Die neun Fragezeichen bei den SCL Tigers

Gewinnen die SCL Tigers am Dienstag gegen Kloten zwei Punkte mehr als Gottéron gegen Ambri, ist der Ligaerhalt Tatsache. Bei den Langnauern besitzen neun Schweizer keinen Vertrag – einige treten zurück, einige kämpfen um ihre Karriere.

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Saisonende Mitte März? Ferien vor Frühlingsbeginn? So etwas war bei den SCL Tigers in den letzten Jahren undenkbar. Egal ob Abstiegs- oder Aufstiegskampf – in den vergangenen Meisterschaften wurden die Langnauer bis in den April hinein gefordert. Weshalb diese Saison eine willkommene Ausnahme bilden könnte: Nach dem ersten Spieltag in der Platzierungsrunde liegt die Equipe von Trainer Heinz Ehlers nach wie vor elf Punkte vor den Playout-Plätzen. Holen die Tigers am Dienstag (19.45 Uhr, Ilfishalle) gegen Kloten zwei Zähler mehr als Got­téron gegen Ambri, sind sie gerettet.

Wenngleich die Verantwortlichen noch immer den Ernst der Lage betonen, ist davon auszu­gehen, dass die Saison nach den kommenden fünf Partien zu Ende sein wird. Fünf Partien, in welchen sich einige Akteure präsentieren oder halbwegs würdig verabschieden möchten. Neun Profis mit Schweizer Lizenz besitzen keinen Vertrag für die kommende Spielzeit, jeder sieht sich mit sportlichen respektive beruflichen Fragezeichen konfrontiert.

Die Jungen

Tom Gerber und Silvan Wyss sind 23, Fabien Currit ist 21 – eine Zukunft bei den Tigers haben sie nicht. Gemein ist ihnen überdies, dass Heinz Ehlers nicht auf sie setzt und dass sie kaum in der NLA Unterschlupf finden werden. Gerber («Nach dem Trainerwechsel änderte sich meine Lage um 180 Grad») spielt leihweise mit Langenthal um den NLB-Titel, ein Wechsel in den Oberaargau ist möglich.

Der Seeländer Wyss meint, er sei nach der Entlassung Scott Beatties in ein Loch gefallen. Mit Thurgau hat er Gespräche geführt, «aber es gibt keine Garantie, dass ich irgendwo einen Vertrag kriege». Derweil sagt Currit, er stehe mit keinem Verein in Kontakt. Die Situation sei frustrierend, «ich mache mir Sorgen».

Die Routiniers

Wer die NLA-Einsätze von Claudio Moggi, Adrian Gerber und Manuel Gossweiler addiert, erhält ein Total von 1620. Vielleicht eine Handvoll Spiele wird dazukommen. Gossweilers zwei Saisons in Langnau verliefen nicht nach seinem und dem Gusto des Klubs. «Ich habe genug vom Eishockey», sagt der Verteidiger, welcher seine Karriere beenden wird. Er geht bald auf Reisen; was das spätere Berufsleben betrifft, ist er ziemlich planlos.

Seit zehn Jahren bei den Tigers spielt Claudio Moggi. Zwischenzeitlich war er Captain, unter Heinz Ehlers hat er massiv an Einfluss eingebüsst. Der Stürmer hat am fünftmeisten Tore erzielt, 21 Langnauer aber erhalten mehr Eiszeit als der 34-Jährige. Einen Vertrag kriegt Moggi nicht mehr, einige möchten ihn in einer strategischen Funktion an den Klub binden. Der Rücktritt ist zumindest nicht ausgeschlossen.

Dies gilt auch für Adrian Gerber. Kein anderer Akteur hat mehr Spiele im Langnauer Dress absolviert. «Ich hoffe, dass der Ligaerhalt bald feststeht. Dann darf ich wohl nochmals in die Hosen steigen», sagt er schmunzelnd. Gerber, zuletzt oft überzählig, schliesst einen Transfer in die NLB nicht aus. «Aber ich erzwinge nichts. Ich habe eine Familie, werde ihr keinen Umzug zumuten.»

Die Glücklichen

Weder am Anfang noch am Ende der Karriere befinden sich die 27-Jährigen Dan Weisskopf und Jewgeni Schirjajew. Im Vergleich mit erwähnten Teamkollegen können sie sich glücklich schätzen, zeigen doch einige NLA-Vereine Interesse an ihnen. Schirjajew hat als Einziger ein Angebot von den Tigers vorliegen, doch Ambri buhlt um ihn. Der Stürmer ist in seiner Entwicklung stehen geblieben («Mit dem System des neuen Trainers bekundete ich zu Beginn Mühe»), ein Transfer in die Leventina würde nicht überraschen. Weisskopf hält fest, er habe einige ­Optionen in der höchsten Liga, allerdings sei nichts konkret. Der Bieler will sich bis Ende Saison möglichst gut präsentieren.

Die tragische Figur

Seit 2015 läuft bei Jordy Murray sportlich schief, was schieflaufen kann. Der amerikanisch-kanadische Doppelbürger, welcher dank Schweizer Lizenz das Ausländerkontingent nicht belastet, stieg vor zwei Jahren mit Rapperswil ab. Nach seinem Wechsel zu den Tigers absolvierte er 14 Spiele, erlitt eine schwere Hirnerschütterung und ist nun seit 16 Monaten ausser Gefecht. Weil es sich nicht um seine erste gravierende Kopfverletzung handelt, wird Murray, der in Nordamerika weilt, seine Karriere wohl beenden müssen. Mit gerade mal 27 Jahren hofft er auf eine Zukunft im Eishockeybusiness.

Berner Zeitung

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