Ebbett wird am Geburtstag beschenkt

Dem SCB gelingt das wegweisende 1:0 in Unterzahl.

Lichtschutz, nicht Kriegsbemalung: die SCB Spieler Ebbett, Rüfenacht und Sciaroni (von links).

Lichtschutz, nicht Kriegsbemalung: die SCB Spieler Ebbett, Rüfenacht und Sciaroni (von links).

(Bild: Raphael Moser)

Adrian Ruch

Andrew Ebbett ist gewöhnlich ein besonnener Mann, doch im Tatzen-Derby verliert er kurz nach der zweiten Pause die Contenance. Die Schiedsrichter haben das vermeintliche 0:1 für den SCB wegen eines verschobenen Tores annulliert. Der SCB-Kanadier reklamiert derart heftig, dass ihm zwei Minuten aufgebrummt werden. Doch dann wird er von seinen Teamkollegen beschenkt, schliesslich feiert er seinen 36. Geburtstag: Er sieht von der Strafbank aus, wie sich Tristan Scherwey an der Bande gegen zwei Emmentaler durchsetzt und Gaëtan Haas lanciert, der in Unterzahl Tigers-Keeper Damiano Ciaccio zwischen den Beinen erwischt. Nur 76 Sekunden später erhöht Yanik Burren, auch er von Scherwey bedient, auf 0:2 für die Mutzen.

Das erste Goal des Freiluft-Spektakels schiessen die Stadtberner. 0:1

«Es ist frustrierend, wenn ein Treffer aberkannt wird, obwohl das Tor nur einen Zentimeter verschoben war. Aber selbstverständlich war es schlecht von mir, handelte ich mir diese Strafe ein. Ich muss Scherwey und Haas Merci sagen, dass sie für den Shorthander sorgten. Das war die entscheidende Situation in diesem Match», sagt Ebbett am Ende, als seine Mannschaft als 1:4-Sieger feststeht. Flurin Randegger, der das Ehrentor der Gastgeber markiert hat, analysiert das Geschehen ähnlich: «Fünf Minuten haben den Ausschlag gegeben. Wir kassierten diesen Shorthander, nachdem zuvor eigentlich alles für uns gelaufen war. In dieser Phase war der SCB eiskalt.»

Das dritte Tor für den SCB. 0:3

Der verzögerte Torjubel

Die fünf Tore im Schlussabschnitt entschädigten die Besucher für zwei ereignisarme Drittel. Echte Torgefahr herrschte nur selten. Nahe war der SCB am Führungstreffer, als Haas in der 30. Minute zum Penalty antrat, und die Tigers hätten fünf Minuten später vorlegen können, als Jérémie Kamerzin den Puck für den geschlagenen Leonardo Genoni vor der Torlinie wegschlug. «Es ging alles sehr schnell, ich sah, dass die Scheibe frei lag, und reagierte reflexartig», schildert der SCB-Verteidiger am Ende die beschriebene Szene. In den Vordergrund stellt er sich deswegen nicht. «Wir spielten solid und nutzten im letzten Drittel unsere Chancen. Die Linie mit Haas und Scherwey sorgte für den Unterschied», bilanziert er zufrieden.

Auch die Emmentaler treffen im Stade de Suisse. 1:3

Die beteiligten Akteure sprechen fast alle von einem «coolen Erlebnis» – trotz tiefem Lärmpegel. Jedenfalls war für die SCL Tigers kein Heimvorteil spürbar. «Die Stimmung war speziell, weil die Zuschauer so weit weg vom Geschehen sassen. Bei einem Spiel in Langnau ist es auf jeden Fall lauter, das kann schon helfen», sagt denn auch SCL-Stürmer Nils Berger. Und Ebbett ist aufgefallen, «dass der Jubel etwa mit einer halben Sekunde Verspätung bei uns ankam, als wir ein Tor geschossen hatten». Der Mittelstürmer, der den Puck zum 1:4 ins verlassene Gehäuse bugsiert hat, ist nun anders als noch in der 41. Minute bester Laune. Kein Wunder: Es steht ihm ein gemütliches Geburtstagsfest mit seiner Mutter, seiner Schwester und seinem Neffen bevor. Und schon bald wird er noch mehr zu feiern haben. Die Vertragsverlängerung mit dem SCB um zwei Jahre steht unmittelbar bevor.

Der SCB macht den Sack zu und trifft ins leere Tor.

Berner Zeitung

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