Die Verwandlung – eine Bieler Geschichte

Der EHC Biel blickt auf die stärkste Qualifikation seit 28 Jahren zurück – trotz Krise und Trainerwechsel. An dieser Leistung wird der Club im Playoff-Viertel­final gegen Davos gemessen.

<b>Antti Törmänen</b> hat Biel mit Selbstdisziplin und Emotionen auf Rang 3 geführt.

Antti Törmänen hat Biel mit Selbstdisziplin und Emotionen auf Rang 3 geführt.

(Bild: Keystone)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Es ist ein untrügliches Zeichen für Erfolg. Derweil Antti Törmänen seinen Spielern auf dem Eis Anweisungen gibt, baut nebenan das Westschweizer Fernsehen RTS eine Kamera auf; es plant einen grösseren Beitrag über den EHC Biel.

Der Club ist wie die Stadt Biel bilingue, also irgendwie weder Fisch noch Vogel. Und deshalb geniesst er in den fran­zösischsprachigen Medien weit weniger Beachtung als Gottéron, Lausanne und Servette. Oder anders, ein klein wenig bösartig, ­formuliert: Läuft es dem EHCB rund, ist er ein welscher Verein, ansonsten überlässt man ihn gern den Deutschschweizern.

Es überrascht also kaum, ist RTS vor dem Auftakt zum Playoff-Viertelfinal heute gegen Davos nach Biel gereist. Schliesslich sind die Seeländer das Über­raschungsteam der Saison; sie schlossen die Qualifikation auf Rang 3 ab, was ihnen letztmals vor 28 Jahren gelang.

Disziplin und Emotionen

Kaum jemand hat Biel eine solche Leistung zugetraut, erst recht nicht nach diesem turbulenten Herbst. Im November stellte der Club Coach Mike McNamara frei, das Team war nach einem starken Start erneut in die Krise geraten.

Zunächst unter Sportchef Martin Steinegger und dann unter Törmänen fand Biel jedoch den Rank wieder und setzte gar zum Höhenflug an. In 20 Partien unter dem Finnen punktete der EHCB 19-mal. «Darüber bin ich sehr erfreut», meint der Coach, «wobei wir manchmal etwas Glück hatten, doch das haben gute Teams.»

Törmänen hat im Seeland zweifellos einiges bewegt. So sagt etwa Beat Forster: «Mike ist ein starker Ausbildner, das haben wir am Anfang gebraucht. Doch er konnte in uns nicht die nötigen Emotionen wecken. Antti Törmänen kann die Spieler hervor­ragend abholen.» Der SCB-Meistertrainer von 2013 gibt ihnen Freiheiten, doch hat er auch eine strikte Linie, fordert Selbstdis­ziplin.

Als während der Olympiapause ein Spieler im Training nicht bei der Sache war, schickte er ihn kurzerhand nach Hause. Samuel Kreis, der unter dem Finnen schon in Bern spielte, sagt: «Antti hat die Intensität rauf­geschraubt, er fordert auch im Training ehrliche, harte Arbeit.»

Ein weiterer Grund für den Bieler Erfolg ist Jonas Hiller. Seit dem Jahreswechsel ist der Keeper in Topform, was er nicht zuletzt an den Olympischen Spielen demonstrierte (Fangquote von 95,60 Prozent). «Jedes erfolg­reiche Team braucht einen guten Torhüter, und das ist Hiller für uns», sagt Törmänen. «Die Teamkollegen spielen für Jonas, kämpfen hart im eigenen Slot.

«Es geht darum, viermal zu gewinnen, je schneller, desto besser.»Antti Törmänen

Er schätzt das und will ihnen dafür etwas zurückgeben.» Die De­fensive, welche im Herbst noch durch viele Unzulänglichkeiten auffiel, wirkt generell gefestigt. Das ist nicht zuletzt auf Forster zurückzuführen. Neben dem Alphatier aus dem Appenzell haben junge Spieler wie Benoit Jecker und Kreis grosse Fortschritte gemacht. Letzterer ist gar einer der Aufsteiger der Saison. «Mein Selbstvertrauen ist gestiegen», sagt Kreis, «wir sind eine junge und hungrige Truppe.»

Die neue Rolle

Nun werden die Karten aber neu gemischt. Gegen den HCD wird sich weisen, wie stark Biel wirklich ist. «Davos hat einige starke Individualisten, es wird mit viel Tempo und Emotionen spielen», sagt Törmänen. «Wir müssen unseren Job machen. Es geht darum, viermal zu gewinnen, je schneller, desto besser.»

Wobei sich die Ausgangslage für den EHCB verändert hat. In der fünften Playoff-Teilnahme seit dem Aufstieg 2008 wird er erstmals nicht klarer Aussen­seiter sein. «Es gibt bei der Aus­geglichenheit in dieser Liga auch keine Underdogs mehr», ent­gegnet Forster. Für ihn wird es gewiss eine spezielle Serie, trifft er doch auf seinen langjährigen Ar­beitgeber. «Aber ich muss niemandem etwas beweisen», hält er fest.

Im Sommer sagte der Routinier, sein Ziel sei, Meister zu ­werden – was allenthalben Verwunderung auslöste. Mit seiner gradlinigen Art, seinem grossen Selbstvertrauen hat er in der ­Garderobe zu einem Mentalitätswechsel beigetragen.

Forster hält nach wie vor an seiner Aussage fest, doch weiss er, dass Biel nun an den starken Leistungen in der Qualifikation gemessen wird. Nur wenn es gelingt, diese auch im Playoff abzurufen, dürfte Biel in der Romandie weiterhin als welscher Club wahrgenommen werden.

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