Ein «Playmaker» für den SCB

Der SC Bern hat auf dem Transfermarkt erneut zugeschlagen. Mit dem Kanadier Derek Roy wechselt ein hochbegabter Center mit grosser NHL-Erfahrung zum SCB.

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Adrian Ruch

Sven Leuenberger, Sportchef des SC Bern, hat intensive Tage und Nächte hinter sich. Doch der Einsatz hat sich gelohnt, der ehemalige Verteidiger innert einer guten Woche drei starke Spieler verpflichtet.

Nachdem er mit dem in dieser Saison noch in Davos engagierten Leonardo Genoni einen helvetischen Topgoalie mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet hatte, reagierte Leuenberger zügig auf die Verletzungen zweier Ausländer: Nach dem finnischen Powerflügel Sean Bergenheim lockte er auch noch den kanadischen Center Derek Roy nach Bern.

Der 32-Jährige verfügt über einen grossen Leistungsausweis: Er hat in der NHL 787 Partien absolviert, 196 Tore geschossen sowie 355 Treffer vorbereitet und an zwei Weltmeisterschaften das Ahornblatt auf der Brust getragen.

Lüthi lobt per Twitter

Von seinem Chef wurde Leuenberger sogar öffentlich gelobt. «Good job, Sven», twitterte CEO?Marc Lüthi gestern. Zu sportlichen Belangen äussert sich Lüthi nicht. Aber auf die Frage nach den finanziellen Konsequenzen der Einkaufstour sagte der SCB-Boss halb scherzhaft, halb im Ernst: «Wir müssen immer an die Schmerzgrenze gehen.» Dann fügte er an: «Wir können uns schlicht nicht leisten, meistens nur mit drei Ausländern anzutreten.»

Dass Andrew Ebbett nach seiner Knieoperation mindestens drei Monate ausfallen wird, ist bekannt. Und Chuck Kobasew leidet nach wie vor an Kopfweh; aufgrund der Erfahrungen aus dem letzten Winter ist zu befürchten, dass der Kanadier nicht so bald wieder einsatzfähig ist.

Die Rolle der Versicherung

Sollte Kobasew unerwartet rasch genesen, hat Coach Guy Boucher künftig die Qual der Wahl. Wenn Kobasew länger pausieren muss, sinken für den SCB die Kosten. Denn bei Langzeitverletzten übernimmt die Versicherung 80 Prozent des Lohns. Nur so ist es möglich, dass während der Saison ein Spieler vom Kaliber eines Roy angestellt werden kann.

Roy hat gemäss der Internetseite capgeek.com in seiner NHL-Karriere fast 30 Millionen Franken verdient. Letzte Saison hatte er für Nashville, wo Roman Josi engagiert ist, sowie Edmonton gespielt.

Zuletzt versuchte er, sich bei Washington aufzudrängen. Obwohl er im Vorbereitungscamp überzeugt hatte, erhielt er keinen Vertrag. Der 32-Jährige ist ein nur 1,75 Meter grosser Künstler mit viel Übersicht – oder ein «Playmaker», wie ihn Leuenberger bezeichnet.

In der NHL gibt es pro Team nur Platz für zwei Center mit derartiger Spielanlage, in den vorwiegend defensiv ausgerichteten Sturmlinien drei und vier käme er nicht richtig zur Geltung. So ist erklärbar, dass ein Akteur von dieser Qualität in der weltbesten Liga durch die Maschen fällt.

Dass er zum SCB wechselt, ist dennoch keine Selbstverständlichkeit. Denn finanziell potentere Klubs aus der russischen KHL und renommierte Vereine aus Skandinavien sind an derartigen Spielern auch interessiert. Leuenberger erzählt, er habe Roy in diversen Telefongesprächen den SCB auch durch weiche Faktoren schmackhaft gemacht.

«Ich habe vom hohen Lebensstandard in der Schweiz geschwärmt und ihm gesagt, dass es in Schweden schon um 15 Uhr dunkel wird.» Zudem machte auch der mit Roy befreundete ehemalige SCB-Verteidiger Marc-André Gragniani Werbung für Bern.

Sechs ausländische Stürmer

Der SCB hat die verletzten Ebbett und Kobasew durch einen Center und einen Flügel ersetzt, also an der Ausrichtung festgehalten. Mittlerweile hat er sechs ausländische Stürmer unter Vertrag. Der Wille, nicht nur erfolgreich, sondern auch offensiv und attraktiv zu agieren, ist erkennbar.

Derek Roy ist nicht mehr ganz so schnell wie noch vor ein paar Jahren, doch er dürfte in der NLA für den einen oder anderen Leckerbissen sorgen, immerhin hat er jahrelang das Powerplay der Buffalo Sabres orchestriert. Wenn die Lizenz rechtzeitig eintrifft, debütiert er am Dienstag im Heimspiel gegen Servette für den SCB.

Berner Zeitung

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