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Fischen im Trüben

Wo steht die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft? Neun Vorbereitungspartien konnten diese Frage nicht klären. Erste Antworten werden übers Wochenende die Spiele gegen Slowenien (Samstag, 12.15 Uhr) und Norwegen (Sonntag, 20.15 Uhr) liefern.

Wohin des Wegs? Das Leistungsvermögen der Mannschaft von Coach Patrick Fischer ist äusserst schwierig einzuschätzen.
Wohin des Wegs? Das Leistungsvermögen der Mannschaft von Coach Patrick Fischer ist äusserst schwierig einzuschätzen.
Keystone

Es ist Mai, es ist Weltmeisterschaft – und die Schweiz will in den Viertelfinal. Erreicht sie die K.-o.-Runde, wird die WM in ­guter Erinnerung bleiben; bei einem Scheitern nach der Gruppenphase in schlechter. So weit, so simpel. Nationalcoach Patrick Fischer sagt: «Wenn wir unser Potenzial ausschöpfen, werden wir die Viertelfinals erreichen.»Selbstverständlich versprühen der Trainer und die Spieler vor dem Auftakt Zuversicht.

Und sollte diese Überzeugung noch nicht reichen, steht dem Nationalteam mit dem Sportpsychologen Saul Miller neuerdings ein Berater zur Seite, der fürs Positivdenken bekannt ist und bezahlt wird. Trotzdem: Da und dort ist auch Skepsis zu vernehmen, selbst aus dem Umfeld. Es handle sich um das nominell schwächste Schweizer WM-Kader seit 2010, ist etwa zu hören. Tatsächlich zählt mit Denis Malgin nur ein Spieler aus der NHL (Florida) zum Team; notabene ein Youngster, der seine erste WM bestreitet. Malgin ist einer von acht Schweizer Neulingen auf dieser Stufe.

«Schossen übers Ziel hinaus»

Zu was also ist diese Schweizer Nationalmannschaft in Paris fähig? Sicher erscheint vor dem Start gegen Aufsteiger Slowenien einzig, dass die Schweiz auf der Torhüterposition mit SCB-Meistergoalie Leonardo Genoni und Biels Jonas Hiller ausgezeichnet besetzt ist. Aber sonst? «Wir sind stabiler als im vergangenen Jahr», sagt Fischer. In Moskau agierten die Schweizer zu leichtsinnig, zu forsch und fernab von defensiver Stabilität – oder wie es Fischer formuliert: «Wir schossen übers Ziel hinaus.»

«Wenn wir unser Potenzial ausschöpfen, werden wir die Viertelfinals erreichen.»

Nationaltrainer Patrick Fischer

Deshalb wurde dem Trainer mit dem langjährigen schwedischen NHL-Verteidiger Tommy Albelin ein defensives Gewissen zur Seite ­gestellt. «Nun stehen wir hinten kompakter, nehmen weniger Risiko im Forechecking», sagt Fischer. Tatsächlich überzeugte die Auswahl während der Vorbereitung im April in der Abwehr – mit Ausnahmen. Es fehlte aber im Angriff an Durchschlagskraft – mit Ausnahmen. Die Absagen der NHL-Stürmer Nino Niederreiter, Sven Andrighetto und Sven Bärtschi könnten in Paris jedenfalls schwer wiegen. An der letzten WM waren Andrighetto (sieben Punkte) und Niederreiter (sechs) die besten Skorer. Fischer sagt: «Wir sind bereit.» Und er verspricht: «Der Einsatz wird immer stimmen.»

Immerhin ein wenig Klarheit

Defensiv verbessert, dafür offensiv schwächer? Die Unerfahrenheit als Nachteil oder die Un­beschwertheit als Vorteil? Wer Stand heute versucht, das Leistungsvermögen dieser Auswahl einzuschätzen, der fischt im Trüben. Die Partien vom Wochenende gegen Slowenien und Norwegen werden zumindest ein wenig Klarheit verschaffen – im Hinblick auf das Abschneiden der Schweiz an der WM, und im Hinblick auf Fischers Zukunft.

Der Vertrag des 41 Jahre alten Zugers endet zwar erst nach den Olympischen Winterspielen und der WM 2018. Doch ein neuerliches Verpassen der Viertelfinals würde die Position des gewieften Kommunikators arg schwächen. «Ich gebe mein Bestes. Aber was dabei herauskommt, weiss ich nicht», sagt Fischer. Er ist von seiner Mannschaft – der vermeintlich schwächsten seit 2010 – jedenfalls überzeugt. Vor sieben Jahren übrigens erreichte die Schweiz in Mannheim den Viertelfinal. Es war eine gute WM.

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