Bei Bern läuft nichts und niemand

Fehlerhaft, nervös, verkrampft: Der SCB gibt zum Auftakt des Halbfinals daheim ein schlechtes Bild ab. Biel überläuft den Favoriten mit Leichtigkeit und gewinnt zu knapp 4:2.

Der SC Bern kassiert das 0:1: Biels Toni Rajala nützt den Fehler von Beat Gerber eiskalt aus. (Video: SRF)
Reto Kirchhofer@rek_81

Eine neue Playoff-Serie hat immer etwas Erfrischendes, Belebendes. Die Teams starten unbelastet. Das Spielchen «taktische Anpassung hier, Reaktion da» wird noch nicht in Gang gesetzt. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass sich die Mannschaften bereits im ersten Duell ineinander verkeilen. Und Nährboden für Privatduelle muss sowieso erst noch hergestellt werden.

Erfrischend, belebend – so spielte in der ersten Halbfinalpartie eine Equipe: jene aus Biel. Die Seeländer dominierten über weite Strecken. Sie siegten in Bern 4:2 und watschten den Favoriten aber sowas von heftig ab.

Für eine einseitige Begegnung braucht es immer zwei Seiten: Gestern waren das läuferisch starke, vife Bieler und verkrampfte, fehleranfällige Berner.

Eine Stärke des SCB ist, dass auf dem Eis meistens jeder weiss, was der Mitspieler macht. Nach fünf Minuten war «meistens» weit weg: Beat Gerber wollte in seinem 900. SCB-Spiel den Puck hinter dem eigenen Tor auf Andrew Ebbett zurücklegen. Vor Ebbett war Jarno Kärki am Puck, er passte auf Toni Rajala – 0:1. Bei der nächsten Aktion war Kärki in Überzahl der Vollstrecker – 0:2.

Bildstrecke: Bern unterliegt Biel 2:4

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Biel dominierte, Biel kreierte, Biel führte. Und Bern bekundete erst noch Glück: Etwa bei der Chance Dominik Diems nach dem Fehler Calle Anderssons. Oder beim nicht geahndeten Check von Ebbett in Diems Rücken.

Die verflixten Finnen

Vielleicht müssen an dieser Stelle die Worte Kari Jalonens nach dem Montagstraining zitiert werden. Der finnische SCB-Trainer hatte gesagt: «Gegen Genf gelang uns kaum einmal ein gutes erstes Drittel. Ich will, dass wir besser starten; dass wir von Beginn weg proaktiv sind.»

Der Wunsch war Vater des Gedankens. Im Mittelabschnitt kam als Erstes der Auftritt von Rajala. Der Finne pflegt in Bern regelmässig und sehenswert zu reüssieren: Letztes Jahr brillierte er mit einem einhändigen Backhand-Penalty, diese Saison gelang ihm in der Qualifikation gar ein Hattrick. Mit seinem Lausbubengesicht erinnert Rajala an Astrid Lindgrens bekannte Romanfigur Michel aus Lönneberga. Mit seinem Spielwitz bringt der Stürmer den SCB ähnlich ins Schwitzen wie Michel die Mitmenschen mit seinen Streichen. Gestern luchste Rajala dem Berner Verteidiger Eric Blum den Puck ab und vollendete den Konter mit einem prächtigen Hocheckschuss.

Rajala, Kärki, Rajala: Von diesen verflixten Finnen hatte Jalonen nach 22 Minuten genug gesehen. Der Berner Coach stimmte auf der Bank mit impulsiver Stimme den Weckruf an. Wer am frühen Morgen mit einem Weckton aus voller Lautstärke aus dem Schlaf gerissen wird, der weiss, wie sich das anfühlt. Doch am späten Dienstagabend verhallte Jalonens Versuch unter dem Hallendach. Also unternahm der Trainer den nächsten Anlauf, der da war: Time-out. Nochmals kam Rajala danach gefährlich zum Abschluss. Aber immerhin: Es sollte für ein Weilchen der letzte Nadelstich der Gäste sein.

Video: Bern verkürzt auf 2:3

Der zweite SCB-Treffer fällt im Powerplay: Thomas Rüfenacht lenkt die Scheibe unhaltbar ab. (Video: SRF)

Fortan erhielt auch der SCB endlich Zugriff auf die Partie. Er tat dies mit simplen Mitteln, brachte den Puck aufs Tor, sorgte vor Jonas Hiller für Präsenz, wurde belohnt: Tristan Scherwey und Thomas Rüfenacht waren nach Weitschüssen zur Stelle. Und so lag Bern nach zwei Dritteln mit einem Treffer in Rückstand, was gemessen an Spielanteilen und Chancen einem wahrhaft fürstlichen Ertrag gleichkam.

Die verflixte Heimschwäche

Bern war zurück im Spiel. Doch Hiller liess sich im letzten Drittel nicht bezwingen. Und wer für die missglückte Darbietung des Heimteams den passenden Schluss suchte, fand ihn im Fehlpass Mark Arcobellos, von welchem Damien Riat profitierte.

Somit hat der SCB in diesem Playoff drei von vier Heimspielen verloren. Was die Berner noch stärker beschäftigen muss: Die Bieler waren gestern gegen den Klassenbesten der Qualifikation eine Klasse besser.

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