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«Dieses Spiel ist ein riesiges Abenteuer»

Nach 13 Jahren beim SCB kehrt der 36-jährige Martin Steinegger heute erstmals nach Bern zurück – als Verteidiger des EHC Biel.

Werden Sie zum Saisonstart in Bern bösartig sein?

Martin Steinegger: (Überlegt lange) Wenn es die Situation erfordert, ja. Aber ich bin ja vom Naturell her nicht böse (lacht).

Trainer John Van Boxmeer sagt, Sie würden dem SCB fehlen, weil Sie zuweilen auch bösartig gewesen seien und damit Zeichen für die Kollegen gesetzt hätten.

Das lasse ich so stehen. Schliesslich sollte man als Spieler dem Trainer nie widersprechen.

Denkt man als Spieler daran, dass einem ein ehemaliger Teamkollege gelegentlich auf den Wecker gegangen ist?

(Lacht) Nein, nein. Es spielt ja nicht der SCB - Steinegger, sondern Bern - Biel. Es gibt sicher keine Abrechnungen, auch keinen Groll gegenüber dem SCB.

Sie werden vor dem Spiel vom SCB offiziell verabschiedet. Was erwarten Sie für Reaktionen aus dem Publikum?

Es ist nicht an mir, etwas zu erwarten. Aber ich bin sicher, dass es einen herzlichen Empfang geben wird.

Sie waren 13 Jahre beim SCB.

Meine schönen Erinnerungen werden immer bleiben. Es ist ganz speziell, dass ich bereits im ersten Spiel nach Bern zurückkehre. Die Postfinance-Arena ist für mich zur zweiten Heimat geworden. Als ich bei Biel unterschrieb, wusste ich noch nicht, ob wir in der NLA spielen würden. Und nun beginnen wir die A-Saison gleich beim SCB.

Was erwarten Sie für ein Spiel?

Es ist schwierig, Prognosen abzugeben. Unsere Vorbereitung war von Höhen und Tiefen geprägt. Es geht für uns in Bern auch darum, den Stress der Zuschauer zu verkraften. Viele von uns haben noch nie vor einer solchen Kulisse gespielt. Dieses Spiel ist für uns ein riesiges Abenteuer. Wir müssen den Respekt ablegen, dann kann uns ein gutes Spiel gelingen. Aber wenn wir wie das Mäuschen vor der Schlange warten, dann bekommen wir eins auf den Deckel.

Laufen Wetten mit ehemaligen Teamkollegen?

Wetten auf Sieg oder Niederlage wären nicht fair, wir sind der klare Underdog. Alles andere als eine klare Bieler Niederlage wäre überraschend. Es müssten also Wetten mit Handicap sein. Aber als Sportler weiss man ja, dass man nicht auf eigene Spiele wetten darf (lacht).

Der SCB hat beste Voraussetzungen, ist aber in den letzten zehn Jahren nur einmal Meister geworden. Weshalb?

Man muss die ganze Geschichte anschauen. Vor zehn Jahren wäre der SCB fast Konkurs gegangen. Dann galt es, den Klub wieder auf die Beine zu bringen. Und in den letzten Jahren war die Ausgangslage glänzend. Ich wurde in den 13 Jahren beim SCB zweimal Meister. Es stimmt schon, es hätten zwei, drei Titel mehr sein dürfen. Auch in der letzten Saison schafften wir es nicht, im wichtigsten Moment in Bestform zu sein.

Was trauen Sie dem SCB in dieser Spielzeit zu?

Mit dieser Mannschaft muss der Titel das Ziel sein.

Welche Perspektiven sehen Sie für den EHC Biel?

Wir haben ein gleich hohes Ziel wie der SCB, einfach auf anderem Niveau. Als Aufsteiger kann das Ziel nur der Ligaerhalt sein. Wir haben Potenzial, müssen es aber ausschöpfen.

Es dürfte mehr Niederlagen als Siege geben…

Wir müssen so schnell wie möglich so viel wie möglich lernen. Es ist wichtig, dass wir rasch punkten. Das stärkt den Glauben an den Ligaerhalt. Basel fiel nach vielen Niederlagen in eine Depression. Wenn der Winter und der Nebel kommen, dürfen nicht auch noch zahlreiche Niederlagen aufs Gemüt schlagen.

Biels Trainer Heinz Ehlers sagt, im Training bringe keiner derart viel Intensität aufs Eis wie Sie.

Die Trainings sind einer der Hauptunterschiede zum SCB. Es ist eines meiner Ziele, die Intensität der Trainings zu erhöhen. Man muss die Zweikämpfe mit Härte führen, die Übungen mit Tempo und die Trainings mit Intensität. Wille und Biss sind nötig, um im Training ein Matchgefühl entstehen zu lassen. Nur so kommt man weiter. Sie verzichteten in Biel darauf, das Captainamt zu übernehmen.

Ich habe nicht verzichtet. Aber als mich der Trainer gefragt hat, ob ich gleich Captain sein wolle, habe ich geantwortet, dass ich es besser fände, die Hierarchie des Teams nicht auf den Kopf zu stellen. Die Mannschaft war in der NLB sehr erfolgreich. Ein einzelner Spieler kann ohnehin nicht allzu viel bewegen, die Verantwortung muss verteilt werden.

Sie einigten sich mit Ehlers darauf, die Rolle des Assistenzcaptains zu übernehmen.

Ja. Ich habe als ehemaliger Nationalspieler Einfluss. Das hängt aber nicht vom Buchstaben auf meinem Leibchen ab.

Wie sehen Sie Ihre Rolle?

Ich spiele sicher nicht den grossen Max. In Biel können alle Eishockey spielen. Es geht darum, den Mitspielern Vertrauen zu geben. In der Vorbereitung spielte ich an der Seite junger Akteure wie Noah Schneeberger und Jérémie Kamerzin. Ich möchte helfen, ihnen den Weg durch die NLA zu erleichtern.

Wie werden Sie sich am Freitag nach dem Spiel fühlen?

Das wird bestimmt auch vom Resultat abhängig sein. Aber nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Am Samstag steht gegen Rapperswil ein sehr wichtiges Heimspiel auf dem Programm.

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