«Nie mehr ohne Ausstiegsklausel»

Der Verwaltungsrat des EHC Biel hat entschieden, Kevin Schläpfer nicht aus seinem Vertrag zu entlassen. Der Trainer hatte ein Angebot von der Nationalmannschaft erhalten.

Kevin Schläpfer während der Pressekonferenz am Donnerstagmittag in der Tissot Arena zur Ausstiegsklausel und der Herausforderung Nationalmannschaft. Video: Martin Bürki
Martin Bürki@tinubuerki27

Noch vor der Saison habe Kevin Schläpfer mit der Vereinsführung des EHC Biel Witze darüber gemacht, eine Ausstiegsklausel im Vertrag festzulegen. «Der Verein hat mir das angeboten, ich habe abgelehnt, weil ich nur für Biel da sein wollte. In Zukunft werde ich mir zumindest für die Nationalmannschaft immer eine Klausel reinsetzen lassen», nimmts der 45-jährige Coach mit Galgenhumor.

Natitrainer? Nicht vor 2018

Ganz abgeschrieben hat Kevin Schläpfer die Nationalmannschaft noch nicht: «Falls sie mich nach Ablauf meines Vertrages noch immer wollen, werde ich bereit sein!» Vorderhand wolle er aber einfach nur Ruhe, damit er sich auf seine Arbeit konzentrieren könne. «Ab morgen zählt nur noch Kloten» – der nächste Gegner der Seeländer.

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Der Verwaltungsrat des EHC Biel hat am Mittwochabend entschieden, seinen vom nationalen Verband umworbenen Trainer Kevin Schläpfer nicht ziehen zu lassen. Das hat eine grosse Delegation des Vereins am Donnerstagmittag vor den Medien erklärt.

«Wir waren schockiert vom Vorgehen des Verbandes», nimmt EHCB-Geschäftsführer Daniel Villard kein Blatt vor den Mund, als er am letzten Samstag von Kevin Schläpfer informiert worden war, dass ihm ein schriftliches Angebot als Nationaltrainer vorliegt. «Es kann nicht sein, dass der nationale Verband direkt an einen Trainer herantritt, der noch einen Vertrag über drei Jahre hat.»

«Es ist ein Entscheid, den nicht Kevin Schläpfer alleine fällen kann, das muss der EHC Biel machen», sagte der Verwaltungsratsdelegierte Sandro Wyssbrod. «Ich bin aber überzeugt, dass Kevin Schläpfer weiterhin alles für den EHC Biel geben wird.» Wyssbrod verriet ausserdem, dass das Gehalt des Coaches um «eine stolze Summe» aufgebessert werde: «Wir können ihm den Ruhm eines Nationaltrainers nicht geben, aber er soll in dieser Situation nicht nur verlieren.» Ein finanzieller Zustupf, den Schläpfer nie verlangt hätte, wie dieser betont.

Schläpfer spricht von Traumangebot

«Ich danke natürlich dem Verband», ergriff dann Kevin Schläpfer das Wort. Dann übermannten ihn jedoch seine Emotionen, er schluckte ein paar Mal leer und verschwand dann kurz im hinteren Bereich, um sich wieder zu fassen. Als das der Fall war, sprach er von einem «super Angebot», das er erhalten habe. «Ein Doppelmandat wäre nie in Frage gekommen, einen Kevin Schläpfer braucht man zu 100 Prozent. Auch Biel zu verlassen, wäre nie in Frage gekommen, solange der Verein auf mich setzt.»

Eine dritte Variante habe er sich aber vorstellen können, im Frühling das Amt zu übernehmen: «Das wäre ein Traum gewesen.» Dann kommen die Emotionen wieder hoch: «Was der EHC Biel in den letzten zehn Jahren für mich gemacht hat, ist sensationell, da bin ich ewig dankbar. Deswegen werde ich auch weiterhin alles für den Verein geben.»

«Mit Biel kann mans machen»

«Bei einem Arno del Curto vom HC Davos wäre ein solches Vorgehen nie möglich gewesen. Aber der Verband hat wohl das Gefühl, mit Biel kann man es schon machen», ärgert sich Andreas Blank, Präsident des Verwaltungsrates.«Ich habe vom Verband das Versprechen erhalten, dass es keinen weiteren Vorstoss geben wird. Ich hoffe, sie halten ihr Wort.»

Kevin Schläpfer zog sich nach Ende der Medienkonferenz direkt zurück, ohne individuelle Interviews zu geben. Er könne den Entscheid des Vereins durchaus verstehen, «aber natürlich kämpft man mit sich selbst in so einem Moment.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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