«Die Kultur im Verein hat geändert»

Im Oktober verletzte sich Philippe Seydoux (32) schwer im Gesicht, nun ist der Verteidiger zurück im Team der SCL Tigers. Er spricht über abgebrochene Zähne, Pro­bleme beim Essen – und er bezeichnet den Sieg gegen Lausanne als wichtiges Zeichen.

Zurück: Philippe Seydoux gab letzte Woche sein Comeback.

Zurück: Philippe Seydoux gab letzte Woche sein Comeback.

(Bild: Raphael Moser)

2 Spiele, 3 Punkte – hätten Sie für diese Ausbeute vor den Wochenendspielen gegen Lausanne und Lugano unterschrieben?Philippe Seydoux:Nein! Schliesslich haben wir zuletzt bewiesen, auch gegen die grossen Teams bestehen zu können. In Lugano haben wir es leider nicht geschafft, nach der 2:1-Führung das Spiel zu kontrollieren. Alles in allem aber sind 3 Punkte in Ordnung.

Weil sechs Stammkräfte fehlten, hatte Coach Heinz Ehlers diverse Umstellungen vornehmen müssen. Wie wirkte sich dies aus?Wir sind knapp besetzt. Schon gegen Lausanne wurden einige Spieler stark forciert, andere spielten trotz Schmerzen. Wenn innert zwanzig Stunden zwei Partien anstehen, ist das happig.

Ist die Konstanz derzeit das Hauptproblem der Tigers?Wir sind eine Stimmungsmannschaft. Wir müssen immer im Modus sein, als würde das wichtigste Spiel der Saison anstehen. Nicht nur auf der taktischen, auch auf der emotionalen Ebene benötigen wir hundert Prozent. Gegen grössere Teams fällt uns das leichter als gegen kleinere.

Auffällig ist, dass Langnau oft verliert, wenn sich die Chance ergibt, über den Strich zu klettern.Mir gefällt dieses Image nicht. Es ist ungemein schwierig, den nächsten Schritt zu machen. Von Platz 2 bis 11 ist die Liga relativ ausgeglichen, wir sind noch bei den Leuten dabei. Der Sieg gegen Lausanne war ein wichtiges Zeichen. Endlich ist es uns mal gelungen, ein Spiel zu «töten». Wenn wir mit zwei Toren führen, schleicht sich manchmal eine Zufriedenheit ein. Das geschieht unbewusst, muss abgestellt werden.

Vor Wochenfrist gaben Sie beim 5:3-Sieg in Bern Ihr Comeback, nachdem Sie sich Mitte Oktober gegen den SCB schwer verletzt hatten. Was war geschehen?Ich checkte Thomas Rüfenacht; er machte eine unkontrollierte Bewegung, und sein Stock traf mich mit voller Wucht im Gesicht. Sechs Zähne brachen auseinander, Ober- und Unterkiefer waren eingerissen, zudem erlitt ich eine Hirnerschütterung.

Klingt nicht eben angenehm . . .. . . als ich den Zahnschutz aus dem Mund nahm, realisierte ich, dass von einem Zahn nur noch Pulver übrig geblieben war. Einer war bis zur Wurzel weg, einer rausgeschlagen und ein anderer war stark nach hinten gebogen. Es tat schon weh, nach dem Zahnarzt­besuch am folgenden Tag aber waren die Schmerzen viel schlimmer.

Können Sie beschwerdefrei essen?Bis vor anderthalb Wochen trug ich eine Schiene, das war nervig, auch wegen der Reinigung. Weil die Zähne vorne gebrochen sind, muss ich das Essen auf die Seite schieben. Aber das ist halb so wild.

In den letzten elf Jahren blieben Sie nur während einer Saison verletzungsfrei. Sind Sie leidensfähiger geworden?Ich denke schon. Wenn man so viel durchgemacht hat und derart heftige Schmerzen ertragen musste, die man sich niemals hatte vorstellen können, dann wird man schon weniger zimperlich. Dann sind auch etwas schwerere Verletzungen quasi Peanuts.

Sie denken an den 2014 erlittenen Darmdurchbruch, als Sie sich gar in Lebensgefahr befanden.Nach der Notoperation musste ich zwei Wochen lang im Spital bleiben, verlor 12 Kilo. (Überlegt) Der Unfall gegen den SCB war ein Dämpfer – die Frage kam auf, weshalb es wieder mich getroffen hatte. Viele Verletzungen hatten mit Pech zu tun. Einmal rutschte ich mit dem Velo in einer Tramschiene aus und erlitt eine Hirnerschütterung, einmal verletzte ich mich beim Fussballspielen. Ich habe daraus aber viel gelernt.

Was genau?Dass ich noch härter kämpfen muss, damit ich den Anschluss wieder schaffe. Ich habe einen Personal Coach engagiert, setze auf Osteopathie und chinesische Medizin. Der Klub musste sich daran gewöhnen, dass ich vieles selbst in die Hand nehme. Aber es ist ein Grund dafür, dass ich jeweils schnell zurückgekehrt bin.

Ihr Vertrag läuft Ende Saison aus. Welche Pläne verfolgen Sie?Ich habe keine Gespräche geführt. Es ist eine schwierige Saison: Am ersten Wochenende brach ich mir eine Rippe, verzichtete aber auf eine Pause. Bis jetzt habe ich zwei Spiele beschwerdefrei absolvieren können. Mir gefällt es in Langnau. Früher herrschte eine Art Zufriedenheit nach dem Verlieren – das ist nicht mehr der Fall. Die Kultur im Verein hat geändert.

Berner Zeitung

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