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Kein Feldspieler der Liga hat so viel Einfluss wie er

Spieler des Monats: Henrik Tömmernes ist sowas wie ein Beckenbauer des Eishockeys. Und er ist Servettes Lenker und Denker an der blauen Linie.

Roland Jauch
Führt ihn der Schweizer Höhenflug auch an die WM mit Schweden? Servettes Henrik Tömmernes im Torjubel.
Führt ihn der Schweizer Höhenflug auch an die WM mit Schweden? Servettes Henrik Tömmernes im Torjubel.
Keystone

Das Feuerwerk von Henrik Tömmernes zum Start des Eishockeyjahrs 2020 war aussergewöhnlich. Genf-Servette siegte am 3. Januar in Zug 5:1, der 29-jährige Schwede erzielte das 2:1, das 3:1 und das 5:1. Hattricks sind im Eishockey alles andere als alltäglich, von Verteidigern ohnehin. «Das war erst mein zweiter bei den Profis», sagt Tömmernes. Den ersten hatte er mit den Frölunda Indians aus Göteborg in der Champions League bewerkstelligt.

Das 5:1 in Zug war ein Zeichen der Genfer, dass sich das Team nicht damit begnügt, die Überraschungsmannschaft des Herbsts zu sein. «Unsere Chancen stehen gut, dass wir am Ende der Qualifikation unter den besten vier Teams klassiert sind. Darauf arbeiten wir hin», erklärt Tömmernes. Anfang Februar liegen die Genfer auf Rang 3, nur einen Punkt hinter den ZSC Lions.

Servettes bester Verteidiger steht in einer Statistik sogar ganz oben: Kein Spieler hat in der National League mehr Eiszeit und damit mehr Einfluss auf das Wohlergehen. Im Schnitt absolviert er pro Match 34 Einsätze oder 25:33 Minuten. Das sind über zwei Minuten mehr als der Zweitbeste, der Davoser Magnus Nygren.

Besser als alle Stürmer

Wegen einer Verletzung im Herbst spielte Tömmernes bisher nur 32 von 43 Partien, mit 9Toren und 14 Assists ist er dennoch auf gutem Weg, seinen bisher besten Wert in der Schweiz (28 Punkte in der Saison 2017/18) zu übertreffen. Die Spielzeit, der man ein «unglaublich» als Attribut verleihen könnte, hatte er ein Jahr zuvor. Mit seinen 39 Punkten (8 Tore) war er achtbester Skorer der schwedischen Liga. Das tönt im ersten Moment nicht ausserordentlich. Aber: Der Verteidiger war bester Skorer von Frölunda. Vor allen Stürmern.

«Mittlerweile habe ich natürlich schon einige Tricks, von denen ich weiss, dass siefunktionieren.»

Auf die drittbeste Marke im Team kam damals der heutige Rapperswiler Casey Wellman. Der Klotener Flügel Robin Figren sammelte 21 Punkte. «Was dieser Tömmernes aufführte», erinnert er sich und schüttelt den Kopf. «Er ist defensiv ein sehr zuverlässiger Verteidiger. Doch seine Stärke liegt im gegnerischen Drittel.» Die Präzision, das Timing der Pässe sei ausserordentlich. «Vor allem im Powerplay.»

Tömmernes sei eigentlich ein Beckenbauer des Eishockeys, macht Figren seinem Landsmann Komplimente. Und vergisst beinahe, eine weitere Qualität von ihm zu erwähnen: das Penaltyschiessen. Wenn der Verteidiger anläuft, dann gibts für die Goalies fast immer nichts zu halten. Er sagt: «Das mit den Penaltys ist so eine Sache. Speziell trainiere ich die nicht. Du läufst an, triffst bei den ersten Versuchen, das Selbstvertrauen wächst. Und mittlerweile habe ich natürlich schon einige Tricks, von denen ich weiss, dass sie funktionieren.»

Noch keine WM gespielt

Der Verteidiger wuchs in Karlstad auf, wo mit dem Färjestads BK ein Traditionsverein beheimatet ist. Wer einen Skandal wittert, weil Tömmernes noch im Juniorenalter zum Rivalen Frölunda nach Göteborg wechselte, liegt falsch. «Färjestad hatte damals keine Mannschaft bei den U-20-Junioren», nennt der Spieler einen praktischen Grund. 2011/12 hiess einer seiner Partner in Göteborg Patrick von Gunten. Vom Klotener Verteidiger bekam er mit, dass ein guter Läufer sein muss, wer in die Schweiz will.

In dieser Saison hat sich mit dem Trainerwechsel von Chris McSorley zu Patrick Emond für Tömmernes in Genf einiges geändert. «Ich habe im Spiel nach vorne viel mehr Freiheiten.» Das kommt ihm entgegen. Deutlich mehr als die französische Sprache. Dennoch fühlt er sich mit seiner Frau und seiner Tochter wohl. «Ich könnte mir sehr gut vorstellen, meinen Vertrag nochmals zu verlängern.» Der gilt vorläufig bis 2021.

Neben einem möglichst langen Playoff mit Genf hat Tömmernes noch ein anderes grosses Ziel. «Ich will endlich an einer WM spielen.» Am liebsten die im Mai 2020 in der Schweiz. Vor Weihnachten war er mit Schweden am Turnier in Moskau, ab Donnerstag ist er bei den Sweden Hockey Games in Stockholm dabei. Und Schweden würde seine Gruppenspiele erst noch in Lausanne austragen. Ob er dabei ist, erfährt der Verteidiger erst spät.

Deutschland auf jeden Fall hätte früher nie auf einen fitten Beckenbauer verzichtet.

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