«Es tut einfach nur weh»

Die Schweizer Spieler zeigten sich nach dem denkbar knappen Out gegen Kanada entsprechend enttäuscht.

Grosse Leere: Die Schweizer nach der Niederlage gegen Kanda.

Grosse Leere: Die Schweizer nach der Niederlage gegen Kanda.

(Bild: Martin Divisek)

Bis 0,4 Sekunden vor Schluss sah es nach dem Coup gegen Kanada und dem Halbfinaleinzug aus – dann gelang den Nordamerikanern der 2:2-Ausgleich in extremis und später in der Overtime der 3:2-Siegtreffer. Aus Schweizer Sicht fühlte sich dieses Aus bizarr an, die Spieler wähnten sich wie im falschen Film – auch Captain Raphael Diaz: «Es kommt mir vor wie bei ‹Versteckte Kamera!›»

Ja, was blieb dem Verteidiger auch übrig, als sich in Galgenhumor zu versuchen. Es war für Diaz, und wohl auch für die meisten seiner Schweizer Teamkollegen, nichts anderes als das: «Die bitterste Niederlage, die ich je erlebt habe.» 0,4 Sekunden, so wenig fehlte, das war auch für Diaz kaum zu fassen: «Ein paar Zehntelsekunden, das ist wie beim Skifahren. Leider sprachen diese 0,4 Sekunden gegen uns. Das tut einfach nur weh.»

Severson: «Einfach nur crazy!»

0,4 Sekunden – das sei einfach nur «Crazy!», anders lasse sich das nicht beschreiben. Das sagte Damon Severson, der Schütze dieses für die Schweiz fatalen späten Tores. Auch für Nico Hischiers Teamkollegen bei New Jersey galt: «So etwas erlebst du nicht oft.»

Severson lobte auch die Schweiz: «Sie spielten eine grosse Partie. Sie hatten Chancen, wir hatten Chancen, es hätten beide weiterkommen können. Wir sind froh, dass uns der letzte Treffer gelang.»

«Da kannst du noch lange reden …»

Eine grosse Partie der Schweiz – da widersprach auch bei Patrick Fischers Team keiner. Es sei das perfekte Spiel gewesen, das gegen einen in der offensive talentierteren Gegner gebraucht habe, sagt SCB-Stürmer Simon Moser. «Es war extrem gut, wir haben ihnen nicht viel Raum gegeben, blieben unserem System treu, machten fast alles richtig», sagte Diaz.

Doch dem Captain war auch klar: «Auch wenn wir ein Turnier mit offensiv guten Leistungen zeigten, bewiesen, dass wir im Gegensatz zu früher nun mitspielen können und nicht nur hinten hineinstehen: Wenn du auf diese Art und Weise verlierst, dann kannst du noch lange reden …» Und darum konnte auch Moser bloss dieses Kurz-Fazit ziehen: «Wir spielten ein gutes Turnier. Im Moment herrscht aber bloss eine grosse Leere.»

Mosers «Pyrrhus-Block»

Für Moser war der späte Ausgleich besonders bitter. Er hatte mit einem mutigen Block dafür gesorgt, dass Seversons erster Schuss nicht aufs Schweizer Tor flog. Moser blieb nur Konsternation und die Feststellung: «Der Puck hätte danach irgendwohin prallen können, leider sprang er dem Gegner wieder genau auf den Stock.» Severson schoss nochmals – der Rest ist bekannt.

Weitere Stimmen der Schweizer:

Andres Ambühl: «Es ist schon sehr bitter, es hat so wenig Zeit gefehlt, um auf der lachenden Seite zu sein. Und jetzt bist du auf der anderen Seite. Auf der Bank war uns nach dem 2:2 der Kanadier zunächst nicht klar, was passiert. Wir haben uns einfach gesagt, dass wir, egal was passiert, dran bleiben. Wir kamen dann auch gut in die Verlängerung hinein und waren bereit. Jetzt sind wir im Viertelfinal ausgeschieden. Das ist nicht das, was wir wollten. Eine richtige Bilanz wird man wohl erst nach ein oder zwei Tagen ziehen können. Defensiv arbeiteten wir gegen Kanada mit allen vier Linien gut, das Powerplay funktionierte auch. Unser Spiel war sicher nicht schlecht, aber vielleicht hätten wir ein Tor mehr schiessen sollen.»

Roman Josi: «Ich bin stolz auf die Mannschaft, wir sind immer unseren Weg gegangen. Ganz zum Schluss hat es halt nicht gereicht. Wir haben natürlich gehofft, dass die Zeit schon abgelaufen war, aber dies war nicht der Fall.»

Leonardo Genoni: «Es ist natürlich ein bitterer Zeitpunkt, um noch das Ausgleichstor zu bekommen. Schade, konnten wir es nicht durchsetzen. Wir hatten ein sehr gutes Spiel gezeigt und konnten genau das umsetzen, was wir uns vorgenommen haben. Wir konnten uns im Schlussdrittel sehr lange sehr gut wehren. Es wäre fast aufgegangen. Trotzdem sind wir in der Verlängerung nochmals aufgestanden. Beim 2:2 blockt Simon Moser den ersten Schuss sehr gut, der zweite kommt durch und rutscht mir irgendwie unter dem Arm durch. An dieser WM gab es Lichtblicke und Schatten. Wir müssen jetzt auch nicht alles dem Pech zuschreiben, es ist nicht so, dass wir immer die beste Leistung gezeigt haben.»

red

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