Fehlstart der Lakers wird zum Balanceakt

Der Tabellenletzte schiesst kaum Tore – und will doch bescheiden bleiben.

Der schlechte Saisonstart weckt Erinnerungen: Die Rapperswil-Jona Lakers sind abgeschlagen Letzter der National League.

Der schlechte Saisonstart weckt Erinnerungen: Die Rapperswil-Jona Lakers sind abgeschlagen Letzter der National League.

(Bild: Keystone Patrick B. Krämer)

Philipp Muschg@tagesanzeiger

Ein Fünftel der Qualifikation ist vorbei. Die eine Mannschaft hat 6 Punkte geholt und ein Torverhältnis von 26:38. Die andere hat 3 Punkte und 9:32 Tore. Die eine Mannschaft sind die Lakers der Abstiegssaison 2014/15. Die andere die Lakers der Gegenwart. Nein, so haben sie sich das nicht vorgestellt am Obersee mit der Rückkehr in die National League.

«Das kann man überhaupt nicht vergleichen», stellt Roger Maier klar. Als Sportkoordinator ist der 58-Jährige mit verantwortlich für das Team, das einen Saisonstart hingelegt hat, der böse Erinnerungen weckt und Zahlen des Grauens produziert.

Weniger als ein Tor pro Match, seit 130 Minuten und 39 Sekunden keines erzielt, in 24 von 30 Dritteln ohne Treffer. Kein Wunder, erhielten die Spieler nach dem torlosen Wochenende am Montag trainingsfrei. Kopf lüften war angesagt.

«Schon etwas betrüblich»

Auf der Geschäftsstelle wird trotzdem gearbeitet – und Ruhe demonstriert. «Sicher ist der Blick auf die Tabelle deprimierend», gibt Maier zu, «aber wenn wir zweimal gewinnen, sind wir wieder dabei.» Als Aufsteiger sei man vorgewarnt. Doch dass es gleich so schlecht wurde, sei schon «etwas betrüblich – ich hatte mit 6 bis 9 Punkten gerechnet bis jetzt».

Dass der Sportkoordinator den Vergleich mit der Abstiegssaison nicht gelten lässt, hat gute Gründe. Als neuer Nachwuchschef erlebte er damals aus der Mitteldistanz, wie die Lakers mit vier schwedischen Nationalspielern, einem Kanadier und grossen Farmteam-Plänen ins Desaster schlitterten. Nachdem die Verantwortlichen gehen mussten, schrieb sich der Club jene Bescheidenheit auf die Fahne, die Maier so gut verkörpert.

«Die zwei Kader kann man überhaupt nicht vergleichen», betont er, «weder von den Namen noch vom Budget. Das sind Riesendifferenzen.»

Die eine Differenz ist gegeben: Als im April der Aufstieg feststand, war der Transfermarkt leer. Die andere ist selbst gewählt. «Wir haben ein Budget, an das wir uns halten müssen», so Maier.

Spieler in die Pflicht nehmen

Dass es den Lakers ernst ist damit, mussten jüngst Agenten erfahren, die Ersatz für die verletzten Matt Gilroy und Casey Wellman anboten. Selbst wenn das bedeutete, über mehrere Spiele nur mit zwei Ausländern anzutreten. Das fiel umso mehr ins Gewicht, als mit Andri Spiller auch ein Schweizer Leistungsträger fehlt. Inzwischen wurde zwar der Tscheche Radek Smolenak verpflichtet. Doch Gilroy, Wellman und Spiller dürften alle erst nach der Nationalmannschaftspause im November wieder stürmen.

Auf die Verletzten will Maier die offensive Impotenz sowieso nicht schieben. Vielmehr müssten jene, die erstmals in wichtiger Rolle auf höchstem Niveau stürmen, sich an die engeren Räume und härteren Gegner bald gewöhnen, mehr den direkten Weg zum Tor suchen. Ausreden gebe es keine: «Da kann man die Spieler in die Pflicht nehmen, und das tun wir auch.»

So entwickelt sich die Rückkehr der Lakers zum Balanceakt. Einerseits wollen sie ihren Werten treu bleiben, andererseits brauchen sie ein Erfolgserlebnis. Nicht alle Fans sind so hingebungsvoll wie jene Delegation, die in Lugano auch nach dem sechsten Tor unbeirrt weitersang. Denn im Gegensatz zu Toren und Punkten gibt es beim Tabellenletzten auch Zahlen, die weiter sinken können: etwa 4049, der tiefste Zuschauerschnitt der Liga. Oder 66,38 Prozent, die schlechteste Stadionauslastung.

Video: Die Auftsiegsfeier in Rapperswil

Die Zeiten haben sich geändert: Vor einem halben Jahr konnte am Obersee noch gefeiert werden. (Video: Tamedia)

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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