Ein Flügel, der ins System passt

Der SC Bern hat aufgrund des personellen Engpasses Sean Bergenheim verpflichtet. Der Finne ist zwar kein Center, aber ein bestandener NHL-Profi, der schon unter SCB-Cheftrainer Guy Boucher gespielt hat.

108 Tore in der NHL: In dieser Szene bezwingt Sean Bergenheim Jonas Hiller, Schweizer Goalie in Diensten der Calgary Flames.

108 Tore in der NHL: In dieser Szene bezwingt Sean Bergenheim Jonas Hiller, Schweizer Goalie in Diensten der Calgary Flames.

(Bild: Keystone)

Adrian Ruch

Sportchef Sven Leuenberger ist auf dem Transfermarkt doch noch fündig geworden. Der SC Bern gab am Mittwochabend die Verpflichtung Sean Bergenheims bekannt. Der Vertrag ist bis Ende Saison gültig, wobei der Verein die Option hat, den 31-jährigen Finnen zwei weitere Jahre an sich zu binden.

Bergenheim hat eine Ausstiegsklausel für die NHL, kann aber nicht innerhalb Europas den Klub wechseln, wenn der SCB ihn behalten will.

Keinen Center gefunden

Leuenberger war gezwungen zu handeln, weil Andrew Ebbett wegen einer Knieverletzung mindestens bis zum Jahresende ausfällt und Chuck Kobasew aufgrund einer Hirnerschütterung pausieren muss. Leuenberger hätte als Ersatz für Ebbett gern einen Center verpflichtet, «doch die Auswahl war zu wenig gross», sagt er. Bergenheim ist Flügel, hat aber diverse Vorzüge. So hat er schon unter Coach Guy Boucher gespielt, und zwar in der Saison 2010/2011 bei Tampa Bay Lightning.

Von der Spielanlage her passt er hervorragend in Bouchers System, der die Bedeutung der sogenannt «dreckigen Tore» (Abpraller und Ablenker) betont und von seinen Akteuren verlangt, wenn immer möglich vor dem Gegenspieler die Scheibe zu erreichen. In nordamerikanischen Medien wird Bergenheim als schneller, hart arbeitender Zweiwegstürmer beschrieben, der sich vor dem gegnerischen Tor zu behaupten weiss.

532 Spiele in der NHL

Der 1,78 Meter grosse Skandinavier verfügt über grosse Erfahrung in der weltbesten Eishockeyliga. Er hat für die New York Islanders, die ihn 2002 in der ersten Runde gedraftet hatten, Tampa Bay Lightning, die Florida Panthers und Minnesota Wild in der National Hockey League insgesamt 532 Partien bestritten.

Er gilt nicht als Skorer, hat aber immerhin für 108 Tore sowie 89 Assists gesorgt. «Er hat in der NHL eine gewisse Konstanz erreicht», meint Leuenberger und verweist auf die Statistiken. Seit 2007 hat Bergenheim pro Saison stets mindestens 19 Skorerpunkte gebucht (in der Lockout-Saison 2012/2013 war er verletzt).

Leuenberger erkundigte sich in Nordamerika bei diversen Kennern, und diese äusserten sich positiv über Bergenheim. Zu den Informanten gehörte auch der Bündner Nino Niederreiter, der in der Endphase der letzten Spielzeit Teamkollege des Finnen gewesen war.

Ein Opfer der Währungskrise

Aufgrund seiner Qualitäten erstaunt es ein wenig, dass Bergenheim, vom Profil her ein wertvoller Drittlinienstürmer, keinen Job in der NHL gefunden hat. Sein Pech war, dass aufgrund der Schwäche des kanadischen Dollars der «Salary Cap», die Lohnobergrenze für die gesamte Mannschaft, vor der laufenden NHL-Meisterschaft nur geringfügig anstieg. Vielen Teammanagern fehlt daher der finanzielle Spielraum, was besonders erfahrene und entsprechend teure Akteure zu spüren bekommen.

Der 31-Jährige aus Helsinki wird heute in Bern erwartet. Er trainierte im August gemeinsam mit finnischen NHL-Profis und zuletzt mit anderen vertragslosen Spielern. Er ist fit, verfügt aber über keine Wettkampfpraxis.

Daher sagt SCB-Sportchef Leuenberger im Hinblick auf die Partien vom Freitag und Samstag: «Gegen Lugano und Servette kann man von Bergenheim noch keine Wunder erwarten.» Mittelfristig dürfte der dreifache WM-Medaillengewinner für den SCB aber eine Verstärkung darstellen.

Berner Zeitung

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