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Forechecking wider den Trend

Checks mit Verletzungsfolgen haben sich zuletzt gehäuft – nicht nur in der Schweiz. SCB-Trainer Larry Huras fordert härtere Sanktionen, derweil Schiedsrichterchef Reto Bertolotti an die Selbstverantwortung appelliert.

Korrekt oder nicht? Der Check von Gottérons Shawn Heins (2.v.l.) gegen Roman Josi gab und gibt Anlass zu Diskussionen.
Korrekt oder nicht? Der Check von Gottérons Shawn Heins (2.v.l.) gegen Roman Josi gab und gibt Anlass zu Diskussionen.
Keystone

Auf dem Bürotisch von Reto Steinmann, dem Einzelrichter der National League, stapeln sich derzeit die Dossiers mit möglichen Sanktionsfällen aus der Eishockey-NLA. Allein aus den Partien des letzten Wochenendes sah sich Steinmann gezwungen, drei Verfahren wegen gesundheitsgefährdender Aktionen zu eröffnen.

Die Summe der Checks mit Verletzungsfolgen ist in dieser Spielzeit bis dato unrühmlich hoch: Beispiele sind etwa Mathias Joggis (Davos) Check gegen den Kopf von Klotens Marc Schulthess (Oktober 2009), Tristan Scherweys Bandencheck gegen Servettes John Gobbi und Shawn Heins’ Check auf offenem Eis gegen Roman Josi (beide November 2009), oder die Aktionen von Mark Bell (Kloten), Josef Boumedienne (Zug), Timo Helbling (Lugano) und Christian Berglund (Rapperswil) vor Wochenfrist. Die Diagnose war für sämtliche leidtragenden Gegenspieler dieselbe: Hirnerschütterung. Über zwanzig Spieler mussten seit Ende September in der National League A wegen einer erlittenen Hirnerschütterung zeitweise pausieren. «Das Problem existiert weltweit und ist eine Nebenerscheinung der strengen Regelanwendung», sagt Reto Bertolotti. Der Referee-in-Chief von Swiss Ice Hockey nimmt Bezug auf das 2005 eingeführte Gebot der «Null Toleranz», welches die konsequente Bestrafung der «weichen Fouls» wie Halten oder Haken nach sich zog – einhergehend mit einer Steigerung des Spieltempos. «Die Spieler sind kräftiger geworden. Zusammen mit dem schnelleren Tempo wurden die Checks gerade in der neutralen Zone härter», ergänzt SCB-Coach Larry Huras.

«Aufspringen ist Unsinn»

Standen vor rund zehn Jahren noch die Checks von hinten im Fokus – der Angriff des Davosers Kevin Miller auf ZSC-Stürmer Andrew McKim, der wegen der Folgeschäden seine Karriere beenden musste, dient diesbezüglich als Fallbeispiel – gründen die Verletzungen im heutigen Eishockey mehrheitlich auf Chargen auf offenem Eis (in der neutralen Zone) und Checks gegen den Kopf. In negativer Hinsicht im Trend liegen zudem Checks, bei denen der Spieler kurz vor dem Kontakt aufspringt. «Früher machten dies die eher kleinen Spieler. Aber nun auch die gross gewachsenen, was die Gefahr erhöht», erwähnt Bertolotti. Und auch Huras moniert: «Das Aufspringen beim Check erhöht die Verletzungsgefahr und ist ein Unsinn, den es zu bestrafen gilt.» Der SCB-Trainer stösst sich immer noch an jener Szene vom 17.November 2009, als Shawn Heins Verteidiger Roman Josi auf offenem Eis gecheckt hatte, was in einer Hirnerschütterung für den Berner, nicht aber in einer Sperre gegen Heins mündete. Huras erwähnt, man habe es damals verpasst, ein Exempel zu statuieren. «Wäre Heins bestraft worden, gäbe es jetzt wohl nicht so viele Hirnerschütterungen.» Für Schiedsrichterchef Bertolotti ist die Szene auch Monate später ein «Grenzfall in der Grauzone».

Verstärktes Augenmerk

Der Problematik rund um die IIHF-Regel Nummer 540 («Check gegen den Kopf und Nackenbereich») hat sich längst auch der Weltverband angenommen. Mit einer Videoeinspielung will die International Ice Hockey Federation zurzeit auf ihrer Homepage die Spieler für die Thematik sensibilisieren. Reto Bertolotti erwähnt die Selbstverantwortung der Akteure: «Entscheidend ist, dass unnötige, taktisch unbegründete Checks eliminiert werden.» Der 48-Jährige nennt als Beispiel etwa den Check Timo Helblings an Eric Blum vom vergangenen Samstag wenige Sekunden vor Spielende. Auch hinsichtlich der Ausrüstung, speziell bei den Helmen, bestünde Nachholbedarf. «Die Qualität lässt sich verbessern. Und der Helm sollte auch korrekt getragen werden – einige befestigen das Kinnband, als wäre es eine grosse Halskette.»

Für Huras steht im Zentrum, dass Aktionen gegen den Kopf der Spieler und das Aufspringen beim Check künftig «härter bestraft werden. Und die Schiedsrichter sollen nach einer klaren Linie pfeifen.» Im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Vancouver hat der Weltverband angekündigt, auf den Regelpassus Nummer 540 ein verstärktes Augenmerk zu richten – getreu den Worten des IIHF-Präsidenten René Fasel: «Einen sauberen Check gegen den Kopf gibt es nicht.»

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