Die Krise der Tigers ist weggearbeitet

Die SCL Tigers bezwingen Lausanne 4:3 nach Verlängerung. Es handelt sich um den dritten Sieg in den letzten vier Spielen. «Wir sind auf einem guten Weg», hält Coach Heinz Ehlers fest.

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Marco Oppliger@BernerZeitung

In Lausanne entsteht die Zukunft. Am Freitag legten lokale Politiker den Grundstein für die neue Eishalle, die in zwei Jahren eröffnet werden soll. Dannzumal möchte der Lausanne HC zur Spitze der National League gehören. Mit der Hilfe kanadischer Geldgeber haben die Waadtländer bereits in den letzten Monaten damit begonnen, Spieler mit grosszügigen Angeboten an den Lac Léman zu locken. Das Unterfangen missriet – mal abgesehen vom Zuzug Joël Vermins. Denn noch fehlt es dem LHC an Grösse und Potenzial, als attraktive Adresse zu gelten.

So passt es ganz gut, spielt der Klub vorerst in einem provisorischen Stadion, gleich neben der grossen Baustelle. Denn im Moment gibt es für Trainer Daniel Ratushny einiges zu tun: 3:4 unterlag seine Equipe am Samstag einem dezimierten Langnau nach Verlängerung; es handelte sich um die siebte Niederlage im neunten Saisonspiel. Einige Supporter brachte dies dermassen in Rage, dass sie nach der Partie kurzerhand das Eisfeld stürmten.

Die Langnauer waren zu diesem Zeitpunkt bereits in der Garderobe verschwunden. Mangels Gästesektor in der Eishalle konnten sie sich die Ehrenrunde schenken. «Es war ein bisschen komisch», meint Alexei Dostoinow. «Wir konnten uns bei niemandem verabschieden und bedanken.» Das hätten die SCL Tigers an diesem Abend freilich gerne getan.

Prominent besetztes Lazarett

Derweil die Krise im Waadtland Einzug hält, geht es bei den Emmentalern aufwärts. Seit dem kläglichen 0:4 in Kloten haben sie drei von vier Partien für sich entschieden. «Wenn wir so spielen wie gegen Lausanne, haben wir gegen jedes Team die Möglichkeit zu gewinnen», sagt Heinz Ehlers. Sein Team agierte diszipliniert, spielte geradliniges, einfaches Eishockey – so wie es der Trainer verlangt. «Wir sind auf einem guten Weg», hält der Däne fest.

Der Aufwärtstrend der Langnauer überrascht insofern, als dass sie gleich auf mehrere Stammspieler verzichten müssen. Nach dem Spiel gegen Got­téron am Freitag hatten sich mit Thomas Nüssli, Ville Koistinen und Lukas Haas drei weitere Akteure ins Lazarett begeben müssen. Deshalb beorderten die SCL Tigers kurzerhand Eric Himelfarb und Stefan Rüegsegger zurück aus La Chaux-de-Fonds respektive Langenthal.

«Es war die Chance für Spieler, die sonst nicht so viel Verantwortung erhalten, und wir haben Charakter gezeigt», meint Ehlers. «Man hat gespürt, dass einige fehlten, also hat jeder von uns noch ein bisschen mehr gegeben», sagt Dostoinow. Der Flügel avancierte in der Verlängerung zum Matchwinner, als er ein Zuspiel Samuel Ernis verwertete.

Zuvor hatten sich Lausanner und Langnauer eine packende Partie geliefert, die auf beide Seiten hätte kippen können. Dreimal legten die SCL Tigers durch Antti Erkinjuntti, Eero Elo und Miro Zryd – mit einer sehenswerten Einzelleistung – vor, dreimal zog der LHC nach. Dass das Duell in der Überzeit entschieden werden musste, lag nicht zuletzt an Ivars Punnenovs.

Der Tigers-Keeper hielt sein Team mit einigen Paraden im Spiel. Mit ihm im Tor haben die Langnauer nun gegen Biel, Gottéron und Lausanne gewonnen. «Er ist in guter Form, ich sehe deshalb keinen Grund, etwas zu ändern», sagt Ehlers. Festlegen will sich der Coach in der Torhüterfrage dennoch nicht: «Spielt er schlecht, werde ich etwas ändern.»

«Wir waren zu soft»

Die Lage im Emmental hat sich in den letzten zwei Wochen merklich entspannt. «Wir brauchten einfach ein Erfolgserlebnis», sagt Dostoinow. «Wir wissen, wie wir spielen müssen. Aber Anfang Saison waren wir zu soft, haben zu viele Tore erhalten. Das ist nicht unsere Art.» Der Blick auf die Tabelle hat zwar nach elf Runden wenig Aussagekraft – und doch zeichnet sich ab, dass sich keine lange Baisse erlauben darf, wer in die Playoffs will. Die achtplatzierten SCL Tigers liegen lediglich zwei Zähler vor Genf auf Rang elf.

«Es liegt an uns, wir können ­jedes Spiel gewinnen, wenn wir kämpfen», sagt Dostoinow. Das können die SCL Tigers nun unter Beweis stellen: Nächsten Samstag gastiert der formstarke Meister Bern in der Ilfishalle, tags darauf reisen die Emmentaler nach Davos.

Berner Zeitung

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