er entlassen, in seiner dritten Saison, nachdem er den Verein anderthalb Jahre ­zuvor sensationell in die Playoffs geführt hatte. Er betont, nicht im Streit gegangen zu sein, wenngleich dies so dargestellt worden sei. Selbst mit Tigers-Verwaltungsräten steht er nach wie vor in Kontakt; manchmal fährt er nach Langnau, spaziert durchs Dorf und kehrt bei Bekannten ein. «Im Emmental hatte ich meine beste Zeit – als Trainer und als Spieler», sagt Fust, der 1998 als Aktiver die Rückkehr in die NLA miterlebte.

Nach dem Aus in Langnau trainierte er die Schweizer U-20-Auswahl, war Assistent von Nationaltrainer Glen Hanlon, betreute den B-Klub Visp. Und er wäre 2013 nach der Absetzung Antti Tör­mänens beinahe SCB-Trainer geworden. So erfolgreich wie in Langnau jedoch ist er nirgends mehr gewesen. Elf Monate lang hatte er zuletzt auf einen Job gewartet, ehe die Anfrage aus Lausanne kam.

Bei den Waadtländern soll der Familienvater für Schadensbegrenzung sorgen. Er ist eine Übergangs­lösung, auf die kommende Saison hin wird SCB-Assistenzcoach Ville Peltonen die Leitung übernehmen. Fust hat ein Angebot vorliegen, in Toronto im Hockeybereich zu arbeiten. Als Schaufenster bezeichnet er die Aufgabe in Lau­sanne, «vielleicht ergeben sich daraus interessante Möglichkeiten».

Eine Frage der Emotionen

Stellt sich die Frage, weshalb sich Fust so sehr an den Trainerjob klammert, stünden ihm doch Türen zuhauf offen. Der 46-Jährige studierte in Princeton, der wohl renommiertesten Universität der Welt. Er war einer von 700 Klassenbesten, die jährlich aufge­nommen werden – bei 30'000 Bewerbern. Fust erwarb Diplome in Psychologie, Politologie und Geschichte.

Nach der Profikarriere liess er sich zum Geheimagenten ausbilden; ein paar Monate lang arbeitete er beim Canadian Security Intelligence Service, dem Pendant zur amerikanischen CIA. Fust sagt, er brauche die Emotionen, welche der Traineralltag garantiere. «In den Eishallen spüre ich eine gewaltige Energie. Zudem werde ich ständig mit Herausforderungen konfrontiert. Das hält mich wach.»

Ungewöhnlich emotional ging es zuletzt in Langnau zu und her. Während des samstäglichen Heimspiels gegen Kloten waren Pfiffe zu hören, was in der Ilfishalle selten der Fall ist. Es sei wichtig, die Saison anständig zu beenden, sagt Jörg Reber, der den Grund fürs Scheitern primär im ungenügenden Powerplay (das klar schwächste der Liga) ortet. «Der positive Eindruck aus der Qualifikation soll nicht wegen ein paar schlechter Tage ruiniert werden.»

67 Punkte holten die Tigers in 50 Spielen, ­diese Ausbeute hätte in den letzten Jahren einige Male für einen Top-8-Platz gereicht. Was den Frust nicht geringer werden lässt.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt