Ein Mann für alle Fälle

Der SC Bern tritt am Dienstag (19.45 Uhr) in Ambri an. Spiele in der Valascia sind für die Mutzen oft mit Spektakel verbunden – das weiss Chuck Kobasew nur zu gut.

Chuck Kobasew sucht stets den direkten Weg vor das gegnerische Tor. In drei Spielen hat der Kanadier bereits drei Tore erzielt.

Chuck Kobasew sucht stets den direkten Weg vor das gegnerische Tor. In drei Spielen hat der Kanadier bereits drei Tore erzielt.

(Bild: Andreas Blatter)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Die Ambri-Fans intonierten längst «La Montanara», die Zeit lief in diesem ersten Spiel der letzten Saison ab, der Sieg schien den Leventinern gewiss. Doch dann schlug Chuck Kobasew zu.

Nach einem Schuss Byron Ritchies stocherte der Kanadier nach, die Scheibe kullerte über die Linie, die Uhr blieb bei 59:59 stehen, und es stand 3:3. Letztlich wurde der SCB für seine Aufholjagd nicht belohnt, er verlor im Penaltyschiessen, weil Kobasew mit seinem letzten Versuch scheiterte.

«In Ambri zu spielen, ist immer hart», hält der Stürmer fest, «die Fans dort sind laut, das gibt dem Team Energie.» Kobasew – auf dem Eis einer der Berner Aggressivleader, die den gegnerischen Slot nicht scheuen – ist kein Mann der grossen Worte. Dem heutigen Gastspiel in Ambri ordnet er keine spezielle Komponente bei. «Mich interessiert nur, dem Team zu helfen, damit wir gewinnen.»

Dabei hat sich für Kobasew in Ambri noch eine zweite, weit einschneidendere Episode abgespielt. Am 21.November 2014 – es war wieder eine turbulente Partie, der SCB wendete im letzten Drittel einen 0:2-Rückstand in einen 4:2-Sieg – spielte er für einige Zeit zum letzten Mal. Eine Hirnerschütterung – nicht die erste in seiner Karriere – setzte ihn für drei Monate ausser Gefecht.

Die ersten vier Wochen nach beschriebener Partie konnte Kobasew nur in der Dunkelheit verbringen, weil ihm Tageslicht Kopfschmerzen bereitete. «Es war extrem hart», sagt er. Mittlerweile denke er jedoch nicht mehr über diese Zeit nach.

Zuspruch für Ebbett

Kobasew stellt beim SC Bern gewissermassen eine Konstante dar. Vom Ausländerquartett ist er der Einzige, welcher bereits letzte Saison hier gespielt hatte. Das zahlte sich für den Klub im Sommer aus, denn der 33-Jährige war massgeblich am Wechsel Andrew Ebbetts in die Hauptstadt beteiligt. «Ich habe ihm gesagt, dass das Schweizer Eishockey auf seine Qualitäten zugeschnitten ist, schliesslich ist er ein grossartiger Spielmacher», erklärt Kobasew.

Er und Ebbett spielten bereits bei Minnesota und Pittsburgh in der NHL und Wilkes-Barre in der AHL zusammen. «Ich habe mich sehr gefreut, als er in Bern unterschrieben hat», betont Kobasew.

Guy Boucher hat die beiden nun gemeinsam mit Pascal Berger in eine Sturmreihe beordert – mit Erfolg: Kobasew hat in drei Spielen drei Tore und ein Assist erzielt, Ebbett (1 Tor/3 Assists) und Berger (2 Tore/3 Assists) stehen ihm in nichts nach. «Ebbett bringt ein neues Element in unser Team», hält Kobasew fest. «Er weiss, was ich auf dem Eis tue, und ich weiss, was er tut. Nun müssen wir das Zusammenspiel allerdings noch verfeinern.»

Ansprechperson Nummer eins

Derzeit ist Kobasew ein gefragter Mann beim SCB, und das nicht nur auf dem Eisfeld. Denn Trevor Smith, Cory Conacher und Ebbett müssen sich in der Schweiz noch zurechtfinden. «Ich weiss noch, wie ich mich fühlte letztes Jahr. Es war alles neu, ich hatte ja zuvor noch nie in Europa gespielt», erzählt er. «Die ersten Monate waren wirklich schwierig.» Deshalb ist er derzeit bei seinen kanadischen Mitspielern für allerlei Fragen des Alltages Ansprechperson Nummer eins. Oder um es mit Kobasews Worten zu sagen: «Ich versuche ihnen diesen Wechsel, so gut es geht, zu erleichtern.»

Die Harmonie scheint sich auszuzahlen: In den ersten drei Spielen gegen die ZSC Lions, Langnau und Biel überzeugte der SCB. Kobasew verweist auf den strengen Spielplan, die Berner absolvierten drei Spiele in vier Tagen. «Unter diesen Umständen verlief der Start gut, aber wir können es sicher noch besser.» Möglicherweise liefern die Mutzen heute in der Valascia den Beweis dafür. Sicher jedoch scheint angesichts der jüngeren Vergangenheit nur eines: Langeweile dürfte keine aufkommen.

Berner Zeitung

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