EHC Biel: Zuerst top, dann flop – und jetzt?

Die Bieler haben in der Qualifikation zwei Gesichter gezeigt. Gleichwohl sind sie im Viertelfinal gegen Ambri Favorit.

<b>Wohin führt der Weg</b> von Antti Törmänen und Biel?

Wohin führt der Weg von Antti Törmänen und Biel?

(Bild: Keystone)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Nüchtern betrachtet lässt sich Folgendes festhalten: Der EHC Biel hat sein Ziel übertroffen! In den Top 6 wollten sich die Seeländer einreihen. So formulierten sie es im Herbst, was zumindest einer kleinen Überraschung gleichkam – hatten sie sich zuvor bezüglich Zielsetzung doch jeweils zurückhaltend gezeigt.

Nun stehen die Seeländer nach 50 Qualifikationsrunden auf Rang 4, und Martin Steinegger sagt: «Wir haben diesen Platz mit teilweise begeisterndem Eishockey erreicht, deshalb könnte man vielleicht sogar ein bisschen mehr als zufrieden sein.» Doch sofort lässt der Bieler Sportchef dieser Aussage ein Aber folgen. Und dieses Aber lässt sich statistisch belegen.

Bis Ende November führte der EHC Biel die Tabelle an; er überforderte die Gegner teilweise mit schnellem Offensiveishockey. Doch dann liessen die Bieler zuerst ein bisschen und dann stark nach. Wer eine Tabelle ab dem 1. Januar bis Qualifikationsende erstellt, erhält überraschende Einsichten: Zehn Siege holte Biel im neuen Jahr in 22 Spielen – nur die designierten Playout-Final-Teilnehmer Davos und Rapperswil-Jona waren noch schwächer.

Die erste Baisse gegen Ende Jahr erklärt sich Steinegger mit den diversen auslaufenden Verträgen, die zu Unruhe in der Garderobe geführt hätten. Dass sich die Bieler nach Lichtblicken im Januar schon im Februar wieder schwertaten, macht ihn indes ratlos. Dafür betont Abwehrpatron Beat Forster die Wichtigkeit dieser Höhen und Tiefen. «Gerade in schwierigen Zeiten lernt eine Mannschaft viel und kann reifen, indem sie einen Weg da raus findet», sagt er.

Die Erfahrung als Vorteil

Etwas polemisch könnte man festhalten, der starke Saisonstart sei für Biel mehr als die halbe Miete gewesen. Wobei Antti Törmänen damit nicht einverstanden ist. «Liegst du am Anfang ein bisschen zurück, begibst du dich früher in den Playoff-Modus, holst so wichtige Punkte. Letztlich geht es darum, wie viele du nach 50 Runden hast», sagt der Coach.

Und überhaupt müsse man das Ganze in eine Relation setzen. «Vierter in der Qualifikation zu werden und so Heimvorteil im Playoff zu haben, das ist für diesen Club nichts Gewöhnliches.» Damit hat der Finne zweifellos recht. Unter ihm erreichte der EHC Biel vor Jahresfrist Rang 3, es handelte sich um die beste Klassierung seit 28 Jahren.

«Vierter in der Qualifikation zu werden und so Heimvorteil im Playoff zu haben, das ist für diesen Club nichts Gewöhnliches.»Antti Törmänen

In den letzten Jahren aber hat sich der Club dank Budgeterhöhungen und Toptransfers in die Mittelklasse der Liga hervorgearbeitet. Entsprechend sind die Bieler im heute beginnenden Viertelfinal gegen Ambri-Piotta Favorit – auch wenn die beiden Teams die Qualifikation punktgleich abschlossen, Biel nur wegen der besseren Bilanz in den Direktduellen (4:0 Siege) vor den Leventinern platziert ist.

Gleichwohl will im Seeland niemand das Wort Favorit in den Mund nehmen. Die Bieler werden nicht müde, des Gegners Stärken und die vom ersten Block um Ligatopskorer Dominik Kubalik ausgehende Gefahr hervorzustreichen.

Und doch gibt es einen entscheidenden Vorteil, der für sie spricht: Die Playoff-Erfahrung. Der EHCB hat sich nun zum dritten Mal de suite für das Meisterrennen qualifiziert, derweil Ambri-Piotta erstmals seit 2014 wieder um den Titel spielt. Im Vorjahr hatte Biel sogar an die Finaltür geklopft. 2:0 führte es im Halbfinal, 3:0 im zweiten Heimspiel – ehe Lugano erst die Partie und dann die Serie wendete.

«Uns lief es bis zu diesem Zeitpunkt super, zuerst mit Steinegger und dann mit Törmänen an der Bande ging es stets bergauf», sagt Forster. «Dann kam von Lugano Gegenwehr, und wir fanden keine Mittel, darauf zu reagieren.» Diesbezüglich dürfte das Team wegen der turbulenten Qualifikation einen Schritt weiter sein.

Berner Zeitung

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