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Ein Drahtseilakt für Del Curto

Der neue ZSC-Trainer hat viel vor mit seinem Team. Doch ein Stilwechsel mitten in der Saison und mitten im Strichkampf hat seine Tücken.

Arno Del Curto macht sich Gedanken zum Spielstil: Nach der 2:7-Niederlage der Lions gegen Gottéron ist der neue ZSC-Coach dazu gezwungen.
Arno Del Curto macht sich Gedanken zum Spielstil: Nach der 2:7-Niederlage der Lions gegen Gottéron ist der neue ZSC-Coach dazu gezwungen.
Freshfocus/Pascal Müller

Das 2:7 in Freiburg war eine Ohrfeige für die «neuen» ZSC Lions unter Arno Del Curto. Gegen einen Gegner wohlgemerkt, der sich zuvor schwergetan hatte, vor allem zu Hause. An einem Abend schoss Gottéron mehr Tore als in den vorausgegangenen fünf Heimspielen zusammen. Wie zaghaft die Zürcher verteidigten, wie leicht sie auszuspielen waren, das war schon erstaunlich. Und in der Offensive fehlte jeglicher Zug aufs Tor. Das Team gab zum Einstand von Mathias Seger als Assistent ein miserables Bild ab.

Mathias Seger kehrt als Assistent von Trainer Arno Del Curto aufs Eis zurück.
Mathias Seger kehrt als Assistent von Trainer Arno Del Curto aufs Eis zurück.
Gabriele Putzu, Keystone
Seger absolvierte für die ZSC Lions in 19 Saisons 1026 Spiele und trat 2018 vom Spitzensport zurück.
Seger absolvierte für die ZSC Lions in 19 Saisons 1026 Spiele und trat 2018 vom Spitzensport zurück.
Walter Bieri, Keystone
Mit der Schweizer Nationalmannschaft gewann Seger (m.) 2013 WM-Silber.
Mit der Schweizer Nationalmannschaft gewann Seger (m.) 2013 WM-Silber.
AP Photo/Anja Niedringhaus
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Ist der Effekt des Trainerwechsels also schon verpufft? Nein, er hat noch gar nicht richtig eingesetzt. Wenn ein neuer Coach kommt, sorgt das für Dynamik. Die Spieler wollen sich ihrem neuen Chef von ihrer besten Seite zeigen. Doch die Vorstellung, er könne auf Knopfdruck alles verbessern, ist naiv.

Es genügt ein Blick auf die letzten beiden Nothelfer, die ihre Teams zu Meisterehren führten. Sowohl Lars Leuenberger beim SCB (2015/16) wie auch Hans Kossmann bei den ZSC Lions 2018 hatten einen schwierigen Start, verloren sechs der ersten neun Partien. Es dauert seine Zeit, bis sich ihre Ideen umsetzen liessen und griffen.

Das Gegenteil Aubins

Das Problem ist nur: Zeit haben die ZSC Lions nicht. Sie sind mitten im Strichkampf, haben nur drei Punkte Vorsprung auf Rang 9. Und würden sie das Playoff verpassen, alle gut gemeinten Absichten wären zwecklos. Von seiner ursprünglichen Idee, nicht allzu viel zu verändern, ist Del Curto schnell abgekommen. Seine Philosophie ist ziemlich das Gegenteil von jener seines Vorgängers Serge Aubin, dem ein kontrolliertes Spiel vorschwebte. Mit dem Resultat, dass der ZSC unter Aubin defensiv recht solid war, aber im Angriff viel zu berechenbar.

Del Curto fordert ein aktives Eishockey, mit konsequentem Forechecking, schnellen Angriffsauslösungen, mit Tempo und Intensität. Er habe anfangs nicht so viel umstellen wollen, sagte er. Aber es seien immer mehr Dinge dazugekommen. Deshalb hat er mit Seger auch einen zusätzlichen Assistenten beigezogen.

Ein so umfassender Wandel geschieht nicht von heute auf morgen. Fragt sich nur, wie lernfähig seine Spieler sind. Und wie gut sie mit ihren neuen Freiheiten umgehen können. Am Dienstag wirkten sie orientierungslos.

Es braucht Mut und Freude

Es ist ein Drahtseilakt, mitten in der Saison den Spielstil zu ändern. Dass Del Curto keine halben Sachen machen will, spricht für ihn. Am Samstag beim Heimsieg über die SCL Tigers (4:1) waren gute Ansätze auszumachen, wagten die ZSC Lions wieder einmal etwas und strahlten Freude aus. Nichts wäre falscher, als zur verzagten Spielweise von vorher zurückzukehren. Doch auch Del Curto braucht Siege. Nicht nur, um sein Team in den Playoff-Rängen zu halten. Sondern auch, damit bei den Spielern der Glaube an den neuen Weg gestärkt wird.

Und es gibt Probleme, die kann auch Del Curto nicht lösen. Es fehlt nach wie vor ein erster Center. Moore scheint auch nicht die Lösung zu sein. Cervenkas Rückkehr täte not – dieser Tage gibt es beim Tschechen weitere gesundheitliche Abklärungen. Und für die ZSC Lions wird es nicht einfacher: Am Freitag ist Leader EVZ zu Gast im Hallenstadion, am Samstag spielen sie in Ambri, wo die Euphorie so gross ist wie seit Jahren nicht mehr. Es sind spannende Zeiten beim Meister.

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